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Explosionen bei Lidl und Capri-Sun: Rentner (66) festgenommen und in U-Haft

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Neckarsulm/Eppelheim: Nach den Explosionen und einer dritten Brief-Bombe in München nimmt die Soko einen Mann aus dem Raum Ulm fest. Bislang schweigt der 66-Jährige zu den Vorwürfen:

Update vom 20. Februar: Ist der Brief-Bomber endlich gefasst? Wie die Staatsanwaltschaft Heidelberg und Landeskriminalamt Baden-Württemberg am Samstagnachmittag mitteilen, kann die Soko einen 66-jährigen Mann festnehmen. Er steht im Verdacht, die Sprengstoff-Pakete versandt zu haben. Der Rentner kommt aus dem Raum Ulm und kann an seinem Wohnsitz widerstandslos festgenommen werden. Zuvor hat die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen den Verdächtigen beantragt. Der Mann sitzt nun in Untersuchungshaft und schweigt bislang zu den schweren Vorwürfen. Die Polizei geht nicht davon aus, dass weitere Brief-Bomben unterwegs sind. Sie untersucht die Wohnung des Mannes. Die Beamten sind dem 66-Jährigen aufgrund des Versandwegs und der Art der Sprengstoffpakete auf die Schlichte gekommen.

Explosionen bei Lidl und Capri-Sun: 3. Briefbombe sollte bei Hipp hochgehen

Update vom 19. Februar, 10:26 Uhr Bei der in München am Flughafen entdeckten und entschärften Brief-Bombe handelt es sich laut BILD-Informationen um einen an Babynahrung-Produzent Hipp adressierten Sprengsatz!

Ein Spezialist des bayrischen LKA habe die Brief-Bombe im dortigen Paketverteilerzentrum aufgrund eines konkreten Hinweises ausfindig gemacht, so BILD. Vielmehr sei dieser Erfolg einem Tipp der Polizei aus Baden-Württemberg zu verdanken.

Demnach scheint die 100-köpfige Soko des LKA Baden-Württemberg mit Ermittlern aus Heilbronn, Mannheim und Ulm den Bombenbastler bereits auf den Fersen zu sein. Schließlich hat man rechtzeitig herausgekriegt, dass eine dritte Bombe im Umlauf ist. Doch warum Ulm? Mindestens einer der Sprengsätze soll von dort aus verschickt worden sein.

Explosion bei Lidl: Gleicher Täter wie bei Capri-Sun-Anschlag? Soko jagt irren Bombenbastler

Update vom 18. Februar, 18:15 Uhr: Die Polizei geht von einem Zusammenhang zwischen den Anschlägen in Eppelheim und Neckarsulm aus. Das bestätigt die Staatsanwaltschaft Heidelberg, die zusammen mit dem Landeskriminalamt Stuttgart die Ermittlungen bündelt. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg übernimmt nun den Fall und hat bereits eine Sonderkommission mit 100 Beamten aus Ulm, Heilbronn und Mannheim ins Leben gerufen.

In der Pressemitteilung heißt es weiter, dass in der Nacht auf Donnerstag eine weitere Brief-Bombe gefunden wurde. In einem Münchner Flughafen habe man in dem Paketverteilerzentrum eine Postzustellung entschärft. „Die Sendung war an ein Lebensmittelunternehmen mit Sitz in Bayern adressiert. Auch das bayerische Landeskriminalamt ist daher eng in die Ermittlungen eingebunden“, heißt es weiter. Das Motiv ist weiterhin völlig unklar. Spezialisten prüfen derzeit die Sendung sowie den Tatort, um mögliche Spuren zu sichern. Weitere Informationen für die Bevölkerung veröffentlicht das Landeskriminalamt in einem Hinweiszettel.

Explosion bei Lidl: Zusammenhang mit Anschlag bei Capri-Sun? Die neusten Details

Meldung vom 18. Februar, 11 Uhr: Der Tag nach der verheerenden Explosion einer Brief-Bombe in der Zentrale von Lidl in Neckarsulm:* Der Schock ist noch immer riesengroß, die Hintergründe der Tat sind unklar. Am Mittwoch (17. Februar) hat gegen 14:50 Uhr eine Detonation das Firmengebäude in der Rötelstraße erschüttert. Mehr als 100 Mitarbeiter mussten sicherheitshalber umgehend evakuiert werden und sind mit dem Schrecken davon gekommen. Bei einer Durchsuchung des LKA mit Suchhunden sind im Gebäude keine weiteren verdächtigen Gegenstände gefunden worden. Weniger Glück hatten drei Lidl-Angestellte, die sich offenbar in unmittelbarer Nähe zur Explosion befunden haben: Eine Person wurde „mittelschwer verletzt“, zwei weitere erlitten glücklicherweise nur leichte Verletzungen, wie die Polizei mitteilt.

Explosion bei Lidl: So schwer verletzte die Brief-Bombe drei Mitarbeiter

Die Explosion bei Lidl hatte besonders bei einem Mitarbeiter schlimme Auswirkungen, wie echo24.de* exklusiv aus Konzernkreisen erfahren hat. Der Mann erlitt wohl Verbrennungen an der linken Körperseite und zog sich durch die Explosion offenbar auch Verletzungen am Auge zu. Glücklicherweise bestehe aber keine Gefahr, zu erblinden. Alle drei Opfer waren umgehend nach der Detonation medizinisch betreut worden. Auch Seelsorger waren in Neckarsulm vor Ort.

Ein Kriminaltechniker bringt in Neckarsulm einen Plastikbeutel zum Wagen.
Ein Kriminaltechniker bringt in Neckarsulm einen Plastikbeutel zum Wagen. © Sebastian Gollnow/dpa

Explosion bei Lidl und Capri-Sun: Besteht ein Zusammenhang zwischen den Anschlägen?

Auffällig: Nur einen Tag zuvor ist es im nur rund 60 Kilometer entfernten Eppelheim bei Heidelberg bei Capri-Sun-Hersteller ADM Wild zu einem ähnlichen Vorfall gekommen,* wie HEIDELBERG24* berichtet. Dort ist gegen 11 Uhr ein Paket explodiert. Ein Mitarbeiter, der das Paket entgegengenommen hat, erleidet dabei ein Knalltrauma. Glücklicherweise hat der Verletzte das Krankenhaus schon wieder verlassen können. Die Tat eines Nachahmers kann bei Lidl aufgrund der Kürze der zeitlichen Abstände wohl eher ausgeschlossen werden. Stattdessen deutet Vieles auf die unfassbaren Taten eines irren Bombenbastlers hin. Hoffentlich folgen nicht noch weitere Anschläge!

Ein verdächtiges Paket bei ADM Wild in Eppelheim löst einen Großeinsatz aus.
Ein verdächtiges Paket bei ADM Wild in Eppelheim löst einen Großeinsatz aus. © HEIDELBERG24/PR-Video/Priebe

Über die Ursache der Explosion gibt es aktuell noch keine Erkenntnisse. Die Kriminalpolizeidirektion Heidelberg und die Zentrale Kriminaltechnik haben die Ermittlungen übernommen. Unterstützt werden sie von Spezialisten des LKA Baden-Württemberg. Auch merkur.de berichtet im News-Ticker über die Explosion in der Lidl-Zentrale.*

Explosion bei Lidl: Ermittler analysieren Sprengstoff – Zusammenhang mit Vorfall in Eppelheim?

Bislang ist weiter unklar, woher der explosive Brief an die Lidl-Zentrale kam – und wer der Absender ist. Auch ein Motiv ist bisher nicht bekannt. „Derzeit wird untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen gibt“, erklärt ein Heilbronner Polizeisprecher auf Anfrage von HEIDELBERG24*. So werde etwa analysiert, ob der gleiche Sprengstoff verwendet wurde, wie bei der Paket-Bombe im Capri-Sun-Werk in Eppelheim. „Aber das dauert und ist nicht innerhalb weniger Stunden bzw. in einer Nacht machbar.“

Als Konsequenz sei durchaus denkbar, dass speziell bei größeren Firmen in der Region aufgrund der beiden schlimmen Zwischenfälle mit insgesamt vier Verletzten die Alarmglocken läuten und die Sicherheitsmaßnahmen angepasst werden. Als Polizei könne man die Unternehmen nicht anweisen, dies zu tun. „Durch die Berichterstattung sind sicher viele sensibilisiert und werden jeder selbst entscheiden, ob die Sicherheitsmaßnahmen erhöht werden“, so der Sprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn. (pek) *HEIDELBERG24, echo24.de und merkur.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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