Täter warf Molotow-Cocktails

Marbach am Neckar: Anschlagsserie mit 8 Verletzten – Polizei steht vor Rätsel und nennt neue Details

Marbach/Ludwigsburg: Am frühen Samstagmorgen (3. Oktober) kommt es in Marbach am Neckar zu einer Serie von Brandanschlägen – dabei werden acht Personen verletzt. Alle Infos:

  • Marbach: Täter verübt Brandanschläge auf Polizeistation, Kirche und Wohnhaus.
  • Acht Personen werden verletzt, der Sachschaden beläuft sich auf über eine halbe Million Euro.
  • 42-jähriger Mann nach Anschlagsserie in Marbach festgenommen.
  • Noch am selben Tag kommt es in Marbach erneut zu einer Explosion.
  • Polizei schließt rassistisches Motiv aus.

Update vom 5. Oktober: Eine Anschlagserie von drei zeitgleichen Bränden versetzt das idyllische Marbach am Neckar im Kreis Ludwigsburg am Samstagmorgen (3. Oktober) in Angst und Schrecken. Ein 42-jähriger Tatverdächtiger wird kurz darauf festgenommen – er steht unter dem dringenden Verdacht, Molotow-Cocktails auf eine Polizeistation, eine Kirche und ein Wohnhaus geworfen zu haben. Durch die Brandanschläge werden acht Personen verletzt. Noch am selben Tag kommt es in unmittelbarer Nähe zu den Tatorten zu einer weiteren Explosion – diesmal vor einem Drogeriemarkt.

Das Motiv des Täters stellt die Ermittler weiter vor ein Rätsel. Der tatverdächtige 42-Jährige hatte bei seiner Festnahme polizei- und fremdenfeindliche Parolen von sich gegeben, doch wie ein Sprecher der Polizei Ludwigsburg nun mitteilte, schließen die Ermittler rassistische Motive für die Taten in Marbach aus. Dafür gebe es nach derzeitigem Ermittlungsstand keine Anhaltspunkte, der Staatsschutz sei nicht eingeschaltet. Der mutmaßliche Täter habe sich in einem „psychischen Ausnahmezustand“ befunden und war zuvor noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten. Der Mann sitzt nach wie vor in U-Haft.

Marbach: Explosion nach Brandanschlägen – Polizei sieht keinen Tatzusammenhang

Am Abend des gleichen Tages kommt es nur wenige Meter entfernt von den drei Tatorten in Marbach erneut zu einer Explosion: Ein oder mehrere bislang unbekannte Täter hatten vor dem Eingangsbereich einer Müller-Filiale einen Sprengsatz gezündet und offensichtlich so versucht, in das Ladeninnere zu gelangen – ohne Erfolg. Laut Polizei Ludwigsburg bestehe keine Verbindung zwischen den Brandsätzen am Morgen und der Explosion am späten Samstagabend. Die Ermittlungen dauern weiter an.

Marbach: 8 Verletzte nach Brandanschlägen auf Polizeirevier und Wohnhaus

Erstmeldung vom 4. Oktober: In den frühen Morgenstunden des 3. Oktober erschüttert eine Serie von Brandanschlägen das beschauliche Marbach am Neckar in der Nähe von Ludwigsburg. Unter den Anschlagszielen befinden sich eine Polizeistation, eine Kirche und ein Wohnhaus. Dabei werden insgesamt acht Personen verletzt, der Sachschaden beläuft sich insgesamt auf über 500.000 Euro. Kurz nach dem Anschlag auf die Polizeiwache kann ein 42-jähriger Mann festgenommen werden. Am späten Abend kommt es dann schließlich erneut zu einer Explosion im Stadtgebiet. Über die Vorfälle in Marbach am Neckar berichtet HEIDELBERG24*.

Marbach/Ludwigsburg: Mehrere Brandanschläge mit Moltow-Cocktails verübt

Um kurz nach 3 Uhr am frühen Samstagmorgen bemerken Polizisten des Polizeireviers Marbach am Neckar in der Steinerstraße, dass ein Unbekannter einen selbstgebauten Brandsatz in Form eines Molotow-Cocktails gegen die Eingangstüre der Wache geworfen hatte. Zur gleichen Zeit gehen die Anrufe mehrerer Zeugen bei den Beamten ein, dass es in der Niklastorstraße in der Innenstadt von Marbach am Neckar zu zwei weiteren Brandanschlägen gekommen war. Auch hier wurden Molotow-Cocktails auf ein Wohnhaus und eine Kirche geworfen.

Am Polizeirevier schlagen rund zwei Meter hohe Flammen um sich. Während ein Teil der Beamten damit bemüht ist, den Brand zu löschen, heften sich drei Polizisten an die Fersen des flüchtenden Täters. Mit Erfolg: Nur wenige Meter weiter können sie den mutmaßlichen Täter (42) der Brandanschlagsserie von Marbach stellen.

Bei der Festnahme bewirft der 42-jährige Tatverdächtige eine Beamtin mit einer nicht brennenden Schnapsflasche, außerdem führt er einen Schlagstock mit sich.

Marbach/Ludwigsburg: Wohnhaus nach Brandanschlag einsturzgefährdet – 8 Personen verletzt

Unterdessen kommt es in der Innenstadt von Marbach zum Großeinsatz der Feuerwehr. Zuvor helfen couragierte Ersthelfer dabei, den Brand an der Kirche zu löschen, und bringen zudem die fünf Bewohner des brennenden Hauses ins Freie. Das steht beim Eintreffen der Einsatzkräfte bereits in Vollbrand und auch ein Nachbargebäude kann aufgrund des dichten Rauches und der damit verbundenen Kohlenmonoxidbelastung nicht mehr betreten werden.

Feuerwehrleute löschen ein Feuer nach einem Brandanschlag auf ein Gebäude in der Innenstadt von Marbach.

Ersten Einschätzungen der Polizei Marbach zufolge entsteht durch den Brand des Mehrfamilienhauses in der Niklastorstraße ein Schaden von über einer halben Million Euro. Durch den Brandanschlag ist das Gebäude einsturzgefährdet und somit nicht mehr bewohnbar. Die Schäden an der Kirche werden auf rund 10.000 Euro geschätzt, der Schaden an der Polizeiwache konnte bislang noch nicht beziffert werden.

Bei den Brandanschlägen von Marbach werden insgesamt acht Personen leicht verletzt, darunter vier Bewohner des Mehrfamilienhauses sowie zwei Ersthelfer. Diese müssen in der Folge medizinisch versorgt werden. Bei dem Anschlag auf das Polizeirevier werden zwei Beamte verletzt.

Brandanschläge in Marbach: Tatverdächtiger skandierte polizei- und fremdenfeindliche Parolen

Bei dem festgenommenen Tatverdächtigen handelt es sich um einen 42-jährigen Deutschen. Wie ein Sprecher der Polizei Marbach mitteilt, hatte er bei seiner Festnahme „polizei- und fremdenfeindliche Parolen“ von sich gegeben, außerdem beleidigte er die Beamten. Nach erstem Eindruck gehen die Beamten davon aus, dass er die Tat in einem „psychischen Ausnahmezustand“ beging. Ob und inwieweit rechtsextremes Gedankengut ausschlaggebend für die Brandanschläge in Marbach war, ist Gegenstand der weiteren Ermittlungen. Der mutmaßliche Täter wurde noch am Abend dem Haftrichter vorgeführt, der erließ Haftbefehl. Der 42-jährige Mann war nach Angaben der Staatsanwaltschaft Heilbronn und des Polizeipräsidiums Ludwigsburg zuvor nicht polizeilich in Erscheinung getreten.

Marbach: Am Abend kommt es erneut zur Explosion – diesmal Brandanschlag auf Müller-Filiale

Nur rund 19 Stunden nach der Anschlagsserie kommt es im Eingangsbereich einer Müller-Filiale in der Wildermuthstraße in Marbach zur Explosion eines bislang noch unbekannten Sprengsatzes. Der Anschlagsort befindet sich jeweils nur zwei Gehminuten von der Polizeiwache Marburg und der Kirche und dem Wohnhaus, wo es am Morgen zu den Brandanschlägen gekommen war.

Der völlig zerstörte Eingangsbereich einer Müller-Filiale nach einem erneuten Brandanschlag in Marbach.

Durch die Explosion im Einkaufsbereich des Drogeriemarktes entsteht ein Schaden von rund 10.00 Euro. Dem Täter oder den Tätern war es nicht gelungen, sich in der Folge Zutritt in den Innenbereich zu verschaffen. Eine sofort eingeleitete Fahndung verlief ohne Erfolg. Auch hier hat die Kriminalpolizei des Polizeipräsidiums Ludwigsburg die Ermittlungen übernommen. Zeugenhinweise werden unter 0800 - 1100225 entgegengenommen. (pol/rob) *HEIDELBERG24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa/Simon Adomat

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