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Corona in BW: „Triage“ bald Klinik-Alltag? Forscher schlagen Alarm!

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Von: Marten Kopf

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Heidelberg – Wegen der vielen Corona-Fälle auf Intensivstationen warnen Forscher vor negativen Folgen für andere Patienten. Ärzte müssten schon bald entscheiden, wen sie (nicht) behandeln.

Trotz aktuell wieder leicht sinkender Inzidenzzahlen sind Experten alarmiert! Mit der Omikron-Variante des Coronavirus* sehen Epidemiologen eine neue, schwere Infektionswelle auf Deutschland zu rollen. Es wird schon die fünfte große Welle seit Beginn der Pandemie sein. Am vergangenen Dienstag (21. Dezember) dann beschließen Bund und Länder gemeinsam neue Schritte gegen die beginnende Ausbreitung der gefährlichen Mutante. Schon etwas früher am Tag hatte auch das Robert-Koch-Institut die sofortige Umsetzung eines umfassenden Maßnahmen-Bündels empfohlen.

BundeslandBaden-Württemberg
LandeshauptstadtStuttgart
Einwohnerzahl11.103.043 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche35.751,46 km²
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen)

Schon kurz nach der Bund-Länder-Konferenz werden erste Stimmen laut, die die gefassten Beschlüsse für nicht weitreichend genug halten, gerade jetzt in der Weihnachtszeit. So sollen die schärferen Regeln für private Treffen etwa in Baden-Württemberg* bereits unmittelbar nach den Weihnachtsfeiertagen in Kraft treten – also schon einen Tag früher als eigentlich vereinbart, wie HEIDELBERG24* berichtet. Dennoch hält auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann* die beschlossenen Maßnahmen für längst nicht ausreichend*. Die verabredeten Kontaktbeschränkungen seien nicht ausreichend, vor allem wenn sich die Lage zuspitze, so der Grünen-Politiker.

Baden-Württemberg: Überfüllte Intensivstationen – „Ungewollte Priorisierung“

Nun warnen auch die Krebszentren mit Blick auf die vollen Intensivstationen eindringlich vor den negativen Folgen für Patienten mit schweren onkologischen Erkrankungen. Schon jetzt hätten zwei Drittel der befragten Kliniken keine Kapazitäten mehr, um weitere Krebspatienten aufzunehmen, wie aus einer am Dienstag in Heidelberg veröffentlichen Erhebung der Corona Task Force des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), der Deutschen Krebshilfe und der Deutschen Krebsgesellschaft hervorgeht. Im Dezember wurden dazu 18 große universitäre Krebszentren in Deutschland befragt.

Der DKFZ-Vorstandsvorsitzende Michael Baumann erklärt, bei steigenden Corona-Fallzahlen müsse man mit einem erneuten Anstieg an Patienten rechnen, die intensivmedizinisch betreut werden müssten. Die Intensivstationen könnten aber schlichtweg niemanden mehr aufnehmen. Das gelte sowohl für Corona-Patienten als auch für Menschen mit anderen schweren Erkrankungen. „Tritt dies ein, wird die Triage zum Klinikalltag“, warnt der Mediziner. Und der Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, Thomas Seufferlein, sagt, man müsse sich darüber im Klaren sein, dass überfüllte Intensivstationen wegen Covid-19 zu einer ungewollten Priorisierung der zu behandelnden Patientinnen und Patienten – und damit faktisch zu einer „stillen Triage“ – führten. Der Anteil an freien Intensivkapazitäten liege wegen der Pandemie in weiten Teilen Deutschlands bei zehn Prozent oder darunter.

Vor diesem Hintergrund fordert eine Top-Juristin aus Baden-Württemberg im Falle einer Triage, den Impfstatus eines Patienten zu berücksichtigen.

Intensivpatienten: Warnung vor „Willkür vor Ort“

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte die Politik. Vorstand Eugen Brysch sagte, diese stille Triage habe vor allem auch die Politik zu verantworten. „Denn Bund und Länder haben empfohlen, auf planbare Operationen zu verzichten. Damit sind 19 Millionen Nicht-Covid-19-Patienten der Willkür vor Ort ausgesetzt. Es ist überfällig, dass der Bundestag endlich Leitlinien für diesen inhaltsleeren Begriff festlegt.“

Nur die Abgeordneten des Parlaments seien demokratisch legitimiert, in einer Krisensituation über die Verteilungskriterien von Lebenschancen zu entscheiden. Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe, appelliert derweil an die Menschen, sich gegen Corona impfen zu lassen und sich an die Kontaktbeschränkungen zu halten: „Wir müssen die Zahl der Neuinfektionen unbedingt verringern, um alle schwerkranken Patienten adäquat versorgen zu können“. Erst kürzlich hatte mit Richard Werkmeister, Arzt und Professor am Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz und außerdem Vorsitzender der Krebsgesellschaft Rheinland-Pfalz* e. V, ein weiterer namhafter Krebsforscher striktere Regeln im Umgang mit dem Coronavirus gefordert. Werkmeister plädierte zum Schutz vor allem von Krebspatienten seinerzeit für eine Umsetzung der 2G-Regel auch in Supermärkten*. (mko/dpa) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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