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Baden-Württemberg: Gefährliches Pferde-Virus breitet sich aus – hilft eine Impfung?

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Bei einem Turnier in Spanien bricht das Herpes-Virus aus und infiziert zahlreiche Pferde. Nun ist auch mindestens ein Stall in Baden-Württemberg betroffen:

„Hast Du schon von den Herpes-Fällen gehört?“ – Derzeit sind zahlreiche Pferdebesitzer wegen einer Virus-Infektion in Sorge. Es handelt sich dabei nicht um das Coronavirus, sondern um Herpes (EHV-1). Von der Krankheit hat eigentlich schon jeder Pferdenarr gehört, allerdings nicht in dem jetzigen Ausmaß. Nach einem Turnier in Spanien ist es zu einem regelrechten Herpes-Ausbruch mit dramatischen Konsequenzen gekommen. Zahlreiche Tiere sind schwer krank, auch Pferde in Deutschland sind bereits daran gestorben, wie HEIDELBERG24* berichtet.

KrankheitHerpes-Virus (EHV-1)
ÜbertragungDirekt (Tröpfcheninfektion) und indirekt (durch Gegenstände oder Menschen)
Gefährlich für Menschen?Nein

Pferde mit Herpes infiziert: Symptome nicht sofort zu erkennen

Am Montag (8. März) nimmt die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) zu dem Herpes-Ausbruch Stellung. In einem Schreiben klärt die FN über Krankheitsverlauf, Ausbruch und Impfung auf. Etwa 80 Prozent der Pferde tragen bereits das Herpes-Virus in sich - das bleibt bis zu ihrem Tod auch so. „Da das Virus in der Pferdepopulation so weit verbreitet ist, kommt es unabhängig von dem Ausbruch in Valencia in den Wintermonaten regelmäßig zu Herpes-Fällen“, so die FN. Oftmals erkennen Pferdebesitzer erst gar nicht, dass ihr Tier erkrankt ist, da die Anzeichen kaum merklich sind. Einige Pferde bekommen wiederum Fieber, was gut zu behandeln ist. Bei trächtigen Stuten kann eine Herpes-Infektion jedoch das Fohlen schwächen oder gar töten.

Der Ausbruch im spanischen Valencia zeigt jedoch „bisher seltener“ bekannte Symptome. Hier leiden die Pferde an Lähmungen, können teilweise nicht mehr richtig laufen oder stehen. Teilweise müssen die Vierbeiner mit einem Kran angehoben werden.

Pferde mit Herpes infiziert: Ausbruch in Spanien – „Vorhof zur Hölle“

Das Herpes-Virus ist bei einem Turnier in Spanien ausgebrochen,* wie costanachrichten.com berichtet. Den Berichten zufolge gibt es dort eine große Anzahl von schweren klinischen Fällen, auch seien bereits fünf Pferde von deutschen Reitern an der Infektion gestorben. Unter anderem erliegt die 12-jährige Stute von Turnierreiterin Tessa Leni Thillmann aus Mecklenburg der Krankheit. Auf Instagram verfasst die 16-Jährige eine emotionale Botschaft und nimmt von ihrem geliebten Pferd Abschied. Sie schreibt: „Du hast gekämpft bis zum Ende und wolltest nie aufgegeben! Ich bin dir für ALLES dankbar, was du mir ermöglicht hast: für unsere gemeinsamen Erfolge und all die wunderschönen und unvergesslichen Momente!“ Auch ein weiterer Turnierreiter, der in Valencia startete, berichtet von einem sehr aggressiven Virus. Darüber berichtet der NDR.

Tessa Leni Thillmann nimmt von ihrer Stute Abschied. Das Pferd starb am Herpes-Virus
Tessa Leni Thillmann nimmt von ihrer Stute Abschied. Das Pferd starb am Herpes-Virus © Screenshot/Instagram/tessaleni

In Valencia sei die Lage weiterhin sehr dramatisch, wie Axel Milkau im Telefongespräch mit NDR zugibt. „Es ist der Vorhof zur Hölle“, so Milkau. „Die Lage dort ist erdrückend, sie ist furchtbar.“ Man behandle die Tiere mit Cortison. „Und wenn sie es schaffen, dann ist das wie nach einem Schlaganfall. Die sind dann nicht mehr so wie vorher. Die können nur noch auf der Wiese herumlaufen“, sagt Milkau. „Es geht hier nicht um den wirtschaftlichen Schaden. Wir sind alle Tierliebhaber, und die sterben uns da weg.“

Pferde mit Herpes infiziert: Nach Ausbruch in Spanien auch Ställe in Baden-Württemberg betroffen

Es gibt bereits Herpes-Ausbrüche in Baden-Württemberg. Wie das Reiterjournal bestätigt, steht ein betroffener Betrieb unter Quarantäne. Die Tiere werden dort tiermedizinisch betreut. Ob auch weitere Ställe in Baden-Württemberg mit einem Herpes-Ausbruch zu kämpfen haben, ist derzeit nicht bestätigt. Eine Anfrage der FN steht noch aus.

Baden-Württemberg: Herpes-Ausbruch in Stall – Kann eine Impfung helfen?

Viele Pferdebesitzer überlegen nun ihre Lieblinge gegen das Virus impfen zu lassen. Gerade in Zeiten der Corona-Krise wird dieses Mittel als Rettung empfunden. Allerdings betont die FN in ihrem Schreiben, dass eine Impfung „den Ausbruch der Erkrankung beim einzelnen Pferd nicht sicher verhindern“ kann. Infizierte Tiere könnten aber weniger Viren ausscheiden. Damit sinke das Risiko einer Krankheitsübertragung. „Die Impfung hat vor allem dann einen Effekt, wenn möglichst alle Pferde in einem Stall geimpft sind. Je mehr Pferde geimpft sind und damit weniger Viren ausscheiden, desto mehr sinkt auch der Infektionsdruck“, heißt es weiter.

Eine Herpes-Impfung ist keine Pflichtimpfung, lediglich Turnierpferde müssen in einigen Fällen gegen das Virus immunisiert werden. Trotz des Ausbruchs in Valencia wird es sobald auch keine Impfpflicht für Freizeitpferde geben. Der Grund: Es mangelt an Impfstoff. Die FN erklärt, dass bereits in der Vergangenheit nicht ausreichend Herpes-Impfstoff vorhanden sei und „auch aktuell kommt es aufgrund der hohen Nachfrage zu Engpässen.“ Zudem müsse man Pferde mehrfach impfen, damit eine Grundimmunisierung stattfindet. „Aus den genannten Gründen wird die FN nicht ad hoc eine Herpes-Impfpflicht einführen“, heißt es weiter.

Nach Herpes-Ausbrüchen: FN streicht alle Turniere

In Deutschland sowie in neun anderen Ländern werden wegen des Herpes-Ausbruchs alle Reitsport-Turniere abgesagt. Der Stopp gilt bis zum 28. März. „Jedes Pferd, das daran verstirbt, ist eines zu viel“, meint FN-Geschäftsführer Soenke Lauterbach zum NDR und ergänzt: „Es gibt noch keine pandemische Lage. Damit es aber nicht so weit kommt, haben wir harte Maßnahmen ergriffen.“

Trotzdem: Für Axel Milkau sei das Herpes-Virus „für das Reiten schlimmer als Corona“ – und bei diesem Satz werden wohl viele Pferdebesitzer zustimmen. (jol) *HEIDELBERG24 und costanachrichten.com sind ein Angebot von IPPEN MEDIA

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