1. Heidelberg24
  2. Baden-Württemberg

Freiwillige Quarantäne in BW – Lauterbach macht Rückzieher: „Habe Fehler gemacht“

Erstellt:

Von: Marten Kopf

Kommentare

Viele staatliche Corona-Beschränkungen im Alltag sind seit dem 3. April passé. Bei den geplanten Lockerungen zur Isolation macht Gesundheitsminister Lauterbach aber einen Rückzieher:

Update vom 6. April: Die zum 1. Mai geplante freiwillige Isolation von Corona-Infizierten kommt doch nicht. Das kündigte
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) an. „Die Beendigung der Anordnung der Isolation nach Corona-Infektion durch die Gesundheitsämter zugunsten von Freiwilligkeit wäre falsch und wird nicht kommen. Hier habe ich einen Fehler gemacht“, schrieb der SPD-Politiker am Mittwoch auf Twitter.

Die geplante Änderung entlaste zwar die Gesundheitsämter, aber das Signal sei „falsch und schädlich“. Weiter schrieb Lauterbach: „Corona ist keine Erkältung. Daher muss es weiter eine Isolation nach Infektion geben. Angeordnet und kontrolliert durch die Gesundheitsämter.“ Mehr dazu wolle er am Mittwoch (6. April) offiziell machen. Lauterbach betonte: „Der Fehler lag bei mir und hat nichts mit der FDP oder Lockerung zu tun.“

Bei Markus Lanz: Lauterbach kippt freiwillige Quarantäne

In der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ am späten Dienstagabend (5. April) hatte Lauterbach bereits angekündigt, dass es die zum 1. Mai geplante freiwillige Isolation von Corona-Infizierten nicht geben werde. Bleiben solle aber eine verkürzte Isolation von fünf Tagen. Nach Beratungen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatte der Minister am Montag mitgeteilt, dass Corona-Infizierte und Kontaktpersonen ab 1. Mai in der Regel nur noch freiwillig und für kürzere Zeit in Isolierung oder Quarantäne müssen.

Infizierten sollte demnach nur noch „dringend empfohlen“ werden, sich für fünf Tage zu isolieren und Kontakte zu meiden - für Kontaktpersonen von Infizierten sollte es entsprechend gelten. Eine Anordnung des Gesundheitsamts sollte wegfallen. Lauterbach sagte im ZDF, das wäre zur Entlastung der Gesundheitsämter auch sinnvoll gewesen.

Freiwillige Isolation „verheerendes“ Signal

Das Signal aber, dass ein Infizierter selbst über eine Isolation entscheide, sei „so negativ, so verheerend“, dass es an diesem Punkt eine Veränderung geben müsse. Der „symbolische Schaden“, Corona sei nicht gefährlich, sei so verheerend, dass man diese Isolationsordnung so nicht machen könne.

„Es bleibt dann dabei, wenn jemand krank ist, also hat sich infiziert, dann ordnet das Gesundheitsamt weiter an. Und wenn jemand nur Kontaktperson ist, und es ist Quarantäne, dann macht man es selbst.“ Für die Quarantäne brauche man die Gesundheitsämter nicht.

CDU-Vorsitzender Merz kritisiert „kurzatmige“ Regierung

Es sei gut, dass der Bundesgesundheitsminister seinen Fehler eingesehen habe und die Pflicht zur Isolation von Infizierten aufrecht erhalten wolle, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Die Isolationspflicht eines infizierten Menschen sei etwas anderes als die Quarantäne einer Kontaktperson. „Infizierte stecken andere Menschen mit dem Virus an und gefährden gerade Immungeschwächte, die mitten unter uns leben. Corona ist kein Schnupfen.“

Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz hat Lauterbach (SPD) wegen dessen Zurückrudern bei der geplanten Aufhebung der Corona-Isolationspflicht kritisiert. Bis Dienstagabend sei man davon ausgegangen, dass die Pflicht aufgehoben werde, sagte Merz am Mittwoch im Deutschlandfunk. „Das hat der Bundesgesundheitsminister gestern Nacht in einer Talkshow zurückgenommen.“ Daran sei zu sehen, wie „kurzatmig“ regiert werde. Beschlüsse hätten nicht einmal 48 Stunden Geltung. (rmx/dpa)

Quarantäne in BW – ab diesem Tag ist sie nur noch freiwillig

Erstmeldung vom 4. April: Für Menschen mit einer Corona-Infektion soll ab 1. Mai nur noch eine „dringende Empfehlung“ für eine fünf Tage lange Isolation gelten. Auf entsprechende neue Regeln verständigen sich am Montag die Gesundheitsminister von Bund und Ländern, wie Bundesminister Karl Lauterbach (SPD) mitteilt. Kontakte sollten gemieden werden, eine Anordnung vom Gesundheitsamt soll aber nicht mehr vorgesehen sein.

BundeslandBaden-Württemberg
LandeshauptstadtStuttgart
Einwohnerzahl11.103.043 (Stand: 31. Dezember 2020)
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Grüne)

Ende der Corona-Bestimmungen: Personalausfälle vermeiden

Für infizierte Beschäftigte in Gesundheits- oder Pflegeeinrichtungen soll die Absonderung aber weiter vom Amt angeordnet werden und erst nach fünf Tagen nach einem negativem Schnell- oder PCR-Test enden, so die Gesundheitsministerkonferenz. Kontaktpersonen von Infizierten wird demnach ebenfalls „dringend empfohlen“, für fünf Tage in Quarantäne zu gehen. Infizierte und Kontaktpersonen sollten sich außerdem regelmäßig testen.

Mit den Lockerungen bei den Quarantäneregeln sollen auch massenhafte Personalausfälle bei hohen Infektionszahlen vermieden werden. Sie gehen auf einen Vorschlag des Bundesgesundheitsministeriums und des Robert Koch-Instituts zurück. Bisher dauern die Absonderungen in der Regel zehn Tage und können mit einem negativen Test nach sieben Tagen beendet werden. Eine formelle Anordnung des Gesundheitsamtes erfolgt häufig jetzt schon nicht mehr.

Corona-Tests: „Dringende Empfehlung“

Die Ankündigung kommt insofern überraschend, weil die hochansteckende Omikron-Variante des Coronavirus weiter dafür sorgt, dass sich immer mehr Menschen infizieren – und sich auch erneut anstecken und das Virus weiterverbreiten können. Trotzdem gelten seit dem 3. April bundesweit neue Verordnungen, die die Schutzmaßnahmen weitestgehend außer Kraft setzen.

Konkret sollen sich Infizierte demnach der „dringenden Empfehlung“ zufolge für fünf Tage selbstständig isolieren und dann – beginnend nach fünf Tagen – Schnelltests machen, bis sie negativ sind. Für Kontaktpersonen von Infizierten gilt analog die „dringende Empfehlung“, selbstständig Kontakte zu reduzieren, vor allem mit Menschen, die Risikogruppen für schwere Corona-Verläufe angehören. Sie sollten zudem täglich Selbsttests machen. (mko/dpa)

Auch interessant

Kommentare