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Querdenker in Stuttgart: Angriff auf Journalisten, Hunderte Verstöße – Die Demo der Schande

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Von: Katja Becher

Stuttgart: Die Landeshauptstadt liegt am Samstag fest in den Händen von Corona-Skeptikern. Tausende Menschen versammeln sich zur „Querdenker“-Demo – meist ohne Maske und Abstand.

Update vom 4. April, 14:30 Uhr: Die Stadt Stuttgart wehrt sich gegen die heftige Kritik nach der Querdenken-Demo. „Ich glaube, wir
haben das Beste daraus gemacht“, sagt Ordnungsbürgermeister Clemens Maier der Deutschen Presse-Agentur. Dabei geht er auch auf die Anzahl von etwa 15.000 Demonstranten ein. Wenn die Versammlung von der Polizei aufgelöst worden wäre, hätten die Beamten all diese Menschen nach Hause schicken müssen – was dann aber wohl in massiver Gewalt geendet hätte. All das sei
durchgespielt worden in Gesprächen mit der Polizei.

Maier stellt eher die Frage in den Raum, warum die Menschen keine Masken tragen wollen. „Warum erreicht die Politik Teile der Gesellschaft nicht? Das ist das eigentliche Problem“, sagt der Ordnungsbürgermeister. Dass es trotz über tausend Beamten und zwei Wasserwerfern keinen besseren Schutz für Journalisten vor Ort gegeben hat, erwähnt Maier nicht.

Querdenker-Demo in Stuttgart: DJV-Chef wütend über „Untätigkeit der Polizeibeamten“

Update vom 4. April, 10:15 Uhr: Mehrere hunderte Polizeibeamte aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen und der Bundespolizei haben am Samstag (3. April) die Querdenker-Demo in Stuttgart überwacht. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Stuttgart seien die Aufzüge und Versammlungen friedlich verlaufen, weshalb die Beamten vor Ort gebunden gewesen wären, die genehmigten Kundgebungen und Aufzüge im Rahmen der Versammlungsfreiheit zu gewährleisten.

Sowohl am Marienplatz, als auch auf der Versammlungstrecke und auf dem Cannstatter Wasen verstieß die Mehrzahl aller Teilnehmer gegen die Abstands- und Maskenauflagen. Sie alle und auch die Versammlungsleitung müssen mit Anzeigen und Ermittlungsverfahren rechnen“, schreibt die Polizei Stuttgart. Insgesamt seien 254 Verstöße geahndet worden. Große Kritik an der Polizei kommt unterdessen von Frank Überall, dem Bundesvorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV)

Querdenker-Demo in Stuttgart: Heiko Maas rügt Teilnehmer

Wütend macht mich die offensichtliche Untätigkeit der Polizeibeamten, die nichts für den Schutz unserer Kolleginnen und Kollegen unternehmen“, sagt Überall. So soll auf der Demo mit etwa 10.000 Teilnehmern ein ARD-Fernsehteam angegriffen worden sein. Während der Live-Schalte erklärt der Moderator, dass Steine geworfen werden würden und man daher den Bericht abbrechen müsste.

Was muss eigentlich noch passieren, bis die Sicherheitskräfte erkennen, dass Journalistinnen und Journalisten in Deutschland nicht
mehr frei berichten können?“, sagt Frank Überall. Bundesaußenminister Heiko Maas schreibt dazu auf Twitter, dass solche Angriffe auf die Pressefreiheit verfolgt und geahndet werden müssten. Der SPD-Politiker rügt zudem die Teilnehmer der Querdenker-Demo. „Wer dabei mitmacht, gefährdet nicht nur seine eigene Gesundheit, sondern auch die von anderen“, sagt Maas.

Querdenker-Wahnsinn in Stuttgart: „Ich sehe hier 20 Leute mit Masken, und das sind Polizisten“ 

Update vom 3. April, 16 Uhr: Tausende Menschen sind nach Angaben der Polizei am Samstag zur zentralen Kundgebung der „Querdenken“-Bewegung auf den Cannstatter Wasen in Stuttgart geströmt, um gegen die Corona-Auflagen zu demonstrieren. Die Polizei war in der Stadt schon seit dem Vormittag mit Hunderten Beamten an verschiedenen Orten aufgestellt, weil zehn teilweise unterschiedliche Kundgebungen angemeldet waren.  Im Vorfeld gingen die Behörden von 2500 Teilnehmern in Stuttgart-Bad Cannstatt aus. Diese Zahl war bereits am frühen Nachmittag deutlich überschritten. Genaue Zahlen konnte die Stuttgarter Polizei allerdings nicht nennen. Die Anmelder gingen von 6.000 Menschen aus. Auf die Frage, ob Menschen, die auf dem Weg zum Wasen waren, Masken trugen, sagte der Stuttgarter Polizeisprecher Stefan Keilbach: „Ich sehe hier 20 Leute mit Masken, und das sind Polizisten.“

Etliche Menschen nehmen an der Demo der „Querdenken“ teil und ziehen mit Ziel Cannstatter Wasen durch die Stuttgarter Innenstadt.
Etliche Menschen nehmen an der Demo der „Querdenken“ teil und ziehen mit Ziel Cannstatter Wasen durch die Stuttgarter Innenstadt. © Christoph Schmidt/dpa

Mittlerweile hat die Polizei in Stuttgart eine erste Bilanz gezogen: Gegen 12:30 Uhr kam es zu Widerständen gegen Polizisten im Bereich der Stadtbahnhaltestelle Rathaus. Dabei wurde eine Beamtin leicht verletzt. Gegen 14 Uhr wurde außerdem in der Theodor-Heuss-Straße ein pyrotechnischer Gegenstand in einen Aufzug geworfen, verletzt wurde dabei nach bisherigen Erkenntnissen jedoch niemand. Der Polizei liegt ein Video vor, wonach mutmaßlich ein Journalist in der Cannstatter Straße offenbar von einem Aufzugsteilnehmer geschlagen wurde. Die Ermittlungen hierzu dauern an. Ebenfalls ermittelt wird mittlerweile gegen den Leiter der Versammlung am Marienplatz.

„Querdenker“-Aufmarsch in Stuttgart: Etliche Verstöße gegen Corona-Regeln

Update vom 3. April, 14:11 Uhr: Gegendemonstranten in Stuttgart haben versucht, den Aufzug von Teilnehmern einer Versammlung gegen die Corona-Maßnahmen am Weiterzug zum Cannstatter Wasen zu hindern. „Sie standen oder saßen auf der Bundesstraße 14 und sind auch jetzt noch vor Ort“, sagte ein Polizeisprecher. Die Polizei werde sie zur Not wegtragen müssen, denn die Straße müsse freigeräumt werden. 

Update vom 3. April, 13:30 Uhr: Im Rahmen der Corona-Demos in Stuttgart, darunter auch eine größere „Querdenker“-Versammlung auf dem Wasen, werden die Auflagen für Versammlungen laut Polizei größtenteils nicht eingehalten. „Wir weisen die Teilnehmer auf die Einhaltung hin“, twitterte die Stuttgarter Polizei. Polizeihubschrauber seien zur Dokumentation über das Stadtgebiet im Einsatz. In einem weiteren Tweet der Polizei hieß es: „Masken- und Abstandsverstöße werden von uns beweissicher dokumentiert.“ Ein Fotograf der Deutschen Presse-Agentur berichtete von einer Volksfeststimmung bei den Teilnehmern der Versammlung auf dem Marienplatz. Die Polizei ist mit mehreren Hundert Beamten vor Ort.

Zahlreiche Menschen nehmen auf dem Marienplatz an einer Demonstration der „Querdenker“ teil.
Zahlreiche Menschen nehmen auf dem Marienplatz an einer Demonstration der „Querdenker“ teil. © Christoph Schmidt/dpa

„Ich gehe davon aus, dass heute an vielen Punkten gegen die Auflagen verstoßen wird“, sagte der Sprecher der Stuttgarter Polizei, Stefan Keilbach. Die Stadt Stuttgart hat im Falle von Verstößen gegen die Maskenpflicht und die vorgeschriebenen Abstände angekündigt, Versammlungen aufzulösen.

Stuttgart: Tausende „Querdenker“ erwartet – heute gleich mehrere Corona-Demos

Update vom 3. April, 10:51 Uhr: Die Polizei rüstet sich mit einigen Hundert Beamten für mehrere Demonstrationen gegen die Corona-Auflagen und geplante Gegenproteste in Stuttgart. Rund 2.500 Menschen werden allein zu einer Kundgebung der sogenannten Querdenken-Bewegung am Karsamsta auf dem Cannstatter Wasen am Neckar erwartet. Allerdings gehen Schätzungen derzeit davon aus, dass es auch deutlich mehr werden könnten. Die „Querdenken“-Bewegung und ihre Mitstreiter sprechen sich gegen die derzeitigen Corona-Maßnahmen aus. Die Bewegung wird vom Landesamt für Verfassungsschutz in Baden Württemberg beobachtet. Im vergangenen Sommer hatten auf dem Wasen bis zu 10.000 Menschen demonstriert.

Demo in Stuttgart: Tausende „Querdenker“ erwartet – Polizei spricht Warnung aus

Update vom 1. April: Mindestens vier Demonstrationen mit bis zu 5.000 Teilnehmern, davon alleine rund 2.500 bei der Kundegebung der sogenannten „Querdenken“-Bewegung, werden auf dem Canstatter Wasen erwartet – Schätzungen gehen jedoch derzeit davon aus, dass es auch deutlich mehr werden könnten. Der große Demo-Samstag in Stuttgart wirft seine Schatten voraus. Das Osterwochenende in der Landeshauptstadt droht unruhig zu werden, neben den angekündigten Demo-Veranstaltungen sind laut Polizei Stuttgart auch Gegenproteste geplant – unter anderem von der Antifa.

Die Stadt Stuttgart warnte für den Demo-Samstag vor erheblichen Verkehrsbehinderungen vor allem in der Innenstadt, dem Cityring und Bad Canstatt. Passanten wird empfohlen, die Kundgebungen zu meiden. „Wir befinden uns mitten in der dritten Pandemiewelle. In den Krankenhäusern steigt wieder die Zahl an Corona erkrankter Patienten und Patientinnen“, so Ordnungsbürgermeister Clemens Maier. Jeder müsse sich überlegen, ob er sich einem erhöhten Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus aussetzen wolle.

Laut Polizei werden am Samstag mehrere Hunderte Beamte in Stuttgart im Einsatz sein – dabei wird die Stuttgarter Polizei von der Bereitschaftspolizei, der Einsatzhundertschaft und der Kriminalpolizei und von Kommunikationsteams und Polizeireitern unterstützt.

Eine Kundegebung der „Querdenker“ im Mai 2020 auf dem Cannstatter Wasen (Archivfoto)
Eine Kundegebung der „Querdenker“ im Mai 2020 auf dem Cannstatter Wasen (Archivfoto) © Christoph Schmidt/dpa

Im Sommer 2020 hatten auf dem Canstatter Wasen in Stuttgart bis zu 10.000 Menschen gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert.

Stuttgart: Ansturm der „Querdenker“ und Corona-Skeptiker – mehrere Demos am Samstag

Erstmeldung vom 31. März: In Stuttgart* finden immer wieder Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen statt. Ganz vorne mit dabei: Die umstrittene Bewegung „Querdenken711“. Am Wochenende sind in der Landeshauptstadt mindestens vier Anti-Corona-Demos geplant. Die größte Veranstaltung planen die sogenannten Querdenker auf dem Wasen-Glände, drei kleinere Demonstrationen werden in der Innenstadt erwartet – und das trotz der angespannten Pandemie-Lage in Baden-Württemberg*.

Stuttgart: „Querdenker“ planen Demo auf Wasen – 2.500 Menschen erwartet

Wie MANNHEIM24* berichtet, kündigten die Querdenker aus Stuttgart bereits Anfang der Woche in einer Pressemitteilung die „erste große Demonstration von Querdenken711 im Jahr 2021“ an. Diese soll am Samstagnachmittag (3. April) auf dem Cannstatter Wasen stattfinden. Wie echo24. berichtet, erwarten die Querdenker bei der Kundgebung in Stuttgart rund 2.500 Teilnehmer.* Die Veranstaltung wird von der umstrittenen Bewegung allerdings nicht als Anti-Corona-Demo bezeichnet, sondern als „Demo für die Wiederherstellung unserer Grundrechte“. Die Anhänger der Querdenker bezeichnen die in Baden-Württemberg geltenden Corona-Regeln als „Verbote, die die Abwehr- und Freiheitsrechte aller Bürger und Bürgerinnen gegenüber dem Staat massiv beschneiden.“ Seit Dezember 2020 wird die Bewegung wegen ihrer zunehmend radikalen Ansichten vom baden-württembergischen Verfassungsschutz beobachtet.*

Stuttgart: Neben „Querdenker“-Demo – vier weitere Veranstaltungen am Samstag

Laut Mitteilung auf der Seite von „Querdenken711“ sei am Samstagmittag außerdem ein Aufzug durch die Stuttgarter Innenstadt geplant. Dieser sei allerdings nicht von der Initiative selbst angemeldet. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, seien neben der Veranstaltung auf dem Wasen und dem Aufzug durch die City außerdem noch drei weitere Demos am Samstag angemeldet worden. Laut Bericht sei am Vormittag auf dem Parkplatz Rotebühlhof eine „IMPFormations-Kundgebung zum Haftungsausschluss einer freien Impf-Entscheidung“ geplant. Zeitgleich soll auf dem Wilhelmsplatz ebenfalls eine Anti-Corona-Kundgebung stattfinden sowie eine ähnliche Veranstaltung am Samstagnachmittag auf dem Börsenplatz.

Stuttgart: Ansturm der Corona-Leugner? Stadt erwartet weitere Demos am Samstag

Laut Stuttgarter Zeitung könnten zu den vier angemeldeten Demos noch weitere hinzukommen – der Stadt lägen noch weitere Anmeldungen von Kundgebungen vor. Die genauen Auflagen für einen sicheren Ablauf, der die Gefahren der Pandemie berücksichtige, würden noch bekannt gegeben, so ein Pressesprecher der Stadt Stuttgart gegenüber der Zeitung.

Zuletzt kam es bei Massen-Demos von Corona-Leugnern in Stuttgart und Kassel zu Ausschreitungen und Gewalt gegen eingesetzte Polizisten und Journalisten. Erst am vergangenen Wochenende gab es außerdem in Sinsheim eine Kundgebung der Querdenken-Bewegung.* Die Polizei verzeichnete unter den Teilnehmern der Demo rund 600 Verstöße gegen die Corona-Verordnung. (kab) *MANNHEIM24 und echo24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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