Expertiment

Baden-Württemberg: Wetter-Phänomen Saharastaub – so viele Tonnen flogen zu uns

Seit rund einem Monat schwebt Saharastaub nach Baden-Württemberg. Wie viel Tonnen der kleinen Staubkörner sind seither angekommen? Ein Expertiment gibt Klarheit:

Baden-Württemberg - Derzeit ist ein Wetter-Phänomen in aller Munde (hoffentlich aber nur sinnbildlich): Der Saharastaub sorgt seit Februar für atemberaubende Sonnenaufgänge - und untergänge. Denn die feinen Sandkörner aus Afrika lassen den Himmel in einzigartigen Gelb- und Rottönen erstrahlen. Es lohnt sich also früh morgens oder am späten Abend aus dem Fenster zu schauen. Gleichzeitig verteilt sich der Saharastaub aber auch auf sämtliche Wagen, was vielleicht den ein oder anderen Autoliebhaber verärgern wird. Der Saharastaub schwebt immer im Frühling und Herbst von der Wüste bis nach Europa.

Wetter-Phänomen\tSaharastaub
UrsprungSaharawüste, Afrika
VeränderungDurch Niederschläge kann Blutregen entstehen

Wetter in Baden-Württemberg: Expertiment zeigt – so viel Tonnen Saharastaub kommen aus der Wüste

Auch in Baden-Württemberg gelangt Saharastaub, doch wie viel kommt eigentlich davon an? Diese Frage haben sich auch die Meteorologen von WetterOnline gestellt und dafür ein Experiment gestartet. Erst vor wenigen Tagen erreichte Mitteleuropa ein kräftiger Südwind, der erneut jede Menge Saharastaub mitbrachte. Zu Erklärung: Der Saharastaub stammt – wie der Name schon sagt – aus der Saharawüste in Afrika. Durch den Wind werden die Staubkörner, die wenige Nanometer klein sind, in die Luft gehoben und weitertransportiert. Die Aerosole können so riesige Distanzen hinter sich legen – beispielsweise bis nach Deutschland.

Der Staub ist im Eimer: Für die Berechnung der Staubmenge wurde eingestaubter Schnee entnommen und geschmolzen.

„Gesehen haben wir dies alle, entweder durch den gelblichen Himmel, durch verdreckte Autos oder durch gelblich-roten Schnee. Aus diesem Grund wollten wir einmal wissen, wie viel Staub lag da eigentlich in der Luft?“, erklärt Björn Goldhausen, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline. Um den Versuch etwas anschaulicher zu machen, wurde Schnee aus den Schweizer Alpen genommen. Der Schnee dort war teilweise nicht mehr glänzend weiß, sondern hat durch den Saharastaub eine rot-braune Schicht bekommen. Insgesamt wurde ein 10-Liter-Eimer mit dem Schnee befüllt und anschließend genaustens untersucht.

Wetter-Phänomen: So viel Tonnen Saharastaub liegen in Baden-Württemberg

Der Schnee wurde geschmolzen bis am Ende eine „braune Brühe“ übrig blieb, heißt es in dem Bericht von WetterOnline. „Dieses unansehnliche Gemisch wurde dann in einem Topf zum Kochen gebracht, bis sämtliches Wasser verdunstet war. Das Ergebnis: 3 Gramm feinster Wüstenstaub und das in nur einem Eimer Schnee“, so Goldhausen.

Sichtbares Versuchsergebnis: Dieses kleine aber dennoch beeindruckende Häufchen Saharastaub ist der Anteil in einem 10-Liter-Eimer voll Blutschnee.

„Natürlich ist es schwer, dies auf die Fläche Deutschlands hochzurechnen, da die Staubkonzentration über Mitteleuropa sehr unterschiedlich war. Setzt mal allerdings 1 Gramm Staub pro Quadratmeter an, so kommt man für Deutschland auf eine Staubmenge von 350.000 Tonnen“, erklärt der Meteorologe. Davon landen rund 10 Prozent in Baden-Württemberg (circa 35.000 Tonnen), wie HEIDELBERG24* berichtet. Insgesamt sollen laut WetterOnline jährlich 500 Millionen Tonnen des Saharastaubs auf der Erde verteilt werden. Unter anderem landen die Sandkörner im Amazonas-Regenwald und auf der Iberischen Halbinsel, wo sie für die kargen Böden eine Hauptnährstoffquelle sind.

Wetter-Phänomen in Baden-Württemberg: Saharastaub ist radioaktiv

In dem Saharastaub ist aber nicht nur Eisen, sondern auch Cäsium-137 enthalten. Dieser Stoff ist radioaktiv, aber glücklicherweise in einem sehr geringen Wert im Staub nachgewiesen worden. Grund für die Radioaktivität ist ein französischer Atomtest in Algerien. Die Bombe, die dreifach so stark war wie einst die Atombomben aus dem Zweiten Weltkrieg, wurde 1960 abgefeuert. (jol) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von Ippen.Media.

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