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Traditionsunternehmen in Not – beliebter Schuhhändler meldet Insolvenz an

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Der Schuhhändler Görtz meldet Insolvenz an. Als Gründe geben die Hamburger die durch den Ukraine-Krieg gestiegenen Kosten sowie zurückgehende Umsätze an:

Der Schuhhändler Görtz hat Insolvenz angemeldet. Das geht aus einer Pressemitteilung des Hamburger Unternehmens vom Dienstag (6. September) hervor. Demnach habe die Geschäftsführung zur Sanierung der Görtz-Group ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet.

Nach eigenen Angaben wolle sich das Traditionsunternehmen dadurch „konsequent restrukturieren und zukunftssicher aufstellen.“ Das Hamburger Familienunternehmen gibt es seit 1875. Auch in Heidelberg und Mannheim besitzt es Filialen. Darüber berichtet HEIDELBERG24.

Insolvenz beim Schuhhändler Görtz: Wie konnte es so weit kommen?

Als primären Grund für die angespannte Lage nennt die Görtz-Group die Verunsicherung der Kunden im Angesicht des Kriegs in der Ukraine. Gestiegene Energiekosten und Inflation hätten zu einer Kaufzurückhaltung geführt. Damit brachen die Umsätze sowohl in den Filialen als auch im Onlinegeschäft ein.

Diese Beobachtung bestätigt auch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg. Deren Konjunkturbarometer verzeichnete für August ein Rekordtief im Einzelhandel. Für die kommenden Monate erwarte die Gesellschaft eine Fortsetzung dieses Trends aufgrund einer wachsenden Furcht vor weiter steigenden Energiekosten im Herbst und Winter. 

Filiale der Schuhhandelskette Görtz in Hamburg
Passanten gehen vor dem Eingang des Hauptgeschäfts der Schuhhandelskette Görtz entlang. © Maja Hitij/dpa

Jedoch hatte das Unternehmen bereits in den vergangenen Jahren mit einbrechenden Umsätzen zu kämpfen und erhielt laut „faz.net“ bereits 2021 eine Finanzspritze von 28 Millionen Euro vom Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF). 2020 sei kurz zuvor der Münchner Finanzinvestor Afinum ausgestiegen, der Görtz 2014 zur Rettung geeilt war. Auch die Papierindustrie kämpft derzeit gegen die hohen Energiekosten. Experten vermuteten jetzt einen drohenden Klopapier-Mangel.

Was bedeutet die Insolvenz bei Görtz für die Angestellten?

Görtz besitzt rund 160 Filialen in Deutschland und Österreich. Planmäßig laufe der Geschäftsbetrieb in den Filialen uneingeschränkt weiter, alle Stores blieben geöffnet. Die Löhne der rund 1.800 Beschäftigten seien durch die Bundesagentur für Arbeit für September, Oktober und November gesichert. Auch die Zentrale in Hamburg sowie beide Zentrallager würden wie üblich weiter betrieben. 

Die Geschäftsführung um Frank Revermann und Tobias Voglmann bleibe außerdem bestehen. Bei dem Schutzschirmverfahren handelt es sich der Pressemitteilung zufolge um ein Sonderverfahren, bei dem die Geschäftsführung weiterhin handlungs- und weisungsbefugt ist. Rechtsanwalt Dr. Sven-Holger Undritz von der Kanzlei White & Case wurde vom Gericht als vorläufiger Sachwalter beauftragt, um die Geschäftsführung während des Verfahrens zu begleiten und im Sinne der Gläubiger zu beaufsichtigen.

Insolvenzverfahren: Wie geht es jetzt für Görtz weiter?

In den nächsten drei Monaten solle dem Gericht ein Sanierungsplan vorgelegt werden. Stimmen die Gläubiger diesem Plan zu, sei die Fortführung von Görtz gesichert, heißt es weiterhin in der Pressemitteilung. Ab Dezember wolle das Unternehmen die Löhne der Angestellten dann wieder aus eigenen Mitteln zahlen.

Schließlich meldet sich auch Görtz-CEO Frank Revermann in der Mitteilung zu Wort: „Görtz ist eine starke und bekannte Marke, die weiterhin viel Potential in sich trägt. Als Omnichannelhändler sind wir überzeugt, dass wir nach der Sanierung eine erfolgreiche Zukunft erwarten können und ein nachhaltiges Wachstum erzielen werden.” (paw)

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