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Schule in Baden-Württemberg: Kommt der „Lolli-Test“ für Schüler?

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Bald beginnt in Baden-Württemberg die Schule. Die Schüler werden dann wieder häufiger auf Corona getestet – auch mithilfe des „Lolli-Tests“?

Baden-Württemberg - Am 13. September beginnt das neue Schuljahr im Bundesland und über 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche kehren in ihre Schulklassen zurück. In Zeiten der Corona-Krise stellt der Schulstart wieder eine große Herausforderung dar. Denn dieses Mal verzichtet die Landesregierung auf eine Quarantäne-Pflicht* und setzt dafür verstärkt auf Corona-Tests. Das berichtet HEIDELBERG24*.

Allerdings: In anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen hat sich das Infektionsgeschehen seit Schulstart rasant verändert. Die Inzidenz ist in die Höhe geschossen und tausende Kinder befinden sich wieder in Quarantäne. Gesundheitsexperte Karl Lauterbach befürchtet eine Durchseuchung der Schüler* und fordert deshalb die Landesregierungen auf, sinnvolle Schulkonzepte zu erarbeiten.

BundeslandBaden-Württemberg
HauptstadtStuttgart
Einwohner11,07 Millionen (2019

So sei eine Kurzquarantäne laut Lauterbach eine gute Lösung. Derweil setzen zahlreiche Kommunen auf die sogenannten „Lolli-Tests“. Auch Baden-Württemberg* bietet den Speicheltest an und unterstützt alle interessierten Städte und Gemeinden mit einer Finanzspritze.

Schule in Baden-Württemberg: „Lolli-Tests“ für Schüler – Freiburg wird zum Modellprojekt

Freiburg macht es bereits seit einigen Monaten vor: Die sonnige Stadt lässt von den Schulkindern den „Lolli-Test“ durchführen. Eine Klasse bildet dabei einen Pool. Nur wenn ein Pool positiv ist, müssen alle Schüler einzeln auf das Coronavirus* getestet werden. Zuvor wird die Pool-Probe in einem Labor auf Covid-19 untersucht. Die Analyse ist PCR-basiert und erlaubt demnach eine genetische Diagnostik auf Virusvarianten und ist sicherer als ein Schnelltest.

Die Auswertung der entsprechenden Daten trage zu „einem besseren Verständnis der Rolle von Schulen und Kitas für das Pandemiegeschehen bei“, wie es im Juli in einer Pressemitteilung des Sozialministeriums Baden-Württemberg heißt. Der Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn freut sich, dass die Pool-Tests aus Freiburg verlängert und nun auch flächendeckend eingesetzt werden: „Die Tests sind sehr effektiv und ein zentraler Baustein, das Infektionsgeschehen in Schulen und Kitas nach den Sommerferien niedrig zu halten. Es freut mich, dass das Land dafür die notwendigen Voraussetzungen schafft. Die Stadt Freiburg und die Universitätsklinik Freiburg haben das Modellprojekt in den letzten Wochen engagiert weiterentwickelt und komplett digitalisiert. Dadurch bekommen Zehntausende Kinder beziehungsweise Eltern zweimal die Woche einen Test in PCR-Qualität sowie einen digitalen Testnachweis per E-Mail nach Hause.“

Baden-Württemberg: „Lolli-Tests“ für Schüler – so funktioniert‘s

Schüler müssen morgens in der Schule für 30 Sekunden an einem Tupfer wie an einem Lolli lutschen. Anschließend landen alle Tupfer in einem Behälter (auch „Pool“ genannt), der daraufhin ins Labor geschickt wird. Die Proben werden nun auf Corona untersucht. Das Ergebnis liegt innerhalb von 24 bis 60 Stunden vor. Kann in einem Pool kein Virusnachweis gefunden werden, ist kein Schüler an Covid-19 erkrankt. Ist der PCR-Pool positiv, bedeutet das, dass mindestens ein Kind mit dem Virus infiziert ist. Alle Kinder müssen daraufhin einen Corona-Test machen.

Schule in Baden-Württemberg: „Lolli-Tests“ an Schulen – Land unterstützt Kommunen bei Teststrategie

Angesichts der Verbreitung der ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus und einem möglichen verschärften Infektionsgeschehen durch Reiserückkehrer soll der Schulstart nach den Sommerferien durch regelmäßige Tests in Schulen, Kitas und der Kindertagespflege begleitet werden. Den Schulträgern wird es freigestellt, ob sie vom Land beschaffte Antigen-Schnelltests beziehen oder selbst andere Tests beschaffen möchten. Auch die Durchführung von PCR-Pool- beziehungsweise „Lolli“-Tests ist möglich. Die Kosten übernimmt auch in diesem Fall das Land.

Beide Testarten bieten Vor- und Nachteile. Die Schulträger müssen zwischen einem sofort vorliegenden Ergebnis bei den Antigen-Schnelltests und einer genaueren, aber auch zeitaufwändigeren Laboruntersuchung bei den PCR-Pool-Tests abwägen. Zudem muss bei den PCR-Pool-Tests auch die Logistik des Probetransports und der notwendigen Nachtestung bei einer positiven Poolprobe eingeplant werden. Das Land stellt für die Tests den Kommunen rund 73 Millionen Euro zur Verfügung. Wie viele Kommunen das Angebot der „Lolli-Tests“ angenommen haben, kann ein Sprecher des Sozialministeriums auf Anfrage von HEIDELBERG24* nicht sagen.

Schule in Baden-Württemberg: Rhein-Neckar-Kreis und Weinheim bleiben bei bewährtem System

„Der Rhein-Neckar-Kreis wird keine PCR-Pool-Testungen durchführen“, heißt es allerdings auf Anfrage von HEIDELBERG24 beim Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis. Lolli-Schnelltests würden allerdings in begrenzter Anzahl an Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren eingesetzt werden, um schwer beeinträchtigte Schülerinnen und Schüler testen zu können. Der Kreis habe sich gegen PCR-Pool-Testungen entschieden, da sich das bisherige System der Einzeltests an den Schule bewährt habe.

„Die Einzeltests ermöglichen eine frühzeitige und individuelle Erkennung von positive Tests“, heißt es aus dem Landratsamt. Alleine die Logistik des Probetransports und der notwendigen Nachtestung bei einem positiven Ergebnis des Pools wäre ohne Mehraufwand und ein gutes Konzept nicht umsetzbar. Auch die Stadt Weinheim hat sich gegen die PCR-Pool-Testungen entschieden, da man Antigen-Schnelltests vom Land bekommen habe und eine Eigenbeschaffung der Lolli-Schnelltests mit „großem Verwaltungsaufwand“ verbunden wäre.

Schule in Baden-Württemberg: Ablehnung in Heidelberg, Pilotversuch in Mannheim.

Mit einer ähnlichen Begründung lehnt auch die Stadt Heidelberg die PCR-Pool-Testungen ab. Die vom Land gelieferten Antigen Schnelltests seien „absolut ausreichend“ für die Kommune. „Die meisten Schulen in Heidelberg haben sich allerdings früh dafür entschieden, die Tests im häuslichen Umfeld durchführen zu lassen. So wird sichergestellt, dass der Persönlichkeitsschutz des Kindes gewahrt bleibt und positiv getestete Schülerinnen und Schüler erst gar nicht die Schule betreten. Außerdem geht durch die Testprozedur keine wertvolle Unterrichtszeit verloren“, heißt es auf Heidelberg24-Anfrage bei der Stadt Heidelberg. In Mannheim wird unterdessen ein Pilotversuch mit den Lolli-Test geplant.

„Der Schulstart nach den Sommerferien soll durch ein umfassendes Testkonzept begleitet werden. Ziel ist es, den erhöhten Eintrag von Infektionen nach dem Ende der Ferien- und Reisezeit aufzufangen“, sagte Gesundheitsminister Manne Lucha am Dienstag (13. Juli) in Stuttgart. (pm/jol) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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