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Schwarzwald: Kostet der Touristen-Hotspot im Südwesten bald Eintritt?

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Nichts als Natur: Traumhafte Aussichten im Nationalpark Schwarzwald. Foto: Daniel Naupold
Wunderschön: Der Nationalpark Schwarzwald. © Daniel Naupold

Schwarzwald – Verrückte Idee oder sinnvolle Gebühr mit wichtigem Verwendungszweck? Der Tourismus-Chef des Hochschwarzwaldes plant „Eintritt“ von Tagesbesuchern zu kassieren.

Jetzt ernsthaft? Müssen Tages-Touris im Schwarzwald künftig Eintritt bezahlen? Zumindest will der für die Region Hochschwarzwald in Baden-Württemberg* zuständige Tourismus-Chef, Thorsten Rudolph, die Tagesbesucher der besonders frequentierten Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkten zur Kasse bitten. Doch was hat es mit dem sogenannten „Umwelt-Euro“ auf sich? Und wie wahrscheinlich ist seine Einführung wirklich? Was in vielen US-Nationalparks längst gang und gäbe ist, könnte also auch ganz im Süden Deutschlands schnell Realität werden, wie HEIDEBERG24* berichtet.

BundeslandBaden-Württemberg
LandeshauptstadtStuttgart
Fläche35.751,46 km²
Einwohnerzahl11.103.043 (Stand: 31. Dezember 2020)
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Grüne)

Hintergrund: Während Tagestouristen oder auch Ausflügler keine Kurtaxe berappen müssen, haben Urlauber diese Gebühr zu blechen. Es wäre also eigentlich nur gerecht, wenn auch diese Schwarzwald-Gäste, die ebenfalls mit ihrem Müll, ihren Abgasen und Autolärm die schöne Natur sowie die genervten Anwohner vor Ort belasten, dafür einen Euro extra abdrücken.

Baden-Württemberg: Kosten Touri-Hotspots im Hochschwarzwald bald Eintritt?

Speziell an den teils völlig überlaufenen Ausflugszielen samt zugeparkten Parkplätzen und Zufahrtswegen kann sich der Tourismusdirektor diesen „Umwelt-Euro“ deshalb sehr gut vorstellen. Besonders an Wochenenden, Feiertagen oder in der Ferienzeit, wo sich Zehntausende Menschen auf den Weg in den Schwarzwald machen, könne die Gebühr anfallen. Etwa für beliebte kostenfreie Badestrände an Seen, wie Thorsten Rudolph gegenüber der Badische Neueste Nachrichten sagt. Und das nicht nur im Sommer! Auch begehrte Langlauf-Loipen oder Parkplätze an Skipisten wären diesbezüglich denkbar.

Dazu der Chef der Hochschwarzwald Tourismus GmbH mit Sitz in Hinterzarten zur BNN: „Muss das immer für alle kostenfrei sein? Oder kann man einen sogenannten Umwelteuro erheben, der dazu dient, in die Infrastruktur zu investieren, in den Klimaschutz, die Nachhaltigkeit?“ Mit dieser neu generierten Einnahmequelle könne man die Qualität der beliebten Tourismus-Ziele im Hochschwarzwald erhalten und sogar weiterentwickeln.

Schwarzwald: „Umwelteuro“ für Tagesbesucher im Gespräch
Schöner Schwarzwald: Die Touristiker vor Ort denken über eine Abgabe für Tagestouristen für bestimmte Attraktionen nach. © Philipp von Ditfurth

Zum Umweltaspekt kommt in der heutigen Zeit noch dazu, dass in der langwierigen Pandemie aufgrund des tückischen Coronavirus samt Ausgangssperre und zwangsgeschlossenen Hotels, Pensionen und Campingplätzen quasi allen Kommunen in dieser touristisch geprägten Region in en zurückliegenden Monaten satte Einnahmen in Millionenhöhe weggebrochen sind.

Hochschwarzwald: Mit Online-Ticketing die Besuchermassen regulieren

Falls dies Naturfreunde jetzt direkt befürchtet haben sollten: Rudolph will die Natur nicht mit Kassenhäuschen oder Schranken verschandeln. Da gibt man sich weitaus moderner: Über ein Online-Buchungssystem könnten die Besucherströme an Touri-Hotspots geregelt und somit entzerrt werden. Schließlich sei dies sicher auch im Sinne der vielen Gäste, die „frei von Schlangestehen und Menschenströmen die Natur erleben“ möchten.

Kritiker hingegen sagen, dass den Menschen der Zugang zur Natur nicht durch eine Art Bezahlschranke versperrt werden darf und jederzeit frei bleiben muss! Erst recht, wo es Millionen Menschen auch im Südwesten nach Monaten des Stubenhockens geradezu ins Freie drängt, um mal wieder (ohne FFP2-Maske) bei ausreichend Abstand zueinander durchzuatmen. Der Schwarzwald mit seinen schier endlosen Wäldern zieht da vor allem die wohnortnahen Baden-Württemberger an wie ein Magnet. Wenn überhaupt, dann sei ein Unkostenbeitrag maximal in Form einer Parkgebühr oder für eine öffentliche WC-Anlage als Dienstleistung angebracht.

Die Schwarzenbach-Talsperre bei Herrenwies in Baden-Württemberg.
Die Schwarzenbach-Talsperre bei Herrenwies in Baden-Württemberg. © Patrick Seeger/dpa

So haben die Verantwortlichen bereits für Schwarzenbach-Talsperre (Forbach), die Ruine Frauenalb (Albtal) und die Lichtentaler Allee (Baden-Baden) auch weiterhin freien Eintritt angekündigt, wie eine Mini-Umfrage der BNN ergeben hat.

Zur Beruhigung: Der „Umwelt-Euro“ ist längst nicht beschlossene Sache! Vielmehr eine erste Idee ohne konkrete Planung, wie die finanziell arg gebeutelten Kommunen auch in Zukunft finanziell ein attraktives und somit konkurrenzfähiges Touri-Angebot stemmen können. (pek) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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