„Helfen ist geil“

Stuttgarter hilft älteren Tierbesitzern, damit sie ihre geliebten Haustiere behalten können

Marcel Yousef kniet auf dem Boden und streichelt zwei Hunde.
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Marcel Yousef ist gelernter Tierpfleger und hat die Silberpfoten Stuttgart gegründet.

Haustiere geben vielen Menschen Halt und Gesellschaft, wenn sonst niemand für sie da ist. Vor allem Älteren tut das gut. Aber sie sind oft nicht mehr fit genug, um den Ansprüchen ihres Tieres gerecht zu werden - dafür gibt es die Silberpfoten Stuttgart.

Stuttgart - Für viele Menschen ist ihr Haustier nicht nur ein Tier, sondern ein Familienmitglied. Es begleitet durch Hochs und Tiefs, urteilt nicht, ist jederzeit da und schenkt bedingungslose Liebe. Doch wenn der Mensch älter wird, kann er seinem Liebling oft nicht mehr gerecht werden. In manchen Fällen kommt es dann zur schlimmsten Situation, die sich ein Tierbesitzer nur vorstellen kann: Der Hund oder die Katze müssen abgegeben werden. Das bringt nicht nur den Alltag, sondern vor allem die Psyche von Mensch und Tier durcheinander. Um solche herzzerreißenden Situationen zu verhindern, gibt es in der Landeshauptstadt Stuttgart* eine ganze besondere Organisation: Die Silberpfoten Stuttgart.

Der Verein Silberpfoten Stuttgart ist ein Teil des Tierschutzvereins Stuttgart. Hier kümmern sich tierlose Tierliebhaber oder auch Tierbesitzer mit Zeit ehrenamtlich um die Tiere ihrer älteren Mitmenschen. „Nach dem Prinzip der Nachbarschaftshilfe ermöglicht die Initiative ein generationsübergreifendes Miteinander, das sowohl den Tierschutz als auch die Mitmenschlichkeit auf besondere Weise vereint und fördert“, heißt es vonseiten der Silberpfoten Stuttgart.

Das Projekt ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Die älteren Menschen können ihr Haustier behalten, Hund und Katze werden angemessen versorgt und die Ehrenamtlichen, die oft selbst keine Haustiere halten können, haben so Kontakt zu den Haustieren und dürfen das Glück der Tierbesitzer teilen. Doch die Unterstützung gilt nicht nur für das Gassigehen mit dem Hund oder dem Schleppen des schweren Katzenstreus: Bedürftige Tierhalter können zudem je nach Situation Unterstützung durch Futtermittel, Tierbedarfsartikel oder bei Tierarzt- und Pflegekosten erhalten. Das ist vor allem wegen der steigenden Altersarmut eine große Hilfe.

Video: Marcel Yousef gründete die Silberpfoten Stuttgart vor sieben Jahren

Silberpfoten Stuttgart: Nicht nur Hilfe beim Gassigehen, auch Futterspenden sind möglich

Der Kopf hinter den Silberpfoten Stuttgart ist Marcel Yousef: Er gründete den Verein im Jahr 2014 und ist selbst täglich unterwegs, um nach den Klienten mit zwei oder vier Beinen zu schauen. Wenn ein Anruf bei den Silberpfoten eingeht, dass jemand einen Gassigeher sucht, fährt Yousef dort hin. Er spricht mit den Menschen, schaut sich den Hund genau an - nur so kann er später den passenden Helfer für das Team finden. Der gelernte Tierpfleger bringt aber auch Spenden vorbei: Er versorgt finanziell schwache Katzenbesitzer mit Futter, einem Kratzbaum oder einem Katzenklo. „Silberpfoten hat ein Kontingent an Futter, das wir den Bedürftigen mitbringen können“, erzählt Yousef in einem Video der Landesschau Baden-Württemberg auf Facebook.

Die Klienten der Silberpfoten Stuttgart kommen aus allen Schichten: „Von den schönen Villen in der Stuttgarter Halbhöhenlage bis zu den kleineren Wohnungen, wo die Altersarmut allgegenwärtig ist.“ Wer Hilfe braucht, bekommt Hilfe. Ganz nach dem Motto: „Helfen ist geil.“ Egal, wie viel Geld jemand hat - oder eben auch nicht - sie sind froh, dass ihnen unter die Arme gegriffen wird und da steckt man dem Tierschutzverein dann eben auch mal eine kleine Spende zu. „Jeder Euro zählt“, sagt Marcel Yousef und freut sich über die Geste.

Reaktionen auf Facebook: Projekte wie Silberpfoten Stuttgart sollte es in ganz Deutschland geben

Am liebsten würde Marcel Yousef die Silberpfoten Stuttgart auf ganz Deutschland ausweiten: überall älteren Menschen und ihren Tieren helfen. Eine Nutzerin, die das Video auf Facebook kommentiert hat, findet die Idee gut. Sie schreibt: „Müsste in jeder größeren Stadt so etwas aufgebaut werden. Gerade jetzt zu Corona sind viele alte Menschen mit ihren Tieren auf Hilfe angewiesen.“ Eine andere Nutzerin wusste nicht, dass es den Verein gibt: „Ich wusste gar nicht, dass es so etwas Tolles in Stuttgart gibt. Ich finde es eine sehr positive und gute Sache, die Mensch und Tier hilft.“

Besonders schön finden die meisten Nutzer auf Facebook, dass durch die Silberpfoten Stuttgart den alten Menschen nicht auch noch das letzte positive Bisschen ihres Lebens genommen wird. So schreibt eine Frau: „Super! Besonders für die Besitzer der Tiere, die dann nicht gezwungen sind, ihre Vierbeiner abgeben zu müssen. Ganz besonders wichtig für alte Menschen, die oftmals nur noch wenige Kontakte haben. Tolle Sache!“

Und bei einer Sache sind sich die Menschen auf Facebook besonders einig: Marcel Yousef ist ein toller Kerl, der mit Leib und Seele dabei ist. Yousef selbst sagt: „Ich hab so viel Freude daran, ich helfe mir damit selbst. Täglich habe ich positive Erfahrungen, weil ich anderen helfe. Das macht mich glücklich. Ich gucke abends in den Spiegel und bin happy.“

Tierliebe Menschen: In Stuttgart gibt es viele, die sich für das Wohlergehen von Tieren einsetzen

Nicht nur die Silberpfoten Stuttgart sind allzeit bereit, sich für Tiere und ihre Menschen einzusetzen. In Stuttgart gibt es viele, die sich um das Wohlergehen von Hund, Katze und Co. sorgen. So fand erst vor kurzem eine Frau Babykatzen, die in einer Plastiktüte neben einem Müllcontainer ausgesetzt*(BW24 berichtete) wurden. Sie verständigte die Polizei. Die netten Helfer in Blau nahmen die Kitten mit aufs Revier - auf dem Weg dort hin, durften sie in einer Dienstmütze schlafen.

Fast vier Monate war sie verschwunden: Nun ist Hündin „Dobby“ endlich wieder daheim*. Die Mischlingsdame aus dem Tierschutz wurde sehr vermisst - eine Zeit lang drohten sogar Jäger, sie abzuschießen. Aber weil sich so viele Menschen für sie eingesetzt hatten, lenkten die Jäger schließlich ein. Dobby ist jetzt wieder bei ihren Besitzerinnen.

Manchmal überschreitet Tierliebe die Grenzen alles Guten: Bei einem Fall von Animal Hoarding wurden 144 Tiere aus einer kleinen Wohnung in Stuttgart gerettet*. Das Tierheim Stuttgart im Stadtteil Botnang nahm sich der Tiere an, pflegte sie gesund und konnte sich vor Anfragen kaum noch retten: Mittlerweile haben fast alle Tiere ein neues Zuhause gefunden. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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