Bis zu zwei Jahre Haftstrafe

Kampf gegen Gaffer und Spanner: Bundestag beschließt neue Gesetze

Der Bundestag hat einen Gesetzesentschluss angenommen. Dieser soll Gaffer und Spanner härter bestrafen und für mehr Schutz sorgen.

  • Der Bundestag nimmt ein Gesetz gegen Gaffer und Spanner an.
  • Neben Gaffen ist nun auch „upskirting“ und „downblousing" eine Straftat.
  • Vor dem Gesetzesentwurf gab es eine Petition aus Stuttgart und München.

Mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine Bildaufnahme, die die Hilflosigkeit einer anderen Person zur Schau stellt, unbefugt herstellt oder überträgt und dadurch den höchstpersönlichen Lebensbereich der abgebildeten Person verletzt“, heißt es im Paragraf 201a des Strafgesetzbuches. Mit diesem Gesetz sollen Unfallopfer vor Gaffern geschützt werden. Doch die Regelung hat bislang einen Schwachpunkt, den die Bundesregierung beheben will. Außerdem ist ein härteres Gesetz gegen Spanner beschlossen worden. Darüber berichtet HEIDELBERG24.de*

Kampf gegen Gaffer und Spanner: Gesetz für neue Straftaten angenommen

Mit der Einführung der Handykamera kann heute jeder überall Bilder und Videos machen. Das kann schöne Seiten haben, wie ein spontaner Schnappschuss im Urlaub, beim ersten Date oder von der untergehenden Sonne – aber auch schlechte. So landen Gafferbilder oder Videos im Internet und zeigen das Leid an Unfallstellen. Persönlichkeitsrechte, Anstand und Empathie müssen für die Sensationslust mancher Menschen weichen. Ähnlich ist es auch beim sogenannten „upskirting“. Dabei halten Perverslinge mal eben ihr Smartphone unter den Rock einer Frau und machen Bilder oder Videos. Sowohl Gaffern als auch Spannern wird das Leben nun erschwert.

Denn der Bundestag hat am frühen Freitagmorgen (3. Juli) einen Gesetzesentwurf angenommen. Gaffer erhalten derzeit schon eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe, wenn sie einen Unfall oder eine verletzte Person filmen – doch das zählt nicht für das Fotografieren von Verstorbenen! Auch diese Tat soll nun bestraft werden können. Ob das Gaffer aufhält, die bei Unfällen auf der Autobahn immer wieder den Verkehr behindern* oder sogar so dreist sind, Einsatzkräfte bei der Arbeit zu stören*, wird sich noch zeigen.

Kampf gegen Gaffer und Spanner: „Upskirting“ und „downblousing“ nun Straftat

Völlig neue Straftatbestände ist nun „upskirting“ und „downblousing“, also das Filmen oder Fotografieren des Ausschnitts. Bislang gilt das Fotografieren unter den Rock meist als Ordnungswidrigkeit, außer, wenn der Täter sein Opfer zusätzlich noch berührt, beleidigt oder erniedrigt hat – als wäre ein Spanner-Foto unter dem Rock nicht schon erniedrigend genug! Voraussichtlich ab Herbst können perverse Hobbyfotografen mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder eine Geldstrafe rechnen.

Hanna Seidel und Ida Marie Sassenberg haben eine Petition gegen „Upskirting“ ins Leben gerufen.

Dem neuen Gesetz war eine Petition aus dem Jahr 2019 vorausgegangen. Hanna Seidel aus Ludwigsburg bei Stuttgart und Ida Marie Sassenberg aus München sammelten mehr als 100.000 Stimmen für ihre Forderung „Verbietet Upskirting in Deutschland!“ Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen und das Saarland nahmen sich des Themas an und starteten eine Gesetzesinitiative im Bundesrat. Baden-Württembergs Justizminister Guido Wolf sieht das Gesetz als „historischen Erfolg“, da die betroffenen Frauen als bloßes Objekt der Begierde herabgewürdigt würden. „Noch schlimmer ist es, wenn in der Folge solche Aufnahmen regelmäßig über das Internet einem unbegrenzten Kreis von Personen zugänglich gemacht werden“, ergänzt der CDU-Politiker. (dpa/dh) *HEIDELBERG24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Uli Deck/dpa

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