Luftverschmutzung durch Stickstoffoxide

Stuttgart unter den Top 5 der schmutzigsten Städte Deutschlands

Baden-Württemberg hat ein Luftproblem. Besonders in Stuttgart und Ludwigsburg ist die Stickoxid-Belastung zu hoch. Damit stehen die Städte im Deutschland-Vergleich an der Spitze der Verschmutzungen.

Stuttgart/Ludwigsburg - Der Verkehr in Stuttgart* ist in vielerlei Hinsicht ein Problem. Die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg ist berühmt für seine Fahrzeughersteller und ein entsprechendes Bild ergibt sich auch auf den Straßen. Doch während Stau hauptsächlich die Geduld der vielen Pendler auf die Probe stellt, schaffen die Abgase der Autos ganz andere Sorgen: Seit Jahren ist Stuttgart für Feinstaub* und zu hohe Abgaswerte bekannt.

Das Coronavirus trug dazu bei, dass sich die Umwelt im globalen Maßstab von der Verschmutzung durch den Menschen erholen konnte. Auch in den Städten Baden-Württembergs hat sich das bemerkbar gemacht. Zuletzt war die Luft in Stuttgart sauberer, Fahrverbote bleiben (BW24* berichtete) aber bestehen. Allerdings: sauberer bedeutet noch lange nicht sauber. Wie der SWR berichtet, überschritten Stuttgart und Ludwigsburg auch 2020 die Grenzwerte für den Ausstoß von Stickstoffdioxid - umgangssprachlich auch Stickoxid genannt.

Stuttgart und Ludwigsburg: Städte überschreiten auch 2020 Stickoxid-Grenzwert

Der Grenzwert für den Ausstoß von Stickoxiden liegt aktuell bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Ludwigsburg* überschritt mit 47 Mikrogramm den Wert 2020 ebenso nur leicht, wie Stuttgart mit 43 Mikrogramm. Trotzdem gehören beide Städte damit deutschlandweit zur traurigen Spitze. Lediglich Limburg, Darmstadt, Hamburg und München liegen ebenfalls über dem Grenzwert.

Stickoxid-Belastung in Stuttgart und Ludwigsburg: In der Landeshauptstadt sollen Filter helfen, die Grenzwerte einzuhalten.

Der Trend gibt dennoch Hoffnung, da sich die Werte im Vergleich zu 2019 stark verbessert haben. Damals lagen noch 25 Städte über dem zugelassenen Stickoxid-Grenzwert, 2018 waren es sogar noch 57 Städte in Deutschland. Leider kommt diese Entwicklung für ein Urteil des Europäischen Gerichtshof (EuGH) zu spät. Der EuGH hat Deutschland verurteilt, weil Städte wie Stuttgart jahrelang zu viele Stickoxide ausgeschieden haben.

Stickoxid-Werte in Stuttgart und Ludwigsburg: Europäischer Gerichtshof verurteilt Deutschland

Die EU-Kommission hatte gegen Deutschland geklagt, weil die Bundesrepublik mit der Überschreitung der Stickoxid-Grenzwerte EU-Recht gebrochen habe. Der Europäische Gerichtshof gab der Klage nun recht, jedoch bezieht sie sich auf die Jahre von 2010 bis 2016 - also einen Zeitraum, zu dem Städte wie Stuttgart oder Ludwigsburg noch weit davon entfernt waren, weniger Stickoxid auszustoßen.

Laut SWR sind die Konsequenzen des Urteils bislang aber noch unklar. Eine Geldstrafe werde erst nach einer zweiten Klage festgelegt, schärfere Auflagen bei Dieselfahrzeugen sind ebenfalls nicht ausgeschlossen. Angesichts der jüngsten Verbesserung bei den Stickoxid-Grenzwerten könnte das Urteil des Europäischen Gerichtshofs aber auch angepasst werden.

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann zeigte sich nur wenig getroffen vom Urteil des Europäischen Gerichtshofs - im Gegenteil. „Das Urteil des Europäischen Gerichtshofes unterstreicht einmal mehr die hohe Bedeutung der Luftreinhaltung“, so der Grünen-Politiker laut SWR. Hermann sieht in dem EuGH-Urteil außerdem eine Bestätigung des Kurses von Baden-Württemberg. Dieselfahrverbote sieht der Verkehrsminister weiterhin nur in Stuttgart notwendig. Darüber hinaus geht Baden-Württemberg mit Bus- oder Radspuren, besserer Verkehrslenkung, Geschwindigkeitsbegrenzungen und Filtersäulen gegen die Stickoxid-Belastung vor. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat

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