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Tierversuche in der Öffentlichkeit: Uni Hohenheim mit überraschendem Ziel

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Von: Simon Mones

Tierversuche stehen immer wieder in der Kritik. An der Uni Hohenheim will man es jetzt besser machen.

Schon in der Antike gab es erste Tierversuche, die ersten überlieferten Berichte stammen aus dem fünften Jahrhundert vor Christus. In der hippokratischen Schrift „Über das Herz“ werden um 300 vor Christus Untersuchungen an lebenden Tieren zur Erforschung des Herzens und des Schluckvorgangs erwähnt. Bis heute spielen Tierversuche in vielen Bereichen eine wichtige Rolle, auch bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus*, wie echo24.de* berichtet.

In der Vergangenheit standen Tierversuche jedoch auch öfter in der Kritik, nachdem Aufnahmen an die Öffentlichkeit gelangt waren. So war beispielsweise bei der Erprobung des Impfstoffs von Biontech ein umstrittenes Labor beteiligt*. Auch in Hollywood wurde das Thema in Filmen wie „Natürlich Blond“ immer wieder aufgegriffen. Doch es geht auch anders, wie die Universität Hohenheim jetzt unter Beweis stellt.

Tierversuche an der Uni Hohenheim: Transparenz statt Verschleierung

Auch dort wird mit Tieren geforscht, jedoch nicht nur in abgeschotteten Laboren. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, hat die Uni Hohenheim als Erstes die Erklärung der bundesweiten Initiative „Transparente Tierversuche“ unterschrieben. Bereits seit Längerem setzt man auf mehr Transparenz, wenn es um Tierversuche geht und versucht aufzuklären und mit dem Stigma aufzuräumen.

Seit 2017 gibt es daher Leitlinien an der Uni Hohenheim, wonach Tierversuche, wann immer es möglich ist, durch andere Technologie, wie Computersimulationen zu ersetzen sind. Dadurch sollen diese Versuche reduziert und zudem optimiert werden.  „Wir wollen hier keine Tierversuche verstecken oder verschleiern“, erklärte die Professorin Jana Seifert, Wissenschaftlerin für funktionelle Mikrobiologie, der Stuttgarter Zeitung.

Tierversuche an der Uni Hohenheim: Kühe leben auf Bauernhof - Information am Zaun

In einigen Fällen ist das auch kaum möglich, denn die Uni Hohenheim experimentiert unter anderem auch mit Kühen und Schweinen. Diese leben jedoch nicht in den Laboren, sondern auf dem Bauernhof der Hochschule. Dieser ist sowohl für die Studierenden als auch für normale Spaziergänger zugänglich. Das Thema Transparenz wird auch hier großgeschrieben, entsprechend wird auf einer Tafel am Zaun über die durchgeführten Tierversuche informiert.

Das Institut für Nutztierwissenschaft nutzt die Tiere „für eine tierschutzkonforme und ressourceneffiziente Produktion von tierischen Lebensmitteln“, wie Seifert erklärt. Damit man den Kühen nicht mehrmals täglich über eine unangenehme Schlauchsonde Proben entnehmen muss, wurden den Tieren an der Flanke operativ Fisteln mit Drehverschlüssen eingesetzt. Für die Kühe ist das weniger belastend.

Eine fistulierte Kuhe der Uni Hohenheim.
Über diesen Zugang entnehmen die Forscher die Proben aus dem Kuhmagen. © picture alliance / Michael Hertel/dpa

Tierversuche an der Uni Hohenheim: Kühe kommen nach der Forschung in der Lehre zum Einsatz

„Dadurch, dass wir einen direkten Zugang zu dem Magen haben, wissen wir, wie die zugeführten Futtermittel umgesetzt werden“, betont die Mikrobiologin. Von den so gewonnen Erkenntnissen würden am Ende dann die landwirtschaftlichen Betriebe profitieren. Doch nicht jedes Tier, das auf dem Bauernhof der Universität Hohenheim lebt, ist noch Teil der Tierversuche.

„Denn die Kühe dürfen auch im Anschluss weiter dort leben. Die Tiere werden hier also nicht getötet“, erklärt die Seifert. „Wir nutzen sie dann beispielsweise noch für die Lehre der Studierenden der Agrarwissenschaften.“ An der Universität Hohenheim gibt es allerdings auch die typischen Tierversuche mit Mäusen.

Tierversuche an der Uni Hohenheim: Auch Labormäuse im Einsatz

Mithilfe der Labormäuse forscht der Immunologe Professor Thomas Kufer zum Thema Fettleibigkeit und versucht das in Deutschland weitverbreitete Problem zu lösen. „Wir füttern unsere Mäuse mit nahrhaften Pellets, damit sie sich quasi eine sogenannte Fettleber anessen“, erklärte er der Stuttgarter Zeitung.

Eine Labormaus sitze auf einer Hand.
Die Uni Hohenheim forscht auch an Mäusen. © Friso Gentsch/dpa

Dieses Vorgehen könne man als grausam empfinden, allerdings müsse man verstehen, dass sich über die Hälfte der Deutschen so verhalte. Schmerzhaft sei das für die Mäuse jedoch nicht, „denn sonst hätten wir auch nicht die hohe Anzahl an Menschen, die ein starkes Übergewicht haben“, betonte Kufer.

Kritik an Tierversuchen - für Wissenschaft unverzichtbar?

Anders als der Bauernhof sind die Labore, in denen der Immunologe forscht, nicht frei zugänglich. „Dies passiert aber zum Schutz der Tiere, da sie eine keimfreie Umgebung erfahren“, betonte Kufer. Eine Kontamination von außen wäre sowohl für die Mäuse als auch für die Forschung gefährlich.

Doch auch hier wird offen kommuniziert. So wird auch nicht verschwiegen, dass die Mäuse irgendwann getötet und seziert werden. Dieses Vorgehen ist nötig, damit die Forscher an die benötigten Ergebnisse kommen. „In drei Jahren sterben hier ungefähr 100 Mäuse im Namen der Wissenschaft“, sagte der Immunologe. Die Bewertung dieser Zahlen sei jedem selbst überlassen. Für die Wissenschaft seien solche Tierversuche jedoch wichtig. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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