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Unwetter in BW: Sturm-Chaos in Stuttgart – über 1.000 Einsätze im Südwesten

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Baden-Württemberg – Starkregen und Sturmböen haben auch im Südwesten schwere Schäden angerichtet. Autos versinken in Regenfluten, Keller laufen voll. Eine Bilanz:

Heftige Gewitter mit Sturmböen und Starkregen haben Menschen in vielen Regionen Deutschlands getroffen – und auch in Baden-Württemberg* hat‘s mächtig gewütet! Allein in Stuttgart* zählte die Feuerwehr vom Montagabend bis in den frühen Dienstag über 330 Einsätze. Anhaltender Starkregen führte dazu, dass etliche Tunnel in kürzester Zeit mit Wasser vollliefen, wie HEIDELBERG24* berichtet.

Ein umgestürzter Baum liegt vor dem Opernhaus. Ein starkes Unwetter war über weite Teile Baden-Württembergs hinweggezogen und hatte dabei große Schäden angerichtet.
Ein umgestürzter Baum liegt vor dem Opernhaus. Ein starkes Unwetter war über weite Teile Baden-Württembergs hinweggezogen und hatte dabei große Schäden angerichtet. © Christoph Schmidt/picture alliance/dpa

An der Stuttgarter Staatsoper wurden Teile der Dachverkleidung abgedeckt. Zudem stürzten Statuen von ihrem Sockel. „Ich stehe unter dem Dach und werde ganz schön nass“, sagte der Intendant Viktor Schoner der dpa am Montagabend. Die Seitenbühne habe unter Wasser gestanden – teils sei der Regen über die Lampen ins Gebäude geflossen. 250 Gäste seien zur Zeit des Unwetters bei einem Liederabend in der Oper gewesen, niemand sei verletzt worden. Die laufende Veranstaltung musste aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden.

Unwetter in Baden-Württemberg: So wütete der Sturm in Stuttgart

Das Sturmtief hat am Montagabend in seiner Hochphase zwischen 20:15 Uhr und 22:00 Uhr rund 250 Einsätze bei der Stuttgarter Polizei ausgelöst. Die Beamten rückten zumeist wegen umgefallener Verkehrszeichen und umgestürzter Bauzäune aus. Abgeknickte Äste sowie Bäume blockierten Straßen und beschädigten Fahrzeuge. Gegen 21:15 Uhr beschädigte ein herabfallender Ast einen Pkw Audi, der 21 Jahre alte Fahrer blieb unverletzt.

Der anhaltende Starkregen und der böige Wind führten dazu, dass unter anderem der Leuzetunnel, Planietunnel, Schwanenplatztunnel und die Unterführung Charlottenplatz in kürzester Zeit mit Wasser vollliefen. Die Fahrbahnen waren vollständig mit Wasser bedeckt, so dass auch zwei Streifenbesatzungen ihre Dienstfahrzeuge im Bereich Unterführung Charlottenplatz wie auch im Bereich Schillerstraße zurücklassen mussten, nachdem aufgrund der Wassermassen ein Fortkommen nicht mehr möglich war. Im gesamten Stadtgebiet fielen mehrere Ampelanlagen aus.

Vereinzelte Polizeigebäude waren ebenfalls von den Überflutungen betroffen. Die jeweiligen Kellerräume liefen voll. Durch das eindringende Wasser kam es teilweise zu technischen Ausfällen. Der Notruf war während dieser Einsatzlage aber nicht davon betroffen. Der Planietunnel und die Theodor-Heuss-Straße mussten zwischen 21:00 Uhr und 21:30 Uhr komplett gesperrt werden. Auch im S-Bahn- und Stadtbahnverkehr kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen, er musste komplett eingestellt werden.

Aktuell ist noch die B14, die Schillerstraße und der Schwanenplatztunnel gesperrt. Derzeit laufen noch etwa 35 unwetterbedingte Einsätze. Personen sind offenbar durch die Unwetterschäden nicht verletzt worden. Der entstandene Gesamtsachschaden lässt sich derzeit noch nicht beziffern. Die Aufräum- und Reparaturarbeiten durch die Feuerwehr sind derzeit noch im Gange und dürften noch bis in die Morgenstunden andauern.

BundeslandBaden-Württemberg
LandeshauptstadtStuttgart
Fläche35.751,46 km²
Einwohnerzahl11.103.043 (Stand: 31. Dezember 2020)
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Grüne)

Im Kreis Calw waren Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei am Abend schwer beschäftigt. Ein Sprecher der Polizei Pforzheim sprach von überfluteten Straßen, überlaufenden Gullys und Erdrutschen in der Gemeinde Altensteig.

Unwetter in Baden-Württemberg: Über 540 Notrufe bei Polizei Reutlingen

Zum wiederholten Mal innerhalb weniger Tage haben ab dem Montagabend heftige Gewitter die Bevölkerung sowie die Rettungs- und Einsatzkräfte im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen in Atem gehalten. Das Führungs- und Lagezentrum der Polizei zählte im Zusammenhang mit dem Unwetter über 540 Notrufe. Wenngleich der Hagelniederschlag geringer ausfiel als vergangenen Mittwoch, so sorgte der in allen Landkreisen zu verzeichnende Starkregen für enorme Wassermassen, die zu noch nicht abschätzbaren Sachschäden, zahlreichen Gefahrenstellen und Verkehrsbehinderungen führten. Vor allem im Zeitraum zwischen 19:30 Uhr und Mitternacht wurden zahlreiche Keller und Straßen überflutet, da die Kanalisation die Regenmengen schlicht nicht mehr aufnehmen konnte. Meldungen über verletzte Personen liegen dem Polizeipräsidium Reutlingen bislang (Stand 8:45 Uhr) nicht vor.

In Reutlingen-Betzingen schaffte es die Kläranlage nicht mehr, das ankommende Wasser aufzunehmen und lief über. Auch das Flachdach eines rund 800 Quadratmeter großen Anbaus einer Firma in der Senefelder Straße in Metzingen hielt dem Starkregen nicht Stand und brach gegen 20:20 Uhr zusammen. Personen befanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht darin.

Unwetter in Baden-Württemberg: Straßensperrungen und vollgelaufene Tunnel

Glücklicherweise unbesetzt war auch ein Pkw in Ostfildern-Ruit, auf den kurz nach 22 Uhr ein Baugerüst stürzte. In Ostfildern-Nellingen, Wolfschlugen und Neuhausen wurden weitere geparkte Pkw von umstürzenden Bäumen beschädigt. Aufgrund von Hochwasser evakuiert werden musste ab 4:20 Uhr ein Seniorenheim in Aichtal-Aich, weshalb es auch dort zu einem Großeinsatz der Rettungs- und Einsatzkräfte kam.

Ein massives Unwetter mit einer Shelf Cloud zieht über die A8 bei Esslingen und Stuttgart auf.
Ein massives Unwetter mit einer Shelf Cloud zog am 28. Juni über die A8 bei Esslingen und Stuttgart auf. © Alexander Hald/picture alliance/dpa/vmd-images

Hochwasserbedingt mussten auch der Flughafentunnel (B312), der Plieninger Tunnel sowie der Tunnel der B 27 bei Dußlingen gesperrt werden. In letzterem stieg das Wasser zu Hochzeiten bis fast an die Tunneldecke an. Autofahrer, die dort mit ihren Fahrzeugen in den Fluten stecken geblieben waren, wurden durch die Feuerwehr und die DLRG mit Booten gerettet. Der Tunnel in Dußlingen bleibt bis auf Weiteres voll gesperrt, der Plieninger Tunnel ist aktuell lediglich in Richtung Stuttgart befahrbar.

Mit Straßensperrungen aufgrund von Überschwemmungen, umgestürzter Bäume oder Verunreinigungen mit Schlamm muss nach wie vor in allen vier Landkreisen gerechnet werden. 

Unwetter in Baden-Württemberg: Land unter auch in Ludwigsburg

Nach heftigen Gewittern mit starken Regenfällen waren die Feuerwehren und die Polizei am Montagabend im Dauereinsatz. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg lag der Schwerpunkt des Unwetters in Ludwigsburg, Remseck am Neckar und in Waldenbuch. Ab 20:30 Uhr gingen innerhalb einer Stunde allein beim polizeilichen Führungs- und Lagezentrum in Ludwigsburg knapp 100 Notrufe wegen überfluteter Straßen und vollgelaufener Keller sowie Verkehrsbehinderungen durch umgestürzte Bäume, Baustellenabsperrungen und herausgehobene Gullideckel ein.

Ein Polizeifahrzeug blinkt noch mit Blaulicht, nachdem es in einer überschwemmten Unterführung liegen geblieben ist. Ein starkes Unwetter ist über weite Teile Baden-Württembergs hinweggezogen und hat dabei große Schäden angerichtet.
Ein Polizeifahrzeug blinkt noch mit Blaulicht, nachdem es in einer überschwemmten Unterführung liegen geblieben ist. Ein starkes Unwetter ist über weite Teile Baden-Württembergs hinweggezogen und hat dabei große Schäden angerichtet. © Andreas Rosar/picture alliance/dpa

Während es hierbei in Ludwigsburg lediglich zu kleineren Sachschäden an Gebäuden und geparkten Fahrzeugen kam, führte die Überflutung mehrerer Tiefgaragen in Remseck am Neckar und Waldenbuch zu Millionenschaden. In Waldenbuch mussten zudem Teile einer Seniorenwohnanlage wegen Überflutung geräumt werden. Die Einrichtung kann zunächst nicht wieder in Betrieb genommen werden. 41 Bewohner*innen wurden in Feuerwehrhaus gebracht und dort von Feuerwehr und Kommune versorgt. Sie wurden zwischenzeitlich in Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen gebracht oder kamen bei Angehörigen unter. Der entstandene Sachschaden steht derzeit noch nicht fest, dürfte sich aber im sechsstelligen Bereich bewegen. Personen kamen nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu Schaden. Auf der A8 bei Rutesheim kam es aufgrund von Aquaplaning zu einem Verkehrsunfall mit zwei Leichtverletzten und rund 30.000 Euro Schaden.

Unwetter in Baden-Württemberg: Blitzeinschläge verursachen hohen Schaden

Gleich zwei Blitzeinschläge sind im Laufe der Nacht dem Polizeipräsidium Heilbronn gemeldet worden. Die erste Meldung besagte, dass in der Allee 23 der Blitz in ein größeres Gebäude eingeschlagen hatte. Dort hielt sich der Schaden in Grenzen, lediglich eine Steckdose fing zu schmoren an. Es gab keine Verletzten. In der Lessingstraße 23 schlug der Blitz in eine Sat-Schüssel ein, worauf der Verteiler im Keller zerstört wurde. Es entwickelte sich eine größere Rauchwolke, die dann von Anwohnern der FW gemeldet wurden. Auch hier kam niemand zu Schaden und es entstand nur geringfügiger Sachschaden. Feuerwehr und Polizei hatten in beiden Fällen die Lage sehr schnell unter Kontrolle.

Blitze entladen sich während eines Gewitters
Unzählige Blitze haben sich während des heftigen Gewitters über Baden-Württemberg entladen. © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Weniger glimpflich lief der Blitzeinschlag in ein Wohnhaus in Wüstenrot-Neuhütten ab: Gegen 22:05 Uhr meldet ein Notrufer der Polizei eine starke Rauchentwicklung aus einem Gebäude in der Vogelheide. Kurzfristig seien auch Flammen zu erkennen gewesen, so der Anrufer. Nachdem Feuerwehr und zwei Streifen des Polizeirevier Weinsberg vor Ort waren, stellte sich sehr schnell heraus, dass der gesamte Dachstuhl des Gebäudes brannte. Die Bewohner waren bereits unverletzt aus dem Haus gelangt. Der Feuerwehr gelang es zunächst nicht den Brand schnell unter Kontrolle zu bringen, es musste zusätzlich zu der bereits im Einsatz befindlichen Drehleiter noch eine weiteres Einsatzfahrzeug mit Drehleiter angefordert werden. Die Öhringer Straße wurde wegen den Löscharbeiten von zwei Streifen des Polizeirevier Weinsberg gesperrt. Die Löscharbeiten dauern zu Stunde noch an, der Sachschaden beläuft sich auf ca. 200.000 Euro. Ob das Gebäude gerettet werden kann ist noch fraglich.

Eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erklärte am Dienstagmorgen, dass noch kein Ende des Unwetters in Sicht sei. Zwar sei das aktuelle Unwetter, das sich über Baden-Württemberg und Bayern formiert habe, nun teilweise nach Tschechien gezogen, doch die Wetterlage bleibe komplex. Immer wieder komme es zu neuen Unwetterlagen. Für den Dienstagnachmittag erwartet der DWD im Norden und später auch im Osten „neue teils kräftige Gewitter mit lokaler Unwettergefahr vor allem durch Starkregen“. (dpa/pek) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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