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Wahl-Hammer in Baden-Württemberg: Jugendliche ab 16 Jahren dürfen jetzt wählen

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Von: Marten Kopf

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Künftig wird anders gewählt im Südwesten. Vor allem junge Menschen und Frauen sollen mehr beteiligt werden an der Demokratie. Außerdem haben Wähler zukünftig mehr Stimmen.

Jahrelang wurden Vorschläge diskutiert, geändert und wieder verworfen. Grüne und CDU gerieten wegen des Themas in der vergangenen Legislaturperiode sogar an den Rand der Regierungskrise. Nun ist es endlich so weit: Künftig darf der Landtag in Baden-Württemberg* bereits ab einem Alter von 16 Jahren gewählt werden.

BundeslandBaden-Württemberg
LandeshauptstadtStuttgart
Einwohnerzahl11.103.043 (Stand: 31. Dezember 2020)
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen)

Baden-Württemberg: 2-Stimmen-Wahlrecht eingeführt

Das Parlament beschließt nach jahrelangem Ringen am Mittwoch (6. April) in Stuttgart* mit der nötigen Zweidrittelmehrheit eine entsprechende Reform des Wahlrechts. Grüne, CDU, SPD stimmten dafür, FDP und AfD dagegen. Damit wird nicht nur das Mindestalter für das aktive Wahlrecht für Landtagswahlen, Volksabstimmungen, Volksanträgen und Volksbegehren um zwei Jahre abgesenkt, sondern auch ein Zwei-Stimmen-Wahlrecht eingeführt.

Mit der Erststimme wird der Wahlkreis-Kandidat oder die Wahlkreis-Kandidatin direkt gewählt. Der wird weiterhin von den Kreisparteien vor Ort aufgestellt. Die Zweitstimme geht künftig an eine Partei, die dafür eine Landesliste aufstellt - dadurch haben die Parteien jetzt mehr Einfluss bei der Kandidatenkür. Die Sitzverteilung im Landtag bestimmt sich nach dem Anteil der Zweitstimmen.

Frauenanteil im Landesparlament: Bundesweit Schlusslicht

Wie schon bei Kommunalwahlen dürfen künftig also auch im Land 16- und 17-Jährige wählen, zwei Jahre früher als bislang. Aber mit dem neuen Wahlrecht sollen nicht nur mehr Jüngere an die Urnen, sondern vor allem mehr Frauen ins Parlament gebracht werden. Gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung sind die nämlich stark unterrepräsentiert.

45 Frauen sitzen im Parlament, der Frauenanteil beträgt damit rund 30 Prozent. Über viele Jahre bildete der Landtag von Baden-Württemberg beim Frauenanteil das Schlusslicht unter den Landesparlamenten. Das neue Wahlrecht soll das Plenum künftig weiblicher machen. Denn die Reform gibt nun den Landesparteien durch die Einführung eines Zwei-Stimmen-Wahlrechts mehr Einfluss bei der Kandidatenkür.

Wahlrechtsreform in Baden-Württemberg: Zweitstimme an Partei

Künftig haben die Bürger bei der Landtagswahl wie bei der Bundestagswahl zwei Stimmen. Mit der Erststimme wird der Wahlkreis-Kandidat oder die Wahlkreis-Kandidatin direkt gewählt. Die betreffende Person wird weiter von den Kreisparteien vor Ort aufgestellt. Die Zweitstimme geht an eine Partei. Die Partei stellt dafür auf Parteitagen eine Landesliste auf – dadurch kann sie nun mehr Einfluss nehmen.

Dann hängt die Stärke der Parteien im Landtag vom Wahlergebnis bei den Zweitstimmen ab - genau wie bei Bundestagswahlen. Es bleibt wie bisher bei 70 Wahlkreisen, die Sieger der Kreise ziehen wie gewohnt ein. Die 50 weiteren Mandate werden dann über die Landesliste vergeben. (mko/dpa) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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