Hat Coronavirus Einfluss?

Auch New York meldet jetzt Fälle einer tödlichen Kinderkrankheit – welche Rolle spielt Covid-19?

Fieber ist ein Symptom einer neuartigen Kinderkrankheit, die mit schweren Entzündungen im ganzen Körper einhergeht.
+
Fieber ist ein Symptom einer neuartigen Kinderkrankheit, die mit schweren Entzündungen im ganzen Körper einhergeht.

Eine mysteriöse neuartige Kinderkrankheit gibt Medizinern weltweit Rätsel auf. Entzündungsherde im ganzen Körper können im schlimmsten Fall zu Organversagen führen.  

  • Innerhalb der letzten Wochen wurden vermehrt Kinder in Kliniken behandelt, die an unerklärlichen Entzündungen litten.
  • Die Symptome ähneln denjenigen, die auch das seltene Kawasaki-Syndrom kennzeichnen.
  • Die noch nicht näher beschriebene neuartige Erkrankung wurde in Europa und auch in den USA bei Kindern beobachtet. Mediziner diskutieren einen möglichen Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie.

Immer wieder war in den letzten Wochen die Rede davon, dass Kinder nicht zur Coronavirus-Risikogruppe zählen. Bisherige Studien und Beobachtungen von Ärzten hatten gezeigt, dass Kinder in der Regel keine schweren Covid-19-Verläufe* entwickelten. Eine neue Krankheit stellt diese Erkenntnis allerdings in Frage: Weltweit wurden Fälle von Kindern bekannt, die mit schweren Entzündungsreaktionen in Krankenhäuser eingeliefert wurden.

Es ist noch unklar, inwieweit diese Fälle mit dem Ausbruch des Coronavirus in Verbindung stehen. Es gibt allerdings Ähnlichkeiten: So kam es bei den betroffenen Kindern zu heftigen Entzündungen ausgelöst durch eine übertriebene Immunreaktion* - wie sie auch bei schweren Covid-19-Verläufen beobachtet wurde. Entzündungsreaktionen lassen viele Mediziner ebenfalls einen Vergleich mit dem sogenannten Kawasaki-Syndrom aufstellen. Die Ursache dieses Syndroms ist zwar unklar, allerdings liegt die Vermutung nahe, dass es aufgrund einer Fehlreaktion des Immunsystems auf Atemwegsinfektionen entsteht. Mögliche Auslöser sind Rhinoviren - aber auch vier bereits seit längerem bekannte Coronaviren*.

Entzündete Blutgefäße und Hautausschlag: Neue Kinderkrankheit ähnelt Kawasaki-Syndrom

Die ersten Fälle der neuartigen Kinderkrankheit wurden in Spanien, Italien, der Schweiz, Großbritannien und Deutschland gemeldet, wie die Deutsche Welle informiert. Auch in den USA beobachten Mediziner heftige Entzündungsreaktionen bei Kindern - in New York zählten die Behörden zuletzt fast 100 kleine Patienten (Stand 14.05.). Drei Kinder starben im Bundesstaat New York: ein Fünfjähriger, ein Grundschüler und ein Jugendlicher. Typisch für die an das Kawasaki-Syndrom erinnernde Krankheit sind folgende Symptome:

  • Bauchschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden
  • Entzündung der Blutgefäße (Vaskulitis), die bis zu einer Herzentzündung führen kann
  • Fieber, das über mehrere Tage anhält
  • geschwollene Drüsen
  • Hautausschläge
  • eine geschwollene Zunge
  • Bindehautentzündung*

Wie beim seltenen Kawasaki-Syndrom gehen Mediziner davon aus, dass das neuartige Leiden multiple Entzündungen im Körper auslöst, die sogar Organversagen und Herzentzündung zur Folge haben können. Als besonders gefährdet zählen Kinder zwischen fünf und 14 Jahren. Zeigen diese oben beschriebene Symptome, sollten Eltern sofort einen Arzt oder im fortgeschrittenen Stadium eine Notaufnahme aufsuchen.

Lesen Sie auch: Das passiert bei einer Coronavirus-Infektion im Körper.

Zusammenhang mit Covid-19 nicht nachgewiesen

Die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen der neuartigen Kinderkrankheit und Covid-19 besteht, kann noch nicht beantwortet werden. "Kurzgefasst kann ein Kawaski-Syndrom - auch ein atypisches - bei sehr vielen infektiösen und entzündlichen Erkrankungen auftreten, und oft findet sich keine Ursache. Covid-19 kann sehr krank machen, sicher in eher seltenen Fällen auch Kinder*. Die genauen Bedingungen müssen wir beobachten, und das tun wir natürlich", so die Einschätzung von Professor Philipp Henneke, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin und Sektionsleiter Pädiatrische Infektiologie an der Uniklinik Freiburg. Ein Zusammenhang zwischen der aktuell vermehrt auftretenden Kawasaki-ähnlichen Krankheit und einer Infektion mit Coronaviren ist in seinen Augen noch sehr unsicher.

Pro Jahr gebe es rund 200 typische Fälle des Kawasaki-Syndroms in Deutschland, das zu einer Entzündung der Gefäßwände im gesamten Körper führt. Die seltene Krankheit tritt meist im Alter von einem bis acht Jahren auf und kann durch eine frühzeitige Behandlung mit Immunglobulin und Aspirin in der Regel gut behandelt werden.

Mehr Quellen: www.msdmanuals.com; www.tagesschau.de

Weiterlesen: "Russische Grippe" in den 70ern: Diese Ähnlichkeit gibt es zur Coronavirus-Pandemie.

jg

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare