Kein Kontakt zu anderen außerhalb der Gruppe

Drosten über Lockdown-Modell „Social Bubble“: Wie sinnvoll ist die Aufteilung in kleine Gruppen?

Die „Social Bubble“: Wenn sich während des Lockdowns nur noch eine Gruppe ausgewählter Freunde, Bekannte und Verwandte trifft – ohne Kontakt zu anderen.
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Die „Social Bubble“: Wenn sich während des Lockdowns nur noch eine Gruppe ausgewählter Freunde, Bekannte und Verwandte trifft – ohne Kontakt zu anderen.

Im Rahmen des bundesweiten Teil-Lockdowns im November dürfen sich nur noch maximal zwei Haushalte treffen. Viele sehen im „Social Bubble“-Modell eine sinnvollere Alternative.

  • Heute das Treffen mit der Freundin, morgen der Besuch bei den Schwiegereltern und übermorgen kochen mit einem befreundeten Pärchen: Die aktuelle Lockdown-Regel „Maximal zwei Haushalte mit maximal zehn Personen“ ermöglicht Treffen mit vielen verschiedenen weiteren Haushalten – nur eben nicht zeitgleich.
  • Sogar zwei Wohngemeinschaften mit jeweils fünf Mitbewohnern dürften sich treffen. Wer das Szenario zu Ende denkt, dem fällt auf: Covid-19 hat gute Chancen, sich auszubreiten, wenn Kontakte nicht eigenverantwortlich eingeschränkt werden.
  • Das Konzept der „Social Bubble“ soll nicht nur die Ausbreitung von Covid-19* effektiver eindämmen, sondern auch die psychische Gesundheit fördern.

Ein bundesweiter Teil-Lockdown im November 2020 soll dafür sorgen, dass die Zahl der Covid-19-Patienten nicht weiter exponentiell ansteigt. Damit verbunden sind wieder Kontaktbeschränkungen: Bürger sollen die Anzahl ihrer Kontakte aufs Nötigste beschränken. Maximal zehn Personen aus zwei Haushalten dürfen sich seit 2. November 2020 treffen. Doch es gibt auch andere Lockdown-Konzepte, wie etwa das Modell der sozialen Blase – die sogenannte „Social Bubble“. Davon ist die Rede, wenn sich mehrere Haushalte zusammenschließen und nur noch Kontakt untereinander haben – also in der Zeit des Lockdowns niemanden außerhalb ihrer „Social Bubble“ treffen. Virologe Christian Drosten ordnete dieses Lockdown-Modell in der aktuellsten Folge des NDR-Podcasts „Coronavirus-Update“ ein.

Nur noch eine Gruppe treffen – und sonst niemanden: Bester Schutz vor Corona?

Wenn sich Menschen während eines Lockdowns nur mit wenigen, ausgewählten Menschen treffen, sind die Infektionsketten weit besser zurückzuverfolgen als mit dem zwei-Haushalte-Modell, dass die Regierung aktuell fährt. So die Argumentation der „Social Bubble“-Verfechter. Und tatsächlich spricht einiges für die Unterteilung in Gruppen, die sich untereinander nicht mischen. So könnte dies nicht nur die Verbreitung von Covid-19 effektiver eindämmen, sondern auch das soziale Leben während eines Lockdowns weniger stark beeinträchtigen. Die Parteien der „Social Bubble“ sind zum Beispiel in der Lage, sich bei der Kinderbetreuung oder der Betreuung älterer Angehöriger gegenseitig zu unterstützen und auch die Gefahr der sozialen Isolation ist weit weniger gegeben als bei anderen Lockdown-Modellen.

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Die „Social Bubble“-Idee wird in einigen Ländern bereits angewandt: „Die wissen, wir müssen das jetzt eine Zeit durchhalten mit einer gewissen Kontakteinschränkung. Wir wollen nicht, dass alle Leute verzweifeln und depressiv werden. Kämen sogar noch Schulschließungen dazu, Kinder können nicht betreut werden und werden irgendwann ganz verrückt in der Wohnung. Da könnte man sagen, es können sich immer bis zu zwei oder sogar drei Haushalte zusammentun und eine soziale Blase bilden. Und die dürfen sich treffen“, so Christian Drosten im Interview mit dem NDR: „Man ist jetzt zum Beispiel in der Stadt, in einem Haus, Mehrfamilienhaus, dann könnte man sagen, zwei oder drei Familien, die dürfen sich während der ganzen Zeit frei treffen. Die dürfen sich auch gegenseitig mit der Kinderbetreuung helfen, da darf einer für alle einkaufen und so weiter. Die dürften rein theoretisch sogar zusammen das Haus verlassen. (...) Aber über diese Sozialblase hinaus soll es keinen Kontakt geben. (...) Solche Maßnahmen sind denkbar. Das geht immer zurück auf dieses letztendlich mathematische Prinzip der Teilung solcher Gruppen und der dann weit überproportionalen Reduktion von Kontaktmöglichkeiten im Kontaktnetzwerk“. Doch einen Haken habe die „Social Bubble“-Idee: Wenn schulpflichtige Kinder Teil der sozialen Blase sind, ist es im Grund keine soziale Blase mehr, da die Kinder Kontakt zu ihren Mitschülern haben: „Da ist dieses Prinzip der „Social Bubble“ aber sowieso verletzt, wenn die Schulen offen sind“. (jg) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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