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Diagnose von Harnwegsinfekten

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Schmerzen im Unterbauch: Ein typisches Symptom eines Harnwegsinfekts.
Schmerzen im Unterbauch: Ein typisches Symptom eines Harnwegsinfekts. © www.stock.adobe.com: jomkwan7 (#223838409)

Harnwegsinfekte gehören – neben Erkältungen – zu den besonders häufig vorkommenden Infekten. Die meisten Fälle sind dabei unkomplizierte Harnwegsinfekte.

Wann ein solcher zum komplizierten Harnwegsinfekt wird und was bei der Diagnose zu beachten ist, haben wir hier zusammengefasst.

Diagnose: Harnwegsinfekte im Überblick

Harnwegsinfektionen trifft vor allem das weibliche Geschlecht – rund 10 von 100 Frauen leiden mindestens einmal im Jahr unter einer Blasenentzündung.1 In der Regel erkranken sie an einer Blasenentzündung mit den typischen Symptomen wie einem Brennen beim Wasserlassen und Schmerzen im Unterbauch. Diese unkomplizierten Harnwegsinfekte sind Alltag in den Arztpraxen. Sie lassen sich bei Bedarf mit Antibiotika und unterstützend mit Präparaten wie Femalac® bei Harnwegsinfekten behandeln.

Bei Männern sind die Harnwegsinfekte deutlich seltener als bei Frauen und sie treten eher erst im fortgeschrittenen Lebensalter auf.

Komplizierter oder unkomplizierter Harnwegsinfekt?

Schon bei der Diagnose muss der Arzt die zunehmende Resistenzlage der verursachenden Keime in Betracht ziehen, da Harnwegsinfekte sehr häufig mit Antibiotika behandelt werden. Deshalb steigt womöglich die Wahrscheinlichkeit, einer bereits bestehenden Resistenz. Dabei ist es egal, ob es sich um einen komplizierten Harnwegsinfekt handelt oder eine einfache Blasenentzündung mit den typischen Symptomen. Im Übrigen unterscheidet sich vor allem der diagnostische Aufwand vom unkomplizierten zum komplizierten Harnwegsinfekt mitunter erheblich.

Unkomplizierter Harnwegsinfekt

Als unkomplizierte Harnwegsinfekte ordnen Mediziner eine bakteriell verursachte, oberflächliche Entzündung in den Schleimhäuten der Blase und der Harnleiter ein. Sie liegt dann vor, wenn keine Begleiterkrankungen oder Anomalien den Harnwegsinfekt fördern. Die unkomplizierte Form geht also nicht einher mit:

In der Diagnose äußern sich diese Harnwegsinfekte unterschiedlich. Die klassische Blasenentzündung geht mit Symptomen wie vermehrtem Harndrang, Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen einher. Mitunter ist außerdem Blut im Urin nachweisbar. Auch wiederkehrende Blasenentzündungen werden als unkomplizierte Harnwegsinfekte eingestuft.

Liegt die Entzündung weiter oben in den Nieren, ist diese klopf- und druckempfindlich, die Patienten haben Schmerzen in der Flanke und meist auch Fieber.

Selten bleibt ein unkomplizierter Harnwegsinfekt symptomlos, obwohl ein Bakterienbefall vorliegt. Mediziner sprechen dann von der asymptomatischen Bakteriurie, die meist ein Zufallsbefund ist. Bestehen keine Notwendigkeiten wie Schwangerschaft oder ein operativer Eingriff im besiedelten Bereich, wird die asymptomatische Bakteriurie nicht behandelt.

In der Regel reichen für die Diagnose eines Harnwegsinfekts das typische Symptombild und die Untersuchung mit Urinteststreifen aus. Bei Bedarf kann der Urin auch mikroskopisch untersucht werden. Bei unkomplizierten, aber wiederkehrenden Harnwegsinfekten kann außerdem eine bakteriologische Kultur sinnvoll sein, um den konkreten Erreger nachzuweisen und konkreten Erreger nachzuweisen und ein Antibiogramm zu erstellen.

Komplizierter Harnwegsinfekt

Komplizierte Harnwegsinfekte sind immer von erschwerenden oder den Infekt fördernden Umständen begleitet. Dazu gehören anatomische Anomalien durch Fehlbildungen, beispielsweise Divertikel, oder Zubildungen wie eine Prostatavergrößerung, Tumore oder Harnsteine. Aber auch ein Blasenkatheter oder chronische Erkrankungen wie Diabetes mellitus, ein geschwächtes Immunsystem, Lähmungserscheinungen oder eine Einschränkung der Nierenfunktion führen zu dieser Einstufung. Außerdem gelten Infekte Kindern und bei Schwangeren sowie Entzündungen des Nierenbeckens zumeist als komplizierte Harnwegsinfekte.

In diesen Fällen muss die Diagnose des Harnwegsinfekts entsprechend vertieft und verfeinert werden. Sie beginnt hier ebenfalls mit der Anamnese der Beschwerden. Danach untersucht der Arzt die Patienten jedoch auch körperlich genau. Diese Untersuchungen schließen Bauch und Urogenitaltrakt ein. Bei komplizierten Infekten kann der Arzt den Urin ebenfalls per Teststreifen analysieren, eine Kultur anlegen lassen und zudem dem Betroffenen Blut abnehmen. So lassen sich zum einen weitere Verdachtsmomente für die Ursache aufzeigen und fördernde Begleiterkrankungen entdecken. Zum anderen wird auch beim komplizierten Harnwegsinfekt aus der Urinkultur ein Antibiogramm erstellt, um den Infekt gezielt mit wirksamen Antibiotika bekämpfen zu können.

Beim Verdacht anatomischer Anomalien oder bei einem vermuteten Harnstau helfen darstellende Verfahren wie der Ultraschall oder eine Computertomographie der Blase, Harnwege und Nieren bei der Diagnose. Außerdem können spezielle Untersuchungsverfahren der Urologie zum Einsatz kommen, wenn ein entsprechender Anfangsverdacht gegeben ist. Dazu zählen unter anderem die Zytoskopie und Urografie.

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Vor allem komplizierte Harnwegsinfekte sind Infektionen, die ein hohes Potenzial aufweisen, sich sehr hartnäckig und lange zu halten oder chronisch immer wiederzukehren. Ob und wie gut sich solche Infekte behandeln lassen, hängt von den zugrundeliegenden oder begünstigenden Faktoren und deren Therapiebarkeit ab. Um dafür eine verlässliche Prognose stellen zu können, muss eine sehr präzise Diagnostik vorausgehen.

Eine korrekte Diagnose ist außerdem deshalb essenziell, um Komplikationen wie eine Nierenbeckenbodenentzündung und beim Mann eine Hoden- oder Prostataentzündung zu vermeiden. Die Nierenbeckenbodenentzündung ist insbesondere für Schwangere gefährlich, da sie das Risiko einer Frühgeburt erhöht, einen vorzeitigen Blasensprung oder eine Infektion beim Neugeborenen auslösen kann. Dies ist auch einer der Gründe, warum Infekte bei Schwangeren grundsätzlich immer den komplizierten Harnwegsinfekten zugerechnet werden.

Außerdem können sich aus einem komplizierten Harnwegsinfekt weitere schwere Erkrankungen wie eine Sepsis oder Abszesse im Nierengewebe entwickeln.

1 Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts: Akute Blasenentzündung. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/akute-blasenentzuendung.2258.de.html (18.11.2020).

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