Auch symptomfreie COVID-Patienten leiden unter Herzschäden

Herzschäden durch Corona? Wenn Atemwegsinfekte aufs Herz schlagen

Gegen das Coronavirus gibt es noch keinen Impfstoff. Die Forscher arbeiten mit Hochdruck daran.
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Gegen das Coronavirus gibt es noch keinen Impfstoff. Die Forscher arbeiten mit Hochdruck daran.

Das Corona-Virus kann auch Wochen nach der Infektion das Herz schädigen. Dabei sind junge Menschen genauso betroffen wie ältere. Lesen Sie, wie sich die Herzschädigung bemerkbar macht.

In einer Studie an der Uniklinik in Frankfurt wurden 100 ehemalige Corona-Erkrankte von Herzspezialisten untersucht. Die schockierende Feststellung: 78 von ihnen litten nachweislich unter entzündlichen Veränderungen des Herzens, 60 unter einer aktiven Entzündung des Herzmuskels. Die Wissenschaftler räumten ein, dass sie die Studie unter zeitlichem Hochdruck durchgeführt hatten und sich kleine Fehler in den statistischen Zahlen eingeschlichen hatten. Dennoch steckt viel Wahrheit in den Ergebnissen, die im Kern die Grundfrage widerspiegeln: Müssen Patienten müssen nach überstandener Coronakrankheit mit Herzproblemen rechnen?

Milder Verlauf kein Garant für unbeschädigtes Herz

Selbst, wenn die Coronaerkrankung ohne offensichtliche Symptome verläuft, können die Viren das Herz schädigen. Nach heutigem Stand der Wissenschaft ist davon auszugehen, dass die Herzprobleme auf krankhafte Autoimmunprozesse zurückzuführen sind, die durch das Coronavirus aktiviert werden. Diese Feststellung aus der Frankfurter Studie wurde im September 2020 durch eine weitere Untersuchung aus den Vereinigten Staaten gefestigt. An der Staatlichen Universität von Ohio wurden 26 Leistungssportler bezüglich ihrer Herzaktivität untersucht. Die Hälfte der Probanden litt während der COVID-Erkrankung nur unter milden Symptomen. 15 % der getesteten Patienten erfüllten die Lake-Lewis-Kriterien für Myokarditis. Fast die Hälfte aller Patienten wies Narben und Ödeme am Herzmuskel oder im Herzbeutel auf. 

Nach überstandener COVID-Erkrankung bleibt die Kurzatmigkeit

Dass ehemalige COVID-Patienten unter einer Herzmuskelentzündung leiden können, haben beide Untersuchungen ans Licht gebracht. Somit ist es wahrscheinlich, dass sich das COVID-Virus zu den anderen Ursachen und Risikofaktoren laut Ratgeber für Herzinsuffizienz gesellt, die für eine Herzmuskelentzündung in Betracht gezogen werden müssen.

Bei vielen Patienten will die Kurzatmigkeit auch nach überstandener COVID-Erkrankung nicht abklingen. Sie fühlen sich erschöpft und sind weniger leistungsfähig. Brustschmerzen sind manchmal, aber nicht immer eine Begleiterscheinung. Besorgniserregend finden Ärzte, dass sich die Herzschädigung unabhängig von bestehenden Vorerkrankungen und auch unabhängig vom Verlauf der Infektion entwickeln kann. Viele COVID-Patienten hatten vor der Erkrankung keinerlei Herzprobleme. Selbst, wenn nur wenige oder gar keine Beschwerden auftreten, kann das Herz durch die Infektion stark beeinträchtigt werden. Wie oben bereits erwähnt, sind typische Veränderungen am Herzen kleinere Narben und Flüssigkeitsansammlungen. Diese finden sich sowohl im Herzbeutel als auch am Herzmuskel. Die Experten zogen daraus den Schluss das die Entzündung noch aktiv sein musste und entnahmen Gewebeproben. Die Untersuchungsergebnisse ließen keinen Zweifel offen: es wurden verschiedene Entzündungszellen nachgewiesen, aber keine Spuren mehr vom Virus. Dieser Zusammenhang ließ die Forscher zunächst vermuten, dass die Entzündung eine Folge aus der Reaktion des gesamten Organismus auf den Erreger ist. Der Erreger könnte die Entzündung somit indirekt ausgelöst haben.

Mediziner aus Mainz: SARS-CoV-2 im entzündeten Herzmuskel noch auffindbar

Andere Erkenntnisse hat ein Forscherteam aus Mainz rund um Philip Wenzel (Universitätsmediziner) gewonnen. Die Forscher untersuchten zwei Patienten, die mit einer virusbedingten Myokarditis in die Klinik kamen. Die COVID -Infektion war zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Wochen überstanden. Beide Männer waren unter 40, körperlich fit und hatten zum Zeitpunkt der Untersuchung einen negativen Coronatest. Allerdings hatten alle beide etwa vier Wochen vorher unter einem grippeähnlichen Infekt gelitten. Dass es sich dabei tatsächlich um COVID-19 gehandelt haben könnte, legen die folgenden Untersuchungsergebnisse nahe.

Herzprobleme lassen sich beim Kardiologen mit speziellen Untersuchungen diagnostizieren.

Die Ärzte nahmen eine Biopsie der Herzmuskel vor und diagnostizierten eine Herzmuskelentzündung. Sie fanden entsprechende Entzündungs-Marker. Eine negative Überraschung brachte der PCR-Test zu Tage. Er zeigte, dass im Herzmuskel Sars-Covid-2-Viren nachweisbar waren. Vor diesem Hintergrund zogen die Ärzte den Schluss, dass sich eine Herzmuskelentzündung durch COVID -19 auch Wochen nach der Viruserkrankung entwickeln kann. Allerdings handelt es sich hier um zwei Einzelfälle und nicht um eine klinische Studie. Insofern relativiert Wenzel und sagt, dass ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Herzmuskelentzündung und SARS-Covid-2 nicht bestätigt werden kann. Allerdings räumt er ein, dass ähnliche Krankheitsverläufe von anderem Virusinfektionen bekannt sind.

Verschwinden die Herzprobleme wieder?

Diese Frage stellt sich jeder, der mit COVID 19 in Berührung gekommen ist. Die Antwort darauf ist aber noch offen. Es gibt keine Erfahrungswerte, die darauf schließen lassen, dass Herzmuskel und Herzbeutel komplett gesunden. Ob die leichten oder schweren Einschränkungen der Herzfunktion auf lange Sicht verschwinden werden, ist unbekannt. Diese Antwort wird die Zukunft bringen und kann noch einige Jahre auf sich warten lassen.

Auch jüngere Menschen sind betroffen und in welcher Form weitere Spätfolgen auftreten können, lässt sich nach heutigem Stand der Erkenntnisse nicht sagen. Es gibt einige Berichte von Ärzten, die neuronale Ausfallerscheinungen, dermatologische Veränderungen und den Verlust von Geruchssinn oder Geschmackssinn zum Inhalt haben. In jedem Fall lässt sich sagen, dass das Virus kein Alter kennt und dass es junge Menschen genauso treffen kann wie alte. Auch fitte, gut trainierte Personen können durch ein Virus, dass sich noch nicht einmal mit körperlichen Symptomen bemerkbar macht, urplötzlich Herzprobleme bekommen. Vor diesem Hintergrund ist es dringend zu empfehlen, sich so gut es geht an die geltenden AHA-Regeln zu halten. Zusätzlich zu AHA (Abstand halten, Hygieneregeln beachten, Alltagsmasken tragen) kommt noch L für Lüften hinzu, sobald mehrere Personen zusammen in einem Raum sind.

Gerade, weil es noch keine Langzeitbeobachtungen gibt ist es wichtig, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten zu schützen. Vielleicht wird schon Mitte 2021 ein Impfstoff helfen, die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen. 

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