Pferderennen

Ein Sport, der der Vergangenheit angehören sollte?

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Pro Jahr kommen weltweit bei Pferderennen hunderte Tiere ums Leben.

Sport ist Mord und in diesem Fall stimmt es wirklich. Pferderennen fordern jedes Jahr weltweit hunderte Tieropfer.

Das berühmteste Beispiel ist die kalifornische Rennbahn Santa Anita, auf der seit Dezember letzten Jahres fast 40 Pferde verendeten. Insgesamt starben in den USA bei 36.000 Rennen fast 500 Tiere. Jedoch auch in Deutschland ist die Lage ernst zu nehmen. Seit 2015 kamen hier laut Informationen der Tierschützer von Peta mindestens 49 Pferde ums Leben, wobei davon ausgegangen werden kann, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegt.

Mehr als bloße Unfälle?

Laut der Tierschutzorganisation Peta ist diese hohe Anzahl an Todesfällen auf den Rennbahnen nicht nur auf Unfälle zu beschränken. Vielmehr geht man von einer systematischen Überforderung aus, sodass die Tiere für Preisgelder und Ansehen in den Tod getrieben werden. 

Jedoch für das Direktorium für Vollzucht und Rennen hat das Wohl der Pferde für den gesamten Galopprennsport oberste Priorität. Wie passt das also zusammen? 

Wie der ehemalige Fachtierarzt für Pferde, Dr. Maximilian Pick, ausführt, sind es Fluchttiere, die bei Rennen offenbar gezwungen werden, über ihre Grenzen hinaus zu gehen. Das kann Überlastungen zur Folge haben, die häufig zu Stürzen führen, die im Tod des Tieres enden. Dabei kommt es vor, dass verletzte Pferde noch auf der Rennbahn eingeschläfert werden müssen. Ein weiteres Problem ist der psychische Stress, der unter anderem zu Magengeschwüren führen kann, sowie Blutungen in der Lunge.

In Großbritannien stehen möglicherweise Änderungen bevor

Nach den Wahlen im Dezember könnten hier möglicherweise die Gesetze modernisiert werden, die das Glücksspiel betreffen. Der Reitsport ist stark damit verknüpft, weshalb die Labour Partei schon im August einen stärkeren Tierschutz gefordert hat. Insbesondere wird hier der Einsatz der Peitsche in Frage gestellt. Die soll zur Ermutigung des Tieres und zum Schutz des Reiters dienen. Fraglich ist jedoch, ob das Gerät als Ermutigungsmittel wirklich gerechtfertigt ist. 

Auf der anderen Seite sieht die British Horseracing Authority keinen Handlungsbedarf. Das kann jedoch daran liegen, dass Labour neue Kontrollmechanismen für Pferdegesundheit einzuführen plant.

Der Gebrauch der Peitsche ist auch in Deutschland noch erlaubt. Jedoch dürfen Jockeys nicht einfach nur „draufschlagen“. Falscher Peitschengebrauch kann zu einer Geldstrafe oder sogar zu einem Reitverbot führen.

Nicht nur Todesfälle sind ein Thema 

Die Gesundheit der Tiere wird aber offenbar noch durch viel mehr Faktoren bedroht. Auch die Aufzucht, Haltung, Fütterung, tierärztliche Betreuung und das Futter werden häufig kritisiert. Außerdem könne das Dressur- oder das Springreiten niemals zu 100 Prozent tiergerecht gestaltet wird.

Hinzu kommen die

Anti-Doping Regeln

. Grundsätzlich heißt es: Wenn ein Pferd Medikamente braucht, dann kann es nicht an Rennen teilnehmen. Gleichzeitig lasse die Deutsche Reiterliche Vereinigung wieder bestimmte Dopingmittel zu, so Peta. Die Tierschutzorganisation hatte im November Strafanzeige erstattet. Bei den Substanzen handele es sich um Altrogenest, einem Hormon, das die sogenannten Rossesymptome bei paarungsbereiten Stuten unterdrücke, sowie Omeprazol, das unter anderem zur Behandlung von Magengeschwüren verbreicht werde und die Produktion von Magensäure hemme.

Basis für die Klage ist Paragraph 3 des Tierschutzgesetzes, der unter anderem untersagt Dopingmittel zu verabreichen und ihnen, außer in Notfällen, Leistungen abzuverlangen, denen das Pferd nicht gewachsen ist.

Vor allem USA Spitzenreiter

Laut einer Aufstellung des Jockey Clubs starben in den USA allein im Jahr 2018 493 Rennpferde. Bricht man die Zahl herunter, so starben 1,3 Pferde am Tag. Nicht eingeschlossen sind die Todesfälle bei Trainingseinheiten, was die Dunkelziffer wohl nur noch weiter in die Höhe treiben würde. 

Die meisten Todesfälle gehen auf Beinverletzungen zurück. In einem Interview mit National Geographic erklärte der Direktor des California Horse Racing Board, Rick Arthur, es könne damit zusammenhängen, dass der Wettbewerbsfaktor in diesem Sport immer größer wird. 

Pferde bekommen offenbar nicht mehr die Ruhephasen, die sie eigentlich bräuchten. Vor allem an Orten wie dem kalifornischen Santa Anita, weil hier eine ganzjährige Rennsaison aufgrund der Klimatischen Bedingungen möglich ist. 

In Zukunft will sich der Jockey Club für die Verbesserung des Pferdesports in den USA einsetzen, denn aktuell liegt die Pferdesportindustrie den Bestimmungen der jeweiligen Bundesstaaten.

Tradition vor Tierwohl? 

In Deutschland hat der Pferderennsport eine lange Tradition. Obwohl sich Tierschützer gegen die Bedingungen aussprechen und Befürworter eine artgerechte Behandlung der Pferde beteuern, scheint sich jedoch nicht wirklich etwas zu bewegen. Wenngleich es jährlich auch in Deutschland größere Zwischenfälle auf den Rennbahnen gibt. 

Beispielsweise mussten im Sommer in Mannheim zwei Pferde nach Zwischenfällen eingeschläfert werden. Tierschützer hatten direkt Anzeige gegen die Veranstalter und die Pferdehalter erstattet. Die Staatsanwaltschaft Mannheim konnte jedoch kein strafbares Handeln in diesem Zusammenhang erkennen. 

Was die Zukunft in diesem Zusammenhang für Deutschland noch bringt, ist fraglich. Es scheint, als sei ein Ende des Pferderennsports noch nicht in Sicht. Bezeichnend dafür ist wohl auch die aktuelle Änderung des Rennwettgesetzes durch den Bundesrat. Offenbar hat der Sport mehr Freunde in der Politik mehr Freunde und Unterstützer als man glauben mag. Davon geht jedenfalls Dr. Michael Vesper, der Präsident des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen, in einem Interview mit Sportwelt aus.

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