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Heidelberg: Alpaka-Farm nach 4 Tagen wieder zu – Das ist der Grund

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Von: Josefine Lenz

Heidelberg - Herber Schlag für die Alpaka-Farm Hirtenaue! Nach nur vier Tagen muss Melanie Weigl wieder schließen. Der Grund: Sie hätte eigentlich nicht öffnen dürfen.

Update vom 16. März: Auf HEIDELBERG24-Anfrage hat sich eine Sprecherin der Stadt Heidelberg zu der schnellen Schließung der Alpaka-Farm geäußert. Laut einer Sprecherin hätte die Farm am 8. März nicht einmal für den Publikumsverkehr öffnen dürfen. „Diese Öffnung erfolgte jedoch ohne vorherige Rücksprache mit dem Bürger- und Ordnungsamt und ist auch widerrechtlich. Die Corona Verordnung sieht generell keine Öffnungsmöglichkeit für Freizeiteinrichtungen vor, unabhängig von den Inzidenzwerten“, heißt es in der Antwort. Zudem gelte die 10-Personen-Regel nur für Sportanlagen und Sportstätten im Freien – wozu eine Alpaka-Farm nicht gehöre.

Erstmeldung vom 12. März: Im Mai 2019 hätte Melanie Weigl nicht glücklicher sein können, denn nach monatelanger Planung und anfänglichen Finanzierungsschwierigkeiten kann sie endlich ihre eigene Alpaka-Farm eröffnen. „Hirtenaue“, wie das kleine Idyll heißt, liegt auf dem Pferchelhang in Ziegelhausen. Zunächst leben dort vier Tiere, später ziehen zwei weitere Alpakas ein. Doch mit dem Frühjahr 2020 ändert sich auch für die Alpaka-Farm in Heidelberg plötzlich alles. Durch die Corona-Krise und den ersten Lockdown muss Melanie sämtliche Wanderungen und Touren absagen, kurz darauf stirbt Alpaka Nino. Zwar geht es mit den Sommermonaten wieder ein wenig bergauf, spätestens mit dem zweiten Lockdown verschlimmert sich die Lage aber zusehends.

AlpakafarmHirtenaue
StandortPferchelhang, Ziegelhausen
BetreiberinMelanie Weigl

Heidelberg: Alpaka-Farm wegen Corona monatelang geschlossen

Melanie Weigl brechen die Einnahmen weg und ihre Tiere langweilen sich auf der Koppel. „Ohne unsere Farmgäste ist meinen fünf Jungs extrem langweilig und ständig muss ich den hoch intelligenten Tieren etwas bieten, damit sie nicht auf „dumme Gedanken“ kommen oder nur passiv im Stall liegen. Für die Jungs ist der Lockdown auch alles andere als ein Spaß“, heißt es bereits im Januar in einem Facebook-Post. In einem anderen Beitrag schreibt die Alpaka-Besitzerin: „Durch die bislang fehlende staatliche Hilfe befindet sich meine Farm, die ich erst im Mai 2019 hier in Heidelberg gegründet habe, in schwerer existenzieller Not.“ Seit November habe sie keine Unterstützung vom Staat erhalten. Durch Spenden könne sie sich gerade so über Wasser halten.

Melanie Weigl und ihr Alpaka Gargamel
Melanie Weigl und ihr Alpaka Gargamel © Melanie Weigl

Melanie Weigl stehe trotz alledem zu den Coronavirus-Maßnahmen, die getroffen werden. Jedoch sei es „kaum noch erträglich, zumal eine Ansteckungsgefahr bei uns im Freien, in Bewegung, mit Abstand und Maske so gut wie ausgeschlossen ist.“

Heidelberg: Nach 4 Monaten Corona-Lockdown – Alpaka-Farm darf wieder öffnen, doch nur für kurze Zeit

Anfang März folgt dann endlich die Nachricht, auf die die Alpaka-Farm in Heidelberg so lange gewartet hat: Sie darf nach vier Monaten Corona-Lockdown wieder öffnen. Ab dem 8. März dürfen bis zu 10 Personen bei der Alpaka-Wanderung mitmachen, sobald in Heidelberg die 7-Tage-Inzidenz einen Wert von über 50 überschreitet, müsse die Personenanzahl auf fünf reduziert werden, wie Melanie Weigl erklärt. Die Touren finden ausschließlich im Freien statt, Besucher müssen eine FFP2-Maske tragen und den Abstand wahren.

Zwei Tage später ist es dann so weit: Die erste (und einzige) Gruppe kann mit den fünf Tieren einen Spaziergang in Ziegelhausen machen. Die Gruppe besteht aus vier Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren. Die 7-Tage-Inzidenz liegt an diesem Tag unter 50. Melanie Weigl ist außer sich vor Glück und hofft, dass es nun erst einmal so bleibt. Doch ihre Freude währt nicht lange, denn bereits vier Tage nach der Eröffnung erhält die Alpaka-Mama eine Hiobsbotschaft. Hirtenaue muss wieder schließen! Am Freitag (12. März) heißt es in einem Post der Alpaka-Farm: „Aufgrund der gestiegenen Inzidenz in Heidelberg auf über 50 hat das Ordnungsamt Heidelberg heute der Alpaka-Farm Hirtenaue mit sofortiger Wirkung den Betrieb wieder vollständig untersagt.“ Sämtliche Touren werden daraufhin abgesagt.

Im Gespräch mit HEIDELBERG24* sagt Melanie Weigl: „Mich hat die heutige Mail des Ordnungsamtes zutiefst erschüttert. Wieder die alte Begründung: Meine Farm ist ein Freizeitbetrieb und Freizeitbetriebe müssen lt. Coronaverordnung schließen.
Während Zoos, Baumärkte, Fitnesscenter in Innenräumen, körpernahe Dienstleistungen wie Frisöre etc. öffnen dürfen und auch der kontaktlose Sport im Freien mit 10 Personen möglich ist, wird mir der Betrieb untersagt.

Heidelberg: Alpakafarm muss nach nur 4 Tagen wieder schließen – Netz ist empört

Am Freitag überschreitet Heidelberg zum dritten Mal in Folge den Inzidenz-Wert von 50. Wenn dieser Fall eintritt, sei es „das Landesgesundheitsamt, das die Überschreitung offiziell feststellen sowie den Zeitpunkt des Inkrafttretens der geänderten Regelungen bekannt geben muss“, heißt es noch am Vortag von einem Sprecher vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit im Heidelberger Rathaus. Am Freitag sagt ein weiterer Sprecher auf Nachfrage von HEIDELBERG24, dass noch im Laufe des Freitags neue Details zu möglichen Corona-Verschärfungen in Heidelberg veröffentlicht werden. Warum die Alpaka-Farm Hirtenaue aber schon vorzeitig schließen muss, kann nicht beantwortet werden.

Das Netz ist über die Schließung der Alpaka-Farm auf jeden Fall empört und könne die Reaktion vom Ordnungsamt nicht nachvollziehen. „Es ist unfassbar“, „Oh man, das tut mir leid. Das soll einer verstehen..“ und „Soooo unglaublich und nicht nachvollziehbar“, heißt es beispielsweise in den Kommentaren. Wann Hirtenaue wieder öffnen darf, ist bislang unklar. Möglicherweise gibt es am Freitagabend neue Infos dazu. (jol)

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