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Heidelberg: Schlossbeleuchtung künftig mit Drohnen und Lasern statt Feuerwerk?

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Von: Josefine Lenz

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Die 1. Schlossbeleuchtung 2019 am 1. Juni
Die 1. Schlossbeleuchtung 2019 am 1. Juni. (Archivfoto) © HEIDELBERG24/Uli Hillenbrand

Heidelberg - Das beeindruckende Feuerwerk der Schlossbeleuchtung begeistert jährlich tausende Menschen. Doch werden künftig Drohnen statt Raketen in den Himmel steigen? Der Testversuch:

Jedes Jahr tummeln sich zehntausende Menschen auf dem Philosophenweg und dem Neckarvorland, um der beeindruckenden Heidelberger Schlossbeleuchtung zuzuschauen. Seit 1860 wird die Feuerwerksshow aufgeführt – ungebrochen, bis Corona kam. Seither musste die beliebte Tradition immer wieder verschoben werden. Drei Mal im Jahr findet normalerweise die Schlossbeleuchtung in Heidelberg statt. Immer im Juni, Juli und September leuchtet der Himmel über der schönen Neckarstadt für rund 15 Minuten auf. Die Schlossbeleuchtung soll übrigens an die Zerstörung des Schlosses im Jahr 1693 während des Pfälzischen Erbfolgekriegs erinnern.

StadtHeidelberg (Baden-Württemberg)
Einwohnerzahl158.741 (31. Dez. 2020)
Fläche108,8 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Doch während die einen nur hoffen, dass die Schlossbeleuchtung 2022 endlich wieder ganz normal stattfinden kann, wird in den Ausschüssen derzeit über die Art und Weise diskutiert. Seit mehreren Monaten steht zur Debatte, dass die Schlossbeleuchtung nicht mehr aus einem Raketenfeuerwerk, sondern aus einer Drohnen- und Lasershow bestehen soll. Nun wird wohl ein Testversuch zeigen, ob diese Alternative die Tradition teilweise ersetzen kann.

Schlossbeleuchtung Heidelberg: Drohnen und Laser statt Raketen? Testshow geplant

Bereits letztes Jahr haben die Grün-Alternative Liste (GAL) und Freie Wähler dem Gemeinderat einen Antrag vorgelegt, in dem sie eine Drohnen- und Lasershow als Alternative vorschlagen. „Die seit vielen Jahrzehnten durchgeführte Schlossbeleuchtung ist in seiner jetzigen Form nicht mehr zeitgerecht und sollte in einer umweltfreundlichen Stadt so nicht mehr durchgeführt werden. Eine Lasershow oder eine Schlossbeleuchtung mit Drohnen würde wesentlich umweltfreundlicher und emissionsärmer sein und könnte dennoch eine große Anziehungskraft haben, ganz nach dem Motto: „Heidelberg heute: Sachlich nüchtern romantisch verspielt“, wird der Vorschlag begründet.

Leiser und umweltfreundlicher wäre die Schlossbeleuchtungs-Alternative wahrscheinlich, aber wäre sie auch wirklich schöner? Das will man nun herausfinden. Wie die RNZ berichtet, hat der Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität am Mittwoch (16. Januar) einem Testversuch zugestimmt. Das Konzept hierfür kam von Heidelberg Marketing, Veranstalter des Feuerwerks.

Heidelberg: Schlossbeleuchtung aus Drohnen und Laser – Testshow 2023 geplant

2023 wolle man die Testshow unabhängig von den drei Schlossbeleuchtungen in Heidelberg durchführen. Zwischen April und September soll dann ein Mix aus Drohnen und Laser in der Altstadt zu sehen sein. Dem Vorschlag haben zehn Stadträte zugestimmt, zwei haben sich enthalten. Gegenstimmen gab es keine.

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Allerdings sind die Veranstalter noch sehr skeptisch: „Nach Prüfung durch die Heidelberg Marketing GmbH kann eine Drohnenshow keine Schlossbeleuchtung ersetzen“, heißt es in der Informationsvorlage. Gründe dafür gebe es mehrere. So können Drohnen nicht über ein Wohngebiet fliegen, man würde sie deshalb hinter dem Schloss starten müssen. Auch halten die Akkus der Drohnen nur etwa 15 Minuten. Rechnet man den Start und die Landung mit ein, würde die Drohnenshow nur rund zehn Minuten dauern. Laser würde man wiederum am Neckar aufstellen können. Denkbar wäre dann eine zusätzliche musikalische Unterstützung, damit sogar eine Geschichte erzählt werden kann.

Heidelberger Schlossbeleuchtung: Drohnen und Laser deutlich teurer als Feuerwerk

Allerdings sind die Kosten ein weiteres Gegenargument. Laut Heidelberg Marketing koste eine Schlossbeleuchtung rund 35.000 Euro. Eine Drohnenshow alleine würde schon etwa 75.000 Euro kosten, zusammen mit Laser wäre man knapp bei 100.000 Euro. Woher das zusätzliche Geld kommen soll, ist noch unklar. „Da eine Drohnenshow oder eine Laser-/Wassershow in keiner Weise wie eine traditionelle Schlossbeleuchtung einzustufen ist, kann eine Gegenfinanzierung von Seiten der Heidelberg Marketing GmbH beziehungsweise von Sponsoren nicht garantiert werden“, heißt es weiter. Denkbar wäre eine Finanzierung über den städtischen Haushalt.

Das Argument, dass das Feuerwerk der Umwelt schade, versuchen die Veranstalter ebenfalls auszuhebeln. Zwar verursachen Raketen jede Menge Feinstaub. Aber: „Durch Feuerwerke wurden jedes Jahr rund 2.050 Tonnen Feinstaub freigesetzt. 1.500 Tonnen (75%) davon in der Silvesternacht. Die Menge entspricht etwa einem Prozent der insgesamt freigesetzten Feinstaubmenge in Deutschland im Jahr“, wird das Umweltbundesamt zitiert. Außerdem heißt es weiter: „Traditionen und Bräuche sind Teil unseres Lebens und sollen diese auch bleiben.“ Bunte-Linke-Stadtrat Arnulf Weiler-Lorentz ärgert sich jedoch über diese Darstellung und meint gegenüber der RNZ, dass das Bundesamt sehr wohl vor Feinstaub warne. „Laserschauen können ein Feuerwerk gut ersetzen“, wird er zitiert.

Heidelberg: Schlossbeleuchtung soll traditionell bleiben – Gemeinderat fällt Entscheidung

Fazit: Komplett verändern wolle man die Schlossbeleuchtung nicht – weder vonseiten der Veranstalter, noch von der GAL oder den Freien Wählern. „Ganz abgeschafft werden solle die Schlossbeleuchtung aber nicht“, so Stadtrat Michael Pfeiffer: „Das möchte die GAL auf keinen Fall.“ Man wolle aber Alternativen finden. Am 17. März wird der Gemeinderat über die Testshow entscheiden. (jol)

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