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Nach Amoklauf in Heidelberg: Gedenkfeier, Schweigeminute und die Frage nach dem „Warum“

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Heidelberg trauert am Montag um die junge Studentin, die bei einem Amoklauf an der Universität gestorben ist. Bei der Gedenkfeier wird immer wieder nach dem „Warum“ gefragt:

Heidelberg - Am Montag (31. Januar) um 12 Uhr läuten die Glocken der Peterskirche. Der Anlass ist ein trauriger: Es wird an das Opfer, die Verletzten und allen Betroffenen des Amoklaufs Heidelberg* erinnert. Rund 350 Menschen, alle in Schwarz gekleidet, sitzen in der Kirche und lauschen der bedrückenden Orgel-Musik. Hunderte weitere Personen verfolgen die Gedenkfeier via Live-Stream* – ob zu Hause, am Arbeitsplatz oder gemeinsam in der Uni Heidelberg.

StadtHeidelberg
Einwohner160.355 (2019)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner

Nach Amoklauf in Heidelberg: Gedenkfeier erinnert an Opfer – „Warum nur?“

Wie HEIDELBERG24* berichtet, führt Universitätsprediger Prof. Dr. Helmut Schwier die Trauerfeier in Heidelberg. „Innehalten, das tun wir, eine Woche nach der schrecklichen Gewalttat“, mit diesen Worten beginnt er um kurz nach 12 Uhr die Veranstaltung. „Mein Herz ist schwer, meine Seele wund. In der Woche Gespräch mit Betroffenen, mit Ängstlichen, mit Wütenden. Fragen ohne Antworten. Warum nur?“, wird er im Laufe der Trauerfreie fragen.

Die Frage nach dem „Warum“ stellt sich wohl jeder der Gäste und Zuschauer. Niemand kann dafür bislang eine Antwort finden und es bleibt abzuwarten, ob es jemals eine geben wird. Das Motiv und die genauen Hintergründe* sind auch eine Woche nach der grausamen Tat noch völlig unklar.

Bei der Trauerfeier richten Studierende, Seelsorge und Einsatzkräfte ihre Worte an die verstorbene Studentin (†23), die drei Verletzten, Zeugen, Familien und Freunde. Aber auch an die Angehörigen des Täters wird gedacht und für sie gebetet. „Wie geht es seiner Familie?“, heißt es beispielsweise.

Amoklauf Heidelberg: Thomas Strobl bei Gedenkfeier – „Ob es Signale gab?“

Um 12:16 Uhr findet eine Schweigeminute in der Peterskirche statt. Eigentlich war diese erst acht Minuten später angedacht. Denn: Um 12:24 Uhr gingen am 21. Januar die ersten Notrufe bei der Polizei* ein, weshalb dieser Zeitpunkt als Schweigeminute ausgerufen wurde. Warum sie vorverlegt wurde, ist unklar.

Die Trauerfeier findet am Montag in der Peterskirche statt.
Die Trauerfeier findet am Montag in der Peterskirche statt. © HEIDELBERG24/Florian Römer

Im Laufe der Veranstaltung ergreift auch Innenminister Thomas Strobl das Wort. Er repräsentiert die gesamte Landesregierung und richtet auch einen stillen Gruß von Ministerpräsident Winfried Kretschmann aus. Auch ihm sind die Trauer und der Schock nach dem Amoklauf ins Gesicht geschrieben. „Eine junge Studentin wurde von einem auf den anderen Moment aus dem Leben, aus unserer Mitte, aus ihrer Mitte herausgerissen. Der Trauerfamilie gilt mein herzliches und aufrichtiges Beileid. Und die gesamte Landesregierung trauert mit ihnen“, sagt der Innenminister und fügt hinzu: „Nach entsetzlichen Gewalttaten quält uns die Frage, ob wir sie nicht hätten verhindern können. Ob es Signale gab? Doch die Abgründe der menschlichen Seele sind nicht immer sichtbar. Misstrauen darf nicht die Antwort auf solch eine Tat sein.“ Strobl setzt auf Vertrauen und macht sich stark für die Studierenden, damit sie „sich nicht fürchten müssen“. Man sei bei den Betroffenen – „nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten“, sagt er abschließend.

Heidelberg: Gedenkfeier nach Amoklauf – Oberbürgermeister unter Schock

Der Oberbürgermeister von Heidelberg, Prof. Dr. Eckart Würzner, spricht ebenfalls zu den Angehörigen und Studierenden. Auch ihm ist das Entsetzen noch anzumerken. „Ich bin Vater von vier erwachsenen Kindern. Die Sorge, dass ihnen etwas zustoßen könnte, begleitet uns seit der Geburt unserer Kinder. Wenn diese Vorstellung wahr wird, legt sich Dunkelheit über uns“, so Würzner. Er stellt klar: Man suche immer einen Sinn nach solch einer schrecklichen Tat. Im Falle des Amoklaufs könne aber keiner gefunden werden. Man werde nun Wochen und Monate Zeit brauchen zum Trauern.

Heidelberg: Eine Woche nach Amoklauf – „Immer noch fassungslos“

Die Trauerfeier in der Peterskirche dauert etwa eineinhalb Stunden. Während die Kirche von außen abgesperrt ist, versammeln sich ein paar Studenten vor der Neuen Universität in der Heidelberger Altstadt. Dort legen sie Kerzen und Blumen für ihre verstorbene Kommilitonin aus. Die junge Studentin hatte gerade mit dem ersten Semester Biologie angefangen, als sie von Nikolai G. (†18)* erschossen wurde.

Studierende trauern in der Uni-Mensa im Neuenheimer Feld um die Verletzten und die verstorbene Kommilitonin.
Studierende trauern in der Uni-Mensa im Neuenheimer Feld um die Verletzten und die verstorbene Kommilitonin. © HEIDELBERG24/Florian Römer

Auf dem Uni-Campus im Neuenheimer Feld, wo sich die Gewalttat abgespielt hat, trauern ebenfalls zahlreiche Studenten. Im Gespräch mit HEIDELBERG24* sagt eine Studentin: „Ich bin immer noch fassungslos über diese sinnlose Tat.“ Sie steht zu diesem Zeitpunkt vor dem Gewächshaus des botanischen Gartens. Nur wenige Schritte entfernt liegt das Gebäude 360, in dem der Amokläufer die tödlichen Schüsse abgab. Die junge Frau möchte anonym bleiben. Sie hat gerade eine Kerze angezündet. (jol) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot IPPEN.MEDIA.

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