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Amoklauf in Heidelberg: Studenten gegen strenge Kontrollen – „Wie am Flughafen“

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Von: Daniel Hagen

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Heidelberg - Wie soll der Unterricht an der Universität nach dem Amoklauf weitergehen? Wenn es nach den Studenten geht, soll es keine Sicherheitskontrollen geben.

Wie kann man nach einem dramatischen Erlebnis wie dem Amoklauf in Heidelberg wieder zurück in den Alltag finden und weitermachen? Diese Frage stellen sich aktuell Studenten und Lehrkräfte an der Universität Heidelberg. Dort ist am Montag (24. Januar) ein Biologie-Student Amok gelaufen und hat mit einer Waffe um sich geschossen. Drei Personen sind bei der Tat leicht verletzt worden – eine 23-Jährige stirbt nach einem Kopfschuss. Der mutmaßliche Täter – ein 18-Jähriger – erschießt sich anschließend selbst, könnte aber aufgrund der vielen Munition noch ein größeres Blutbad geplant haben. Auch zwei Tage später befindet sich die Uni laut Joachim Wittbrodt, Dekan der Fakultät für Biowissenschaften, im „Schockmodus“.

StadtHeidelberg (Baden-Württemberg)
Bevölkerung161.485 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche108,84 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Amoklauf in Heidelberg: Prüfungen verschoben, Unterricht ausgesetzt

Die Präsenzveranstaltungen für Studierende im ersten Semester sind vorerst ausgesetzt – zunächst bis zur Trauerfeier am Montag (31. Januar). „Ich würde mir als Dozent auch sehr komisch dabei vorkommen, wenn ich jetzt in einen geschlossenen Hörsaal gehen müsste“, sagt Fakultätsvorstand Wittbrodt. In höheren Semestern habe es Schweigeminuten gegeben, wie Studenten bestätigen, die einen Tag nach dem Amoklauf Blumen und Kerzen niederlegen. Auch Zeiten zum Austausch seien geplant. Das Gebäude mit dem Hörsaal, in dem sich die Tat ereignet hat, bleibe zudem vorerst geschlossen. In der Zwischenzeit hat die Ermittlungsgruppe „Botanik“ neue Informationen über den mutmaßlichen Täter bekannt gegeben.

Das Gebäude, in dem der Amoklauf stattgefunden hat, ist derzeit geschlossen.
Das Gebäude, in dem der Amoklauf stattgefunden hat, ist derzeit geschlossen. © HEIDELBERG24/Fabienne Schimbeno

Joachim Wittbrodt und Uni-Rektor Bernhard Eitel, der sich bereits am Abend nach dem Amoklauf in einer Pressekonferenz zu der schrecklichen Tat geäußert hat, haben sich am Dienstag (25. Januar) mit 170 Teilnehmern zu einem digitalen Gespräch getroffen. „Wir haben vor allem versucht, die Studierenden zu informieren und ihnen Angebote zu machen“, betont der Fakultätsvorstand. Bei der psychologischen Betreuung solle „niemand durchs Raster fallen“.

Heidelberg: Studenten wollen keine zusätzlichen Sicherheitskontrollen

Besonders herausfordernd sind anstehende Prüfungen an der Universität. Eine davon sollte eigentlich am Mittwoch (26. Januar) stattfinden, ist aufgrund der Umstände aber ausgesetzt worden. Es werde Ersatztermine dafür geben. Man werde den Studenten die Möglichkeit geben, an den Prüfungen teilzunehmen. „Aber wenn sie währenddessen merken, es klappt nicht, genügt ein kurzes Signal. Dann zählt diese Prüfung nicht“, ergänzt Wittbrodt. Ziel sei es, dass sich die Studenten dem Präsenzunterricht wieder nähern. Dieser sei gerade in den Biowissenschaften wichtig, da diese sehr praktisch seien und zu 50 Prozent aus Praktika bestünden. Zudem sei ein gewisses Maß an Routine wohl auch bei der Bewältigung des Erlebten sinnvoll.

Doch noch ist nicht ganz klar, wie das Gefühl der Sicherheit wieder an die Universität Heidelberg kommen soll. Eines ist den Verantwortlichen und Studenten jedoch völlig bewusst: Es soll keine zusätzlichen Sicherheitskontrollen am Campus geben. „Die breite Antwort war: Ich würde mich auf dem Campus nicht wohlfühlen, wenn ich wie auf dem Flughafen durchleuchtet würde“, fasst Joachim Wittbrodt die Entscheidung der Studenten zusammen.

Heidelberg: Universität verfügt über Notfall- und Krisenplan für Amokläufe

Diese Meinung teilt auch Stephan Dabbert, Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Universitäten und
Rektor der Universität Hohenheim. „Die Universitäten verstehen sich als weltoffene Bildungsstätten, in denen
auch in diesen schweren Zeiten Austausch und Kommunikation stattfinden; sie sind damit Teil einer offenen Gesellschaft. Einschränkungen des Zugangs mit sicherheitsorientierten Kontrollmaßnahmen laufen diesem Selbstverständnis entgegen.“ Wie bereits am Montag bewiesen worden ist, verfügt die Uni Heidelberg zudem über einen Notfall- und Krisenplan. Vom Eingehen der ersten Notrufe bis zum Eintreffen am betroffenen Lehrsaal hat die Polizei etwa 15 Minuten gebracht. (dpa/dh)

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