1. Heidelberg24
  2. Heidelberg

Amoklauf in Heidelberg: Studenten erheben schwere Vorwürfe – „0,0 Einfühlungsvermögen“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Eliran Kendi

Kommentare

Nach dem Amoklauf an der Uni Heidelberg erheben Studenten der Pädagogischen Hochschule schwere Vorwürfe gegen die Hochschulleitung – Diese meldet sich nun zu Wort.

Heidelberg - Die Vorwürfe sind gravierend: „Kaum Anteilnahme“, „0,0 Einfühlungsvermögen“ oder „unverantwortlich“ – am Tag des Amoklaufs (24. Januar) in Heidelberg* haben Studenten der Pädagogischen Hochschule (PH) ihren Unmut gegen deren Informationspolitik kundgetan. Gegenüber HEIDELBERG24* wird eine Studentin, die nicht namentlich genannt werden will, deutlich: „So eine Nachricht von einer pädagogischen Hochschule, die zukünftige Lehrer*innen und Pädagogen*innen ausbildet, ist eine Zumutung“.

Stein des Anstoßes ist eine Rundmail der Hochschule, in der im sachlichen Ton darüber informiert wird, dass ein Polizeieinsatz stattfindet. Dennoch seien die Gebäude der PH weiterhin zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar, da sie nicht betroffen seien. Angesichts der Bluttat in unmittelbarer Nähe zeigen sich die Nachwuchspädagogen entsetzt. Ein 18-jähriger Amokläufer hatte in einem Hörsaal der Universität Heidelberg* mehrere Personen verletzt, eine Studentin getötet und sich anschließend mit einer Schusswaffe selbst gerichtet.

Eine weitere Studentin, die ebenfalls nicht namentlich genannt werden will, geht sogar noch einen Schritt weiter und unterstellt der Hochschulleitung, wissentlich das Leben der Studentinnen und Studenten gefährdet zu haben. HEIDELBERG24* hat die PH und die Polizei mit den Vorwürfen konfrontiert:

Amoklauf in Heidelberg: Hat die PH fahrlässig reagiert?

Es ist genau 14 Uhr als die Rundmail der PH an die Studentenschaft herausgeht. Zu diesem Zeitpunkt – so der Vorwurf – sollen Spezialkräfte nach einem möglichen weiteren Täter gefahndet haben.

Sehr geehrte Studierende, zur Stunde (Mo 24. Januar, 14:00) findet im Neuenheimer Feld ein Polizeieinsatz statt. Die Gebäude der Pädagogischen Hochschule sind jedoch nicht betroffen. Sie können zu Fuß und mit dem Rad ganz normal erreicht und genutzt werden. Die PKW-Zufahrt in Neuenheimer Feld ist jedoch insgesamt gesperrt. Die Bushaltestelle ‚Pädagogische Hochschule‘ wird deshalb ebenfalls nicht angefahren. Die Haltestelle ‚Technologiepark‘ ist normal erreichbar.

Prof. Dr. Hans-Werner Huneke, Rektor PH Heidelberg

Auf Anfrage von HEIDELBERG24 teilt Verena Loos, Pressesprecherin der PH, mit, dass man zuvor mit dem Polizeirevier Heidelberg-Nord gesprochen habe. Deren Lageeinschätzung wurde in der Rundmail der Studentenschaft mitgeteilt. Auch ist seitens der Hochschulleitung ein PH-Standort im Gefahrenbereich zunächst geschlossen worden. Erst in Abstimmung mit der Polizei und als keine Gefahr mehr bestanden habe, sei die Rundmail veröffentlicht worden.

Meldungen, wonach mehrere Täter unterwegs gewesen seien, sind laut Aussage der Polizei lediglich „Fake-News“.

Amoklauf in Heidelberg: Studenten kritisieren Hochschulleitung für Informationspolitik

Dessen ungeachtet wird vielfach Unverständnis für Zeitpunkt und Inhalt der Rundmail geäußert: „Der Studienbetrieb ist vor dem Hintergrund, dass ein Opfer soeben sogar verstorben ist, in jedem Fall nebensächlich. Definitiv kein Glanzmoment des Rektorates“, heißt es in einem Facebook-Kommentar.

Demgegenüber formuliert die PH Heidelberg auf Anfrage der Redaktion: „Unser Mitgefühl und unsere Solidarität gehören den Angehörigen und Freund:innen der getöteten Studentin, den Verletzten und den Studierenden, die an dem betroffenen Tutorium teilgenommen haben, aber auch allen anderen Mitgliedern der Universität Heidelberg“.

Nach dem Amoklauf in Heidelberg hat die Stadt Heidelberg für Montag (31. Januar) zu einer Schweigeminute aufgerufen*. Zudem wird in der Universitätskirche eine Gedenkfeier stattfinden. (esk) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare