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Amoklauf an Uni Heidelberg: Studenten reden über die Tat – „Erstmal geschockt“

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Von: Daniel Hagen

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Heidelberg - Einen Tag nach dem Amoklauf sitzt der Schock noch tief! Vor dem Gebäude liegen Blumen und Kerzen, während Studenten wieder dem Alltag folgen.

Ein trüber Winternachmittag in Heidelberg. Der Wind weht kalt durch die Bäume und den Botanischen Garten. Direkt daneben befindet sich ein unscheinbares Haus der Universität, in dem unterrichtet wird. Eine Sache unterscheidet das Gebäude aber von den anderen auf dem Campus – hier hat sich am Montagnachmittag (24. Januar) ein grausames Verbrechen abgespielt. Ein Amoklauf, bei dem ein 18-Jähriger mit einer Schrotflinte drei seiner Mitkommilitonen verletzt und eine junge Frau sogar tötet. Danach richtet er sich selbst. Insgesamt ist der mutmaßliche Amokläufer mit zwei Waffen und etwa hundert Schuss unterwegs.

Auch einen Tag später ist hier der Schock noch zu spüren. Nur wenige Menschen sind in der Gegend unterwegs. Wenn sie es tun, halten sie kurz inne und gedenken der Opfer der Tat. Manch einer betet, andere legen Blumen, Kerzen oder Kränze nieder. Andächtige Stille macht sich rund um das Gebäude breit. Alle scheinen sich die gleiche Frage zu stellen: Wie konnte es nur so weit kommen? Eine Antwort darauf soll die neu eingerichtete Ermittlungsgruppe „Botanik“ der Polizei Mannheim finden.

StadtHeidelberg (Baden-Württemberg)
Bevölkerung161.485 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche108,84 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Heidelberg: Student berichtet von plötzlicher Unsicherheit am Campus

Neben den leichten Verletzungen der drei überlebenden Opfer bleiben allerdings noch die psychischen Schäden, die nach einem Amoklauf entstehen. Diese betreffen nicht nur die anderen Personen im Raum, sondern auch zahlreiche Studenten, die von der Tat gehört haben und deren Bekannten oder Familienmitglieder nur knapp dem Tode entkommen sind. HEIDELBERG24 hat ein paar Studenten zu ihrer aktuellen Situation befragt.

Nach dem Amoklauf in Heidelberg werden Kerzen und Blumen niedergelegt.
Nach dem Amoklauf in Heidelberg werden Kerzen und Blumen niedergelegt. © HEIDELBERG24/Fabienne Schimbeno

„Man ist erstmal geschockt, dass es wirklich so ist. Jede Uni hat WhatsApp Gruppen und dass man weiß, dass er eventuell da drin ist, ist schon komisch. So ein mulmiges Gefühl. Man kennt ihn nicht. Man weiß halt nicht, wer er ist. Und dann denkt man sich: Das kann überall passieren. Es kann jetzt passieren, es kann auch morgen passieren. Und man weiß halt nicht, ob es wirklich nur eine Person ist“, erzählt ein Biologie-Student. Danach fühle man sich auf dem Weg zur Uni unsicher, schaue sich öfter um. Er versuche das Gefühl der Gefahr aber zu verdrängen.

Heidelberg: Studenten legen nach Amoklauf Kerzen und Blumen nieder

„Hier passiert eigentlich nicht viel Kriminelles und man fühlt sich hier schon sehr sicher. Ich habe gar nicht damit gerechnet, um ehrlich zu sein. Ich habe auch ganz viele Nachrichten von meiner Familie bekommen, weil die nicht wussten, ob ich hier Uni habe oder nicht. Vor Weihnachten war ich eigentlich jeden Tag hier auf dem Campus“, berichtet eine Studentin der Humanmedizin.

Nach dem Amoklauf in Heidelberg werden Kerzen und Blumen niedergelegt.
Nach dem Amoklauf in Heidelberg werden Kerzen und Blumen niedergelegt. © HEIDELBERG24/Fabienne Schimbeno

Angst vor einem weiteren Amoklauf an der Uni habe sie aber nicht. „Es kann ja immer passieren und wenn man jetzt Angst hat, ist es nicht das Richtige. Man kann es schlussendlich nicht beeinflussen und müsste sich zu Hause einsperren, damit einem sowas nicht passiert. Dafür ist das Leben dann doch irgendwo zu lebenswert“, erklärt die 23-Jährige, die zusammen mit ihren Mitkommilitonen am Tatort Blumen und eine Kerze niederlegt. Nur unweit des Amoklaufs ist übrigens auch die Tochter des Fußballprofis Dennis Diekmeier unterwegs. Seine Frau Dana beschreibt die Furcht um ihr eigenes Kind.

Heidelberg: Studenten nach Amoklauf schockiert und traumatisiert

„Wir waren auf jeden Fall schockiert und traumatisiert, weil wir waren genau in diesem Gebäude vor zwei Wochen und haben da selbst ne Klausur geschrieben. Es hätte genauso gut auch uns treffen können. Es war ja absolut willkürlich. Wir waren einfach traumatisiert“, erzählt eine Studentin. Den Unterricht an diesem Morgen beschreibt sie als still und trauriger als sonst. Zudem habe es in ihrem Kurs eine Schweigeminute gegeben.

„Heute Morgen, als ich mit dem Bus gefahren bin, war so eine ganz bedrückte Stimmung im Bus. Und normalerweise laufe ich von zu Hause immer zur Arbeit, aber ich wollte heute echt nicht durch den Botanischen Garten laufen“, berichtet eine Logopädin an der nahe gelegenen Kopfklinik. Sie habe die Tat noch nicht so ganz begriffen, weil so etwas normalerweise im Ausland oder in anderen Städten passiere. (fas/dh)

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