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Heidelberg: Tödlicher Amoklauf in Uni-Hörsaal – Was bislang bekannt ist

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Von: Daniel Hagen

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Heidelberg - In einem Uni-Hörsaal im Neuenheimer Feld fallen am Nachmittag Schüsse. Was über den Amoklauf eines Biologie-Studenten (†18) bisher bekannt ist: 

Eine grausame Tat erschüttert am Montagnachmittag (24. Januar) die Stadt Heidelberg. Kurz nach 13 Uhr teilt das Polizeipräsidium Mannheim mit, dass es einen Großeinsatz im Neuenheimer Feld gebe. Dort sind auf dem in einem Hörsaal der Uni mehrere Schüsse gefallen. Ein Mann – nach bisherigen Kenntnissen ein Einzeltäter – hat aus bislang unbekannten Gründen mit einer Langwaffe auf Studenten geschossen. Er trifft vier in dem mit rund 30 Menschen besetzten Hörsaal. Drei Menschen werden verletzt, ein Opfer erliegt im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Eine Chronologie des Amoklaufs in Heidelberg kannst Du hier nachlesen.

StadtHeidelberg (Baden-Württemberg)
Bevölkerung161.485 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche108,84 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)
Studierendeca. 39.000

Heidelberg: Amoklauf in Uni-Hörsaal – Opfer zwischen 19 und 23 Jahre alt

Polizeipräsident Siegfried Kollmar erklärt bei einer Pressekonferenz zum Amoklauf am Montagabend, dass es sich bei den vier Opfern um junge Menschen im Alter zwischen 19 und 23 Jahren handle. Zwei Frauen, 19 und 21 sowie ein 20-jähriger Mann seien durch Schüsse leicht verletzt worden. Eine 23-Jährige sei lebensgefährlich verletzt worden und gegen 16 Uhr im Krankenhaus gestorben. Zudem sollen noch etwa 29 weitere Studenten im Raum gewesen sein, die unter Todesangst litten.

Amoklauf in Heidelberg: Mutmaßlicher Täter (†18) hatte über 100 Schuss dabei

Bei dem mutmaßlichen Amokläufer handelt es sich nach Angaben der Ermittler um einen 18-jährigen Studenten, der in Mannheim wohnte. Er flüchtete nach den Schüssen ins Freie und erschoss sich selbst. Der junge Mann hatte nach Angaben der Polizei noch mehr als 100 Schuss Munition dabei. Warum er mit dem Schießen aufgehört habe, wisse man noch nicht, sagte der Mannheimer Polizeipräsident Siegfried Kollmar am Montagabend. Das sei spekulativ, es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass eine bestimmte Person getroffen werden sollte.

Weil bei der Leiche des jungen Mannes ein Rucksack mit unbekanntem Inhalt gewesen sei, habe die Polizei lange nicht zu dem Toten gekonnt. Es hätte sich um Sprengstoff handeln können, erklärte Kollmar. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg habe daher auch Entschärfer geschickt, die den Rucksack untersuchten.

Der Amokläufer von Heidelberg soll die Waffen nicht im Internet, sondern vor einigen Tagen persönlich im Ausland gekauft haben. Es gebe Kaufbelege, sagte der Präsident des Mannheimer Polizeipräsidiums, Siegfried Kollmar, am Montagabend. Zu klären sei nun, wer jemandem ohne Waffenschein eine Waffe verkaufe. Um den Verkäufer nicht vorzuwarnen, nannten die Ermittler das Land, in dem die Waffen gekauft wurden, nicht. Der 18 Jahre alte Amokläufer sei bisher nicht polizeilich erfasst. Er habe auch keinen Führerschein gehabt. „Das ist schon sehr außergewöhnlich, diese Sachlage“, sagte der Polizeipräsident.

Heidelberg: Motiv für Amoklauf noch unklar – Schütze kündigte seine Tat an

Die Ermittler machen noch keine Angaben zu einem möglichen Motiv für den Amoklauf an der Heidelberger Universität. Dafür sei es noch zu früh, sagte Andreas Herrgen, Leiter der Staatsanwaltschaft Heidelberg, am Montagabend in Mannheim. Es gebe noch keine belastbaren Informationen dazu. 

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Kurz vor dem Amoklauf in Heidelberg soll der Schütze seine Tat angekündigt haben. Nach Angaben der Polizei schickte er unmittelbar zuvor eine WhatsApp-Nachricht an „eine Person“. Er habe geschrieben, „dass Leute jetzt bestraft werden müssen“, sagte Siegfried Kollmar, Präsident des Polizeipräsidiums Mannheim, bei einer Pressekonferenz am Montagabend in Mannheim. In der Nachricht habe er sich außerdem eine Seebestattung gewünscht.  „Auch das werden wir noch verifizieren müssen, auch das werden wir noch nachvollziehen müssen“, betonte Kollmar. „Wir werden sein Umfeld jetzt durchleuchten in den nächsten Tagen, mit Hochdruck.“ Die Ermittler wollen alle seine Aufenthaltsorte und Gesprächspartner der vergangenen Tage überprüfen. 

Amoklauf in Heidelberg: Uni plant Trauerfeier

Die Heidelberger Universität bereitet eine Trauerfeier nach dem Amoklauf in einem Hörsaal vor. Genaue Pläne dazu konnte Rektor Bernhard Eitel am Montagabend noch nicht nennen. Die Hochschule überlege zudem, wie die Tat intern aufgearbeitet werden kann. Sie solle auf jeden Fall thematisiert werden. Beeindruckt zeigte sich Eitel sowohl von der schnellen Reaktion innerhalb der Universität als auch davon, wie rasch die Polizei nach Eingang des Alarms an der Einrichtung war. Das sei sehr gut gelaufen. Den ganzen Tag erreichten ihn Bekundungen von Wissenschaftlern aus ganz Europa, die das Geschehen in Heidelberg verfolgten und Hilfe anböten. Gefühlt handle es sich auch um einen Angriff auf die Offenheit der Hochschulen und die akademische Tradition, so Eitel.

Hinweis: Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen, damit solche Fälle mögliche Nachahmer nicht ermutigen. Eine Berichterstattung findet nur dann statt, wenn die Umstände eine besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Du oder eine Dir bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leidet, kontaktiere bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. (pol/dpa/dh)

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