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Amoklauf in Heidelberg: War Täter (†18) Mitglied des „III. Weg“? Das sagt die Partei

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Von: Daniel Hagen

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Heidelberg - Nach dem Amoklauf an der Uni hat die Ermittlungsgruppe „Botanik“ bereits neue Erkenntnisse gewinnen können. So soll Nikolai G. Mitglied einer rechten Partei gewesen sein.

Update vom 27. Januar, 15:30 Uhr: War Nikolai G., der mutmaßliche Amokläufer von Heidelberg, rechtsextrem? Dieser Frage gehen die Ermittler der Gruppe „Botanik“ derzeit nach. Der Grund für diese Spekulation ist ein Hinweis darauf, dass der 18-Jährige einst Mitglied der rechtsextremen Partei „Der III. Weg“ gewesen sein soll. Dem widerspricht die Partei auf Telegram jedoch vehement. Demnach habe der Student im September 2019 einen nicht unterschriebenen Fördermitgliedsantrag an deren Postfach geschickt, hätte unter den angegebenen Kontaktdaten aber nicht erreicht werden können. Daraufhin sei der Antrag des damals 16-Jährigen einen Monat später abgelehnt worden. „Weder gingen Zahlungen vom damals 16-Jährigen ein, noch war er zu irgendeiner Zeit Fördermitglied oder gar Mitglied unserer Partei“, schreibt „Der III. Weg“.

Die Partei äußert sich zudem dazu, dass die „Tintenritter“ und „linksgrünen Schreiberlinge“ den Amoklauf jetzt politisch aufladen wollen, wobei die Tat doch unpolitisch gewesen sei. Doch wenn ein mutmaßlicher Amokläufer zwar nicht einer rechtsextremen Partei angehört, diese aber finanziell unterstützen möchte, ist das dann nicht ein Hinweis auf dessen Gesinnung? Auch die Polizei geht derzeit davon aus, dass es sich nicht um eine politisch motivierte Tat handele – was die scheinbar rechte Gesinnung des 18-Jährigen aber nicht wettmacht.

Amoklauf in Heidelberg: War Täter (†18) rechtsextrem? Dritte Waffe gefunden

Erstmeldung: Seit dem Amoklauf in Heidelberg mit zwei Toten und drei Verletzten ermitteln die Beamten der Ermittlungsgruppe „Botanik“ auf Hochtouren. Viele Fragen zum Tatmotiv und der Auswahl der Opfer sind noch offen. Auf andere Rätsel haben die Polizisten aber schon Antworten gefunden. Dabei geht es um die Herkunft der beiden Waffen und der rund 100 Schuss Munition, wie der 18-Jährige mutmaßliche Täter zum Campus gelangt ist und ob er dem rechten Spektrum zuzuordnen ist. Darüber informiert die Staatsanwaltschaft Heidelberg:

So soll der 18-Jährige die beiden Langwaffen, mit denen er am Montag (24. Januar) in einen Lehrsaal der Universität Heidelberg stürmt, in Österreich gekauft haben. Zudem haben die Ermittler herausgefunden, dass er sogar noch eine dritte Waffe gekauft hat, bei der es sich um eine Büchse handelt. Die Staatsanwaltschaft ergänzt außerdem, dass der mutmaßliche Amokläufer rund 150 Schuss Munition in einem Rucksack bei sich getragen hat.

StadtHeidelberg (Baden-Württemberg)
Bevölkerung161.485 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche108,84 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Heidelberg: Mutmaßlicher Amokläufer hat drei Waffen in Österreich gekauft

Die beim Amoklauf getragene Doppelflinte und die Repertierwaffe soll der 18-Jährige bei einem Waffenhändler gekauft haben. Die dritte Waffe, die in einem von ihm angemieteten Zimmer in Österreich gefunden wird, soll von einer Privatperson stammen. Aktuell wird geprüft, ob sich die verkaufenden Personen strafbar gemacht haben, da der mutmaßliche Amokläufer wohl keinen Waffenschein besitzt. Die Prüfung dieser Frage gestaltet sich aber aufgrund der verschiedenen Regeln von Deutschland und Österreich als schwierig.

Polizisten untersuchen eine Waffe am Gelände der Heidelberger Universität, wo es einen Amoklauf gegeben.
Die beiden Waffen soll der mutmaßliche Amokläufer in Österreich gekauft haben. © Sebastian Gollnow/picture alliance/dpa

Die Ermittler haben in der Wohnungen des 18-Jährigen in Mannheim mehrere Mobiltelefone, Laptops und ein Tablet sichergestellt, die nun ausgewertet werden. Aktuell gebe es noch keine Hinweise darauf, dass der mutmaßliche Amokläufer eine persönliche Beziehung zu seinen Opfern hatte. Es sind jedoch Behauptungen aufgetaucht, dass der Verdächtige früher Mitglied der rechtsextremen Partei „Der III Weg“ gewesen ist, im Jahr 2019 aber bereits wieder ausgetreten ist.

Heidelberg: War mutmaßlicher Amokläufer psychisch krank?

Die Daten aus seinen elektronischen Geräten geben laut Staatsanwaltschaft aber noch keine Hinweise darauf, dass sich der 18-Jährige radikalisiert oder Kontakte ins rechte Spektrum hat. Es wird aber auch ermittelt, ob die im Raum stehende psychische Erkrankung etwas mit dem Amoklauf zu tun hat. Das genaue Tatmotiv bleibt aber weiterhin unklar. Bislang ist auch noch nicht viel über den Studenten bekannt.

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Eine weitere bislang ungeklärte Frage ist, wie der 18-Jährige mit den beiden Waffen und der Munition auf den Campus gekommen ist. Das ist nun wohl geklärt. Der mutmaßliche Täter soll mit einem Taxi von Mannheim ins Neuenheimer Feld gefahren sein. Dabei habe er die Tasche im Kofferraum des Wagens gelagert. Die Ermittlungen der Gruppe „Botanik“ der Kriminalpolizei Heidelberg gehen weiter. Die Tat soll sogar rekonstruiert werden. Zudem werde auch gegen die Ersteller von Fake-News im Rahmen der Tat ermittelt. (pol/dh)

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