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Bahn-Streik in Heidelberg: „Buche nie wieder Bahn-Ticket“ –Pendler und Reisende stinksauer

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Von: Peter Kiefer

Heidelberg – Der Bahn-Streik der Lokführer sorgt für Stillstand in Deutschland. Auch am Heidelberger Hauptbahnhof sind unzählige Züge nicht planmäßig gefahren:

Der bundesweite Bahnstreik hat auch den Südwesten und Heidelberg fest im Griff. Verspätungen oder gar Zugausfälle treffen Pendler und Reisende gleichermaßen. Seit Mittwochfrüh (11. August) um Punkt 2 Uhr sind die in der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) organisierten Lokführer in einen 48-stündigen Streik im Personenverkehr getreten – im Güterverkehr bereits seit Dienstagabend (19 Uhr). Im Fernverkehr sind laut Bahn nur rund 25 Prozent der Züge unterwegs. Heißt im Umkehrschluss: Satte 75 Prozent fahren nicht! Massive Einschränkungen auch im Regionalverkehr.

Auch am Heidelberger Hauptbahnhof hat es morgens um 6 Uhr viele lange Gesichter und genervte Bahn-Kunden gegeben. Nervös blicken sie auf die digitale Anzeigentafel oder ihre Bahn-App: Fährt mein Zug oder fährt er nicht? Wie komme ich zur Arbeit? Da dürfte die Beschwichtigung von GDL und Bahn nur wenig zur Beruhigung beitragen, dass der Ersatzfahrplan „stabil angelaufen“ sei.

StadtHeidelberg
BundeslandBaden-Württemberg
Einwohnerzahl161.485 (Stand: 31. Dez. 2019)
Fläche108,84 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

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Hauptbahnhof Heidelberg: Bahn-Streik trifft auch Passagiere im Südwesten

HEIDELBERG24 hat sich bei Betroffenen am Hauptbahnhof umgehört. Nicht selten hat man dort Menschen vom einen zum anderen Bahngleis rennen gesehen, weil Züge zusammengelegt worden sind und plötzlich woanders abfahren. Quasi im Minutentakt dröhnt der Ausfall einer weiteren S-Bahn durch die Lautsprecher.

So schildert Berufspendler Alexander: „Ich möchte nach St. Ilgen zur Arbeit und hätte eigentlich um 4:19 Uhr los müssen. Bis nach Heidelberg hab ich es ganz gut geschafft, aber jetzt steh ich hier 40 Minuten wegen einem Anschlusszug nur für zwei Stationen. Ich bin wütend! Man kann zwar streiken, aber nicht zum Nachteil anderer. Man hätte das friedlich am Verhandlungstisch ausmachen können, nicht zum Nachteil anderer.

Pendler Heiko Steinmetz: „Streiken an sich ist okay, dennoch sollte man den Pendlern ein paar Züge zur Verfügung stellen. Die müssen auch irgendwie zur Arbeit kommen. Ich hab um 8 Uhr ein Laden aufzumachen, da fragt auch keiner danach, wie ich da hin komme. Jetzt muss ich schauen, wie ich nach Neckargemünd komme. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ein Zug nach Neckargemünd fährt. Ich könnte zwar mit dem Taxi fahren, aber das sind Kosten, die man eigentlich vermeiden möchte.

Bahn-Passagiere am 11. August morgens um 6 Uhr trotz Bahn-Streik unterwegs am Heidelberger Hauptbahnhof.
Bahn-Passagiere am 11. August morgens um 6 Uhr trotz Bahn-Streik unterwegs am Heidelberger Hauptbahnhof. © Julian Buchner/Einsatz-Report24

Richtig sauer ist dagegen Gabi Bender: „Ich wollte heute zum ersten mal in Kur fahren mit dem Zug – und habe es bitter bereut. Ich werde nie wieder ein Ticket bei der Bahn buchen! Ich kann meine Reha nicht beginnen, da mein Zug hier ausfällt. Ich bin enttäuscht von der Bahn: Eigentlich sollte Bahnfahren eine Entlastung sein statt Autofahren. Ich wurde nicht rechtzeitig informiert. Hätte ich das gewusst, wäre ich mit dem Auto gefahren. Ich weiß nicht, wie es jetzt weitergeht.“

Einen unfreiwillig langen Aufenthalt muss auch Passagier Stefan Hirsch hinnehmen: „Wir wollten gestern von Mannheim zurückfahren, dann ist unser Zug hier in Heidelberg gestrandet. Wir sind seitdem hier und es passiert nix. Man bleibt über Nacht auf einem Bahnhof, aber will ja eigentlich nur nach Hause. Ich erwarte bei sowas mindestens ein Taxischein. Ich warte schon seit fünf Stunden – es ist einfach nur ärgerlich!

Bahn-Streik in Deutschland: Bahn trifft auch Passagiere im Südwesten

Die Bahn hat Fahrgäste gebeten, nicht zwingend notwendige Reisen zu verschieben. Wegen des Coronavirus rief sie auch zu Rücksichtnahme in den Zügen auf. Der Ausstand trifft die Fahrgäste mitten in der reisestarken Urlaubszeit: In elf der 16 Bundesländer sind derzeit Schulferien – auch in Baden-Württemberg noch bis zum 11. September. Betroffen sind auch grenzüberschreitende Verbindungen und der Nachtreiseverkehr.

Ein Mann im Heidelberger Hauptbahnhof im Gespräch mit einem Lokführer.
Ein Mann im Heidelberger Hauptbahnhof im Gespräch mit einem Lokführer. © Julian Buchner/Einsatz-Report24

Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn. Allerdings sind auch bei ihnen Einschränkungen in Folge der Streiks möglich. Wie viele Züge nicht fahren werden, war zunächst unklar. Nach Angaben der Südwest-GDL vom Dienstag wird die Ausfallquote in Baden-Württemberg aber recht hoch sein. Nach dem Streik-Start zeigt sich die GDL zufrieden mit der Zahl der Beteiligten. „Der Streik ist sauber angelaufen. Es gibt kaum GDL-Mitglieder, die trotz des Streiks unterwegs sind“, so Jens-Peter Lück, der stellvertretende Vorsitzende des GDL-Bezirks Süd-West, gegenüber der dpa.

Bahn-Streik: Darum stehen Hunderte Züge im Fern-, Regional- und Güterverkehr still

Hintergrund des Bahn-Streiks: Die GDL-Mitglieder streiken für höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Dahinter schwelt in der Belegschaft auch ein Streit zwischen GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG darum, wer letztlich die Tarifverträge mit dem Unternehmen maßgeblich aushandelt. Anders als die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will die GDL in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern akzeptieren. Sie verlangt deshalb unter anderem eine Corona-Prämie von 600 Euro und 3,2 Prozent mehr Geld in zwei Stufen.

Blick auf die Anzeigentafel im Heidelberger Hauptbahnhof: Viele Züge fallen wegen des Bahnstreiks aus.
Blick auf die Anzeigentafel im Heidelberger Hauptbahnhof: Viele Züge fallen wegen des Bahnstreiks aus. © Julian Buchner/Einsatz-Report24

Wegen Milliardenverlusten in der Pandemie will die Bahn hingegen die Erhöhung auf spätere Stufenzeitpunkte verteilen, bei einer
Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kämen Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.
Es ist der erste Streik bei der Bahn seit Dezember 2018, als die EVG ihre Mitglieder zum Arbeitskampf aufrief. Die GDL legte zuletzt vor sechs Jahren die Arbeit nieder. (dpa/pek)

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