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Buhrufe, Lacher, viele Emotionen: Alle OB-Kandidaten treffen vor der Wahl in Heidelberg aufeinander

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Von: Pauline Wyderka

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Heidelberg – Am 27. Oktober stellen sich die Kandidaten für die OB-Wahl am 6. November 2022 in einer großen Runde vor. Ein Abend voller Buhrufe, Lacher und Emotionen.

Die Wahl zum Oberbürgermeister von Heidelberg rückt in großen Schritten näher. Am Abend des 27. Oktobers stellen sich die neun Anwärter auf den Posten in einem groß angelegten Event im SNP Dome vor. Bei Brezeln und Wasser wird über drei Stunden von den großen Problemen der Universitätsstadt geredet – aber auch über Zeppeline und den zugefrorenen Neckar. Zwischendrin kochen große Emotionen hoch.

OB-Wahl in Heidelberg: Im SNP Dome läuft das große Aufeinandertreffen nach striktem Programm ab

Der ganze Stolz, oder wie es der amtierende Oberbürgermeister nennt, die „Schmuckstube“ von Heidelberg: Der SNP Dome. Bis zu 5.000 Plätze bietet der riesige Neubau. Also genug, um die Menge an Menschen, die an diesem Abend erscheint, geradezu klein und verloren wirken zu lassen. Der SWR schreibt, dass immerhin rund 400 Menschen anwesend sind. 500 verfolgen die Veranstaltung zudem im Live-Stream.

Der Abend ist nach einem strengen Prozedere durchgeplant. In der ersten Runde stellt sich jeder Kandidat zehn Minuten lang vor. Im Anschluss werden Fragen aus dem Publikum beantwortet. Um Zeit zu sparen geschieht das in diesem Jahr per Zettel, statt per Mikrofon. Insgesamt fünf Fragen, die an alle Kandidaten gerichtet sind, werden durchgegangen. Schließlich beantwortet jeder Kandidat noch einmal eine direkt an ihn gerichtete Frage.

Kernthemen der OB-Wahl in Heidelberg: Verkehr, Wohnen, Klima

Über die großen Herausforderungen der Stadt Heidelberg sind sich die meisten einig: Verkehrswende, Wohnraum, Klimawandel. Das große Thema des Abends: Räume schaffen. Für bezahlbares Wohnen, für vulnerable Gruppen, für die Jugend. Dabei wird viel wiederholt und beigepflichtet. Heidelberg sei eine wunderschöne Stadt mit viel Potenzial. Es brauche jedoch weniger Autos, mehr bezahlbares Wohnen und Sanieren geht über Planieren.

Spannend wird es in den Details, in denen sich die Kandidaten ganz und gar nicht einig sind. HEIDELBERG24 hat den OB-Kandidaten im Vorfeld übrigens sechs Fragen zu den Themen Verkehr, Wohnen und Klima gestellt, ausführliche Antworten kann man also auch hier nachlesen.

Die OB-Kandidaten 2022 auf der Bühne erheben sich zum Abschluss von ihren Stühlen
IMG_0066 Kopie.jpeg © Pauline Wyderka/HEADLINE24

Die OB-Kandidaten für Heidelberg stellen sich vor: Von Satire bis Herzensangelegenheiten

Den Anfang macht der Kandidat für Die Partei, Björn Leuzinger. Der Satire-Politiker redet von Zeppelinen und Bierpreisbremsen. Doch Leuzinger ist nicht der einzige an dem Abend, der Bier als Wahlkampfthema hat. Auch das Unikat Mathias Schmitz möchte sich für eine Bierflatrate in Kneipen einsetzen. Vielleicht hat der parteilose Kandidat deshalb so viele junge Fans, die sich im Anschluss an die Veranstaltung für ein Selfie mit ihm anstellen. Alle Kandidaten im Überblick:

Linken-Kandidat Bernd Zieger liegt vor allem sozialer Wohnraum am Herzen. Heidelberg sei eine Stadt der Reichen und brauche dringend mehr städtische Wohnungen, sichere Räume für vulnerable Gruppen und Förderung für nichtkommerzielle Kultur. Auch Theresia Bauer von den Grünen beklagt, dass sich das Leben in Heidelberg zu wenig an „normale Menschen“ richte und fordert mehr Mitbestimmung. „Normal“, sind ihr zufolge die, die sich das Wohnen in Heidelberg kaum noch leisten können.

Die OB-Kandidaten für Heidelberg stellen sich vor: Würzner wird persönlich

Neben Würzner und Bauer gehört auch Sören Michelsburg zu den Favoriten im Wahlkampf. Doch der SPD-Politiker sorgt gleich zum Einstieg für einen Lacher mit der Frage, wer zuletzt die SPD gewählt hat. Es gehen keine Hände hoch. Unbeirrt legt er los, um die Menschen dafür mit seinen Themen zu überzeugen: Bezahlbares Wohnen, eine barrierefreie Innenstadt, mehr Sportflächen, eine Seilbahn ins Neuenheimer Feld. Es geht viel um aus- und neu bauen.

Gute Chancen rechnet sich der amtierende Oberbürgermeister Eckart Würzner aus. Mit seinem Einstieg „Sie kennen mich“ erntet auch er den ein oder anderen Lacher, doch er weiß, dass es stimmt. Er beruft sich auf Erfolge, die Heidelberg unter seiner Führung zu verzeichnen hat, nennt gute Bildungschancen, den Wärmebus, Seniorenunterkünfte. Er möchte sich aber auch für bezahlbaren Wohnraum einsetzen, beispielsweise durch Tiny-House-Konzepte.

Amtierender OB und Wahlkandidat Dr. Eckart Würzner am Podium
IMG_0048.jpeg © Pauline Wyderka/HEADLINE24

OB-Wahl in Heidelberg: Von Antipolitikerin bis Statement-Kandidat

Schließlich stellen sich noch die letzten drei im Bunde vor: Sofia Leser ist so ein bisschen die Antipolitikerin der Runde. Wie Würzner ist sie parteilos und will eigentlich gar nicht politisch sein, doch sieht sie sich dazu gezwungen. Sie ist wütend und gegen vieles, aber vor allem für mehr Transparenz. Alina Papagiannaki-Sönmez spricht sich als Tausendsassa, der von Handwerker bis Lehrer alles gemacht hat, für mehr Mitbestimmung der Bürger aus. Ihr liegt die Expertise der vielen am Herzen.

Der parteilose Sassan Khajehali betont, dass er keine Chance im Rennen hat und nur antritt, um ein Statement abzugeben. Er ist überzeugt, dass sowieso einer der Favoriten gewinnt. Mit einem denkwürdigen Spruch kritisiert er, dass Heidelberg nicht international genug sei: „In Heidelberg haben wir so viele Schlösser, wir brauchen was Internationales!“

OB-Wahl in Heidelberg: Buhrufe für Bauer, Würzner stinksauer

Der emotionale Höhepunkt dürfte sein, als es um die zukünftige Nutzung des Patrick-Henry-Village geht und Grünen-Kandidatin Theresia Bauer dem amtierenden Oberbürgermeister Eckart Würzner vorwirft, dieser habe kein Interesse, die leerstehenden Räume sinnvoll zu nutzen. Zwischen Pfiffen, Buh- und Pfui-Rufen kann sie ihren Satz kaum beenden. Die in Würzner-T-Shirts gekleidete Gruppe im Saal wird besonders laut.

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Doch auch der „Faule Pelz“ ist ein geladenes Thema. Im anhaltenden Streit um die Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes stellt sich Heidelberg weiterhin gegen die Baufreigabe des „Faulen Pelzes“. Das Land möchte das leerstehende Gefängnis zukünftig für suchtkranke Straftäter verwenden, die Stadt hat andere Pläne. OB Würzner zeigt sich „stinksauer“ über die Entscheidung des Landes über die Heidelberger Köpfe hinweg.

Hier gibt es die Vorstellung der OB-Kandidaten in Heidelberg im Stream:

OB-Wahl in Heidelberg: Am 6. November ist es so weit

So geladen die Stimmung im Saal teilweise ist, liegt die Beteiligung an den letzten OB-Wahlen in Heidelberg zwischen 20 und 46 Prozent – nicht besonders hoch. Inwiefern sich das politische Klima in den Jahren seit der letzten Wahl 2014 verändert hat, bleibt abzuwarten. Am 6. November 2022 ist es schließlich so weit: Es bleiben nur noch wenige Tage, sich alle Infos zu den Kandidaten, Terminen und dem Ablauf einzuholen. (paw)

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