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Betriebshof-Neubau: RNV über vertagte Entscheidung enttäuscht

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Von: Florian Römer

Der Betriebshof in der Bergheimer Straße (Archivfoto)
Der Betriebshof in der Bergheimer Straße (Archivfoto) © HEIDELBERG24/Florian Römer

Heidelberg - Eigentlich sollte der Gemeinderat am Donnerstag die Planungen für den Neubau des RNV-Betriebshofs in Bergheim bestätigen. Die Entscheidung wurde in den Sommer verschoben:

Update vom 7. Mai, 9:30 Uhr: Das Thema Betriebshof wird den Heidelberger Gemeinderat noch mindestens bis zur Sommerpause beschäftigen. Am Donnerstag (6. Mai) stimmte das Gremium mit 29 Stimmen für eine Vertagung der Entscheidung. CDU, Grüne und „Heidelberger“ hatten beantragt, den Tagesordnungspunkt auf die Gemeinderatssitzung am 22. Juli zu verschieben. Bis dahin wolle man das Eternit-Areal in Rohrbach-Süd als mögliche dezentrale Abstellanlage prüfen.

StadtHeidelberg
Einwohner160.355 (2019)
OberbürgermeisterDr. Eckart Würzner (parteilos)
SehenswürdigkeitenSchloss, Alte Brücke, Ruprecht-Karls-Universität

Zudem will man einen „Workshop“ initiieren, in dem Vertreter der betroffenen Stadtteile, der Verwaltung, der RNV, des Gemeinderats und externe Experten eine „einvernehmliche Lösung“ in der Betriebshof-Frage finden sollen. „So wollen wir eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für dieses zukunftsträchtige Projekt bekommen“, erklärt Grünen-Fraktionschef Derek Cofie-Nunoo. Wolfgang Lachenauer (Heidelberger) ergänzt: „Die anstehende Entscheidung hat für die nächsten 30 oder 40 Jahre Bestand, da kommt es auf Wochen und Monate nicht mehr an ‒ auch wenn es die RNV zu Recht eilig hat.“ Es sei wichtig eine Lösung zu finden, die man auch gegen Widerstände durchsetzen könne.

Betriebshof: RNV über Vertagung enttäuscht

Erwartungsgemäß zeigt man sich bei der RNV über den erneuten Entscheidungs-Aufschub wenig erfreut: „Wir haben uns von der Sitzung am heutigen Abend endlich Klarheit erhofft und sind daher enttäuscht von der erneuten Vertagung“, so Martin in der Beek, Technischer Geschäftsführer der RNV. „Aber wir nehmen den Gemeinderat beim Wort und vertrauen darauf, dass bis zur politischen Sommerpause endlich eine verbindliche Planungsgrundlage für den ÖPNV in Heidelberg geschaffen wird.“ Die erneuten Prüfungsaufträge würden die Situation komplizierter machen, so in der Beek. Einen echten Bürgerdialog für bis Juli bezeichnet er als „Herkulesaufgabe“, der sich die RNV aber stellen werde.

Blick auf den maroden RNV-Betriebshof in der Bergheimer Straße in Heidelberg. Er soll am Altstandort neu gebaut werden.
Blick auf den RNV-Betriebshof in Heidelberg. © HEIDELBERG24/Florian Römer

In der Beek betonte erneut, dass sein Unternehmen unter „immensem Zeitdruck“ stehe: Neue Bahnen seien bereits bestellt, ein „leistungsfähiger und zeitgemäßer Betriebshof“ sei aber immer noch nicht in Sicht. „Wir haben bereits starke Verspätung. Wir alle - Politik, Verwaltung und rnv - müssen uns ranhalten, sonst verpassen wir den Anschluss komplett.“ Um Innenstädte und das Klima zu entlasten, müsste man Bürgern ein entsprechendes Angebot machen, das sie zum Umstieg auf Bus und Bahn bewege. Das sei in Heidelberg auf absehbare Zeit nicht möglich, so in der Beek.

Betriebshof Heidelberg: Sind zwei Depots in Bergheim und Rohrbach-Süd die Lösung?

Erstmeldung vom 5. Mai: Wann wird dieses Thema in Heidelberg endgültig entschieden? 2019 stimmte der Gemeinderat für einen Neubau des Betriebshofs am Altstandort in der Bergheimer Straße. Seither konkretisieren Stadt Heidelberg und RNV die Planungen, schließlich soll das Projekt Aspekte des „Zukunftskonzepts Bergheim“ beinhalten: bezahlbares Wohnen, ein begehbarer Park auf dem Dach, und möglichst die Einbindung des Kreativwirtschaftszentrums Dezernat 16. Über die Planung soll der Gemeinderat am Donnerstag (6. Mai, 16 Uhr) abstimmen. Gleichzeitig soll das Stadtparlament die Abstellung weiterer Fahrzeuge in Rohrbach-Süd oder Wieblingen beschließen, da der Platz in Bergheim nicht für alle Straßenbahnen und Busse ausreicht.

Betriebshof Heidelberg: CDU schlägt neuen Standort vor

Vielleicht beginnt die Standort-Suche für den Betriebshof Heidelberg jetzt aber nochmal von Neuem. Die CDU-Fraktion wird einen Antrag einbringen, der eine Verlegung an einen Standort vorschlägt, den bislang niemand auf dem Zettel hatte: die Eternit-Hallen in Rohrbach-Süd. CDU-Stadtrat Alexander Föhr begründet das Vorgehen seiner Fraktion mit „Mängeln“ der vorliegenden Pläne: „In Bergheim wäre die geplante Bebauung so massiv, dass eine qualitätsvolle Stadtentwicklung verhindert wird. Gleichzeitig gibt es gegen die Ausweichflächen in Rohrbach und Wieblingen ökologische Bedenken, die wir ernst nehmen.“ In Bergheim-West sei eine echte städtebauliche Perspektive wichtig, so Föhr.

Deshalb wollen die Christdemokraten prüfen, ob zwei kleinere Betriebshöfe in Bergheim und in den Eternit-Hallen nicht „die beste Lösung für einen leistungsstarken Nahverkehr, die Stadtentwicklung in Heidelberg und die gesamte Region ist“. Die Standortentscheidung soll bis vor die Sommerpause verschoben werden, um eine erste gemeinsame Prüfung mit der Nachbargemeinde Leimen durchzuführen. Auf dem ehemaligen Eternitwerk seien bereits Hallen, die eventuell genutzt werden könnten, ergänzt Jan Gradel, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Gemeinderat. Zudem gebe es genügend Unterstellmöglichkeiten. „Auch aus verkehrstechnischen Gründen hat der Standort mit seiner Nähe zur S-Bahn Trasse und bei einer möglichen Erweiterung der Straßenbahntrasse in Richtung Walldorf/Wiesloch großes Potenzial“, so Gradel weiter.

Betriebshof Heidelberg: Beginnt die Standortsuche jetzt neu?

Der Vorstoß der CDU könnte für eine unerwartete Wendung im Gemeinderat sorgen. Auch die Grünen halten den Standort Bergheim nicht für ideal, immerhin habe er nicht die erforderlichen Kapazitäten. Für weitere Abstellplätze müssten Grünflächen in Rohrbach-Süd oder Wieblingen versiegelt werden. Zudem stehe der Betriebshof-Neubau dem Wohnungsbau in Bergheim entgegen. Mit den „Heidelbergern“ spricht sich eine weitere Partei im Stadtgremium für eine Vertagung der Entscheidung aus. Da die drei Fraktionen theoretisch genügend Stimmen für eine Vertagung haben, könnte die Suche nach einem Standort für den RNV-Betriebshof in Heidelberg also bald von vorn losgehen. (rmx)

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