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Weniger Krebs-Diagnosen im Jahr 2020 – der alarmierende Grund laut Heidelberger DKFZ

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Von: Peter Kiefer

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Heidelberg - Die Zahl der Krebsdiagnosen ist im Jahr 2020 deutlich zurückgegangen. Doch das ist laut Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) alles andere als ein Grund zur Freude:

Und wieder einmal erbringt eine Studie den alarmierenden Beweis, dass es nicht nur das tückische wie hartnäckige Coronavirus gibt – auch wenn alle Welt nur noch darüber zu reden scheint. Der Hintergrund: Die Zahl der Krebsneuerkrankungen hat nach Angaben des Krebsregisters Baden-Württemberg 2020 um 7 Prozent unter dem Durchschnitt der beiden Vorjahre gelegen. Doch dies ist mitnichten ein Anlass zur Freude – ganz im Gegenteil!

Zahl der Krebs-Diagnosen im Jahr 2020 um 7 Prozent gesunken

„Wir haben bereits mit dem Beginn des Lockdowns im Frühjahr 2020 davor gewarnt, dass sich aufgrund der ausgesetzten Abklärungs- und Früherkennungsuntersuchungen eine Bugwelle an spät diagnostizierten Krebserkrankungen aufbaut“, mahnt Michael Baumann, der Chef des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg.

Diese Befürchtung scheinen die Zahlen nun zu bestätigen. Schlussfolgerung sei, dass Krebsregister viel schneller funktionieren müssten, damit man solchen Entwicklungen in Zukunft rechtzeitig Paroli bieten könne. Das Register sammelt Daten über das Auftreten und den Verlauf von Krebserkrankungen für die Forschung.

Das renommierte Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. (Archivfoto)
Das DKFZ in Heidelberg © HEIDELBERG24/Peter Kiefer

Krebsregister Baden-Württemberg: Fallzahlen bei Lungenkrebs nicht rückläufig

Die Inzidenz für Krebs lag laut Register im Jahr 2020 bei 524 pro 100.000 Einwohnern – ein Rückgang von 7 Prozent. Dieser Rückgang war besonders stark im April 2020: Hier wurden pro 100.000 Einwohner pro Jahr 151 Krebserkrankungen weniger diagnostiziert als in den Jahren davor.

Dieses Muster fand sich bei Frauen wie bei Männern sowie auch bei drei der vier häufigsten Krebsarten (Brust-, Darm- und Prostatakrebs). Nur die Zahlen bei Lungenkrebs gingen nicht zurück.

DKFZ in Heidelberg: Mehr Krebs-Tote in den nächsten Jahren

Der allgemeine Rückgang wurde bis Jahresende 2020 nicht wieder ausgeglichen. Die Autoren des Krebsregisters prognostizierten, dass in den nächsten Jahren mehr Menschen an Krebs sterben. Als Ursachen für die Entwicklung nannte Baumann zum einen die
Überlastung der Kliniken und anderer medizinischer Einrichtungen. Zum anderen hätten viele Menschen aus Sorge vor einer Corona-Ansteckung die Früherkennungsuntersuchungen gemieden.

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In Relation zur Einwohnerzahl sterben in Baden-Württemberg bundesweit die wenigsten Menschen an Krebs. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) gab es im Südwesten im Jahr 2020 bezogen auf 100.000 Einwohner rund 223 Sterbefälle aufgrund von Krebserkrankungen. Das ist im bundesweiten Vergleich der niedrigste Wert vor Bayern mit 233. Der Bundesdurchschnitt liegt laut TK bei 252 Todesfällen. (pek mit dpa)

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