Immer mehr Intensiv-Patienten

Heidelberg: Ärzte-Apell – schwere Corona-Verläufe „extremer Aufwand für das ganze System“

Heidelberg - Die Corona-Pandemie hat Deutschland und Heidelberg fest im Griff. Heidelberger Mediziner appellieren erneut, sich an die bestehenden Corona-Regeln zu halten:

  • Das Coronavirus breitet sich auch in Heidelberg und Umgebung weiter aus.
  • Immer mehr Covid-Patienten müssen auf Intensivstationen behandelt werden.
  • In Videos erklären Heidelberger Mediziner wieso die Corona-Regeln wichtig sind:

Seit einem dreiviertel Jahr grassiert das Coronavirus auf der Welt. Auch in Heidelberg stecken sich Menschen mit der neuartigen Lungenkrankheit an. Nach einem relativ ruhigen Sommer gehen die Infektionszahlen in der Universitätsstadt in den vergangenen Wochen und Monaten wieder nach oben. Die Zahl der Patienten mit schweren Verläufen steigt, Intensivbetten werden in manchen Städten schon knapp.

Der „Lockdown light“ hat die Infektionszahlen jetzt auf einem höheren Niveau eingefroren. Bei vielen Bürgern schwindet mittlerweile dennoch die Akzeptanz für Schließungen von Gastronomie und Freizeiteinrichtungen, strenge Auflagen und Kontaktbeschränkungen. Dabei gibt es aus Sicht vieler Mediziner gute Gründe für die Maßnahmen.

Corona: YouTube-Videos in sechs Sprachen

Auf ihrem Youtube-Kanal hat die Stadt Heidelberg jetzt mehrere Interviews mit Ärzten zum Thema Coronavirus veröffentlicht. Sie beantworten Fragen wie: Wie schützt man sich und seine Familie vor einer Ansteckung? Wieso ist es wichtig, sich an die Corona- und AHA-Regeln zu halten, auch wenn man nicht zur Risikogruppe gehört? Wie erleben Heidelberger Ärzte das Coronavirus an ihren Patienten? Welche Auswirkungen haben schwere Krankheitsverläufe auf Patienten und Kliniken in Heidelberg?

StadtHeidelberg
Einwohner160.355 (2019)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner

Damit die Videos möglichst viele Bürger der internationalen Stadt Heidelberg erreichen, wurden sie auch auf Englisch, Türkisch, Russisch, Arabisch und Hindi geführt. Man habe gezielt nach Ärzten gesucht, die muttersprachlich in der betreffenden Sprache informieren können, sagt Stadtsprecher Tim Herre. Auf keinen Fall soll die Wahl der Sprache aber den Eindruck erwecken, dass Menschen aus der Gruppe sich weniger an die Corona-Regeln halten, bekräftigt Herre. Man habe sich schlicht daran orientiert, über welche Sprach-Communities man die meisten Menschen ansprechen könne. Vom Uniklinikum habe es bei der Suche nach den Medizinern, die sich für ein Interview zur Verfügung stellen wollen, „große Unterstützung“ gegeben, so Herre. Letztlich habe die Stadt eine große Auswahl an Kandidaten gehabt. Weitere Informationen zur Stadt Heidelberg gibt es auf unserer Themenseite.

Corona: Was die Krankheit so tückisch macht

Corona ist eine für die meisten unsichtbare Krankheit“, berichtet etwa Albertus Arends seine bisherigen Erfahrungen. Der Allgemeinmediziner hat eine Praxis in Neuenheim und ist mittlerweile auch Pandemiebeauftragter des Rhein-Neckar-Kreises. Die meisten jüngeren Patienten haben nach einer Covid-Infektion einen sehr milden Krankheitsverlauf, bilanziert Arends.

Erkrankte über 60 erleiden aber oft schwerere Verläufe und landen dann auch im Krankenhaus oder auf der Intensivstation. „Dennoch sind sie für die Gesellschaft meist unsichtbar“, sagt Arends. Da sich schwere Corona-Erkrankungen häufig in Alten- oder Pflegeheimen abspielen, sei die Krankheit für die Gesellschaft so schwierig einzuschätzen. Dennoch ist es „wichtig, sich selbst zu schützen“, findet der Allgemeinmediziner. Damit schütze man nicht nur seine Familie, Eltern oder Großeltern, sondern auch andere. Auch in Heidelberg gebe es bereits eine Knappheit an Krankenhausbetten. Die Situation an den Kliniken beschreibt Arends in der englischen Version des Interviews als „kritisch“. Man müsse alles daran setzen, dass weiterhin alle Patienten behandelt werden könnten, nicht nur Corona-Patienten.

Corona: Schwere Verläufe „extremer Aufwand für das ganze System“

Ein konkreten Einblick in schwere Covid-Verläufe gibt Kseniia Biriukova in ihrem Interview. Die Stationsärztin an der Thoraxklinik in Rohrbach sieht auf der Intensivstation „ganz andere Verläufe“. Viele Corona-Patienten müssten ins künstliche Koma versetzt werden, um beatmet werden zu können, berichtet Biriukova. Zu schlechten Lungenwerten kommen bei Covid-Patienten oft auch Kreislaufprobleme, Nierenschäden, Beeinträchtigung des Nervensystems oder die Gefahr von Thrombosen. Oft sind die Patienten so immungeschwächt, dass weitere Infektionen den Krankheitsverlauf verschlimmern.

Kseniia Biriukova arbeitet als Stationsärztin auf einer Intensivstation der Thoraxklinik in Heidelberg.

Covid-19 erfordert eine komplexe, individuelle Therapie, sagt die Ärztin: „Eine schwere Erkrankung dauert oft mehrere Wochen bis Monate“, an deren Behandlung nicht nur Ärzte und Pfleger, sondern auch Atmungs- und Physiotherapeuten, Logopäden und weitere ärztliche Disziplinen beteiligt sind. Das sei ein „extremer Aufwand für das ganze System“. Biriukova appelliert an die Heidelberger Bürger sich an die Regeln zu halten, um die Zahl an Infektionen niedrig zu halten. Nur so könne gewährleistet werden, dass alle Patienten auch die maximale intensivmedizinische Betreuung bekommen. Das sei wegen Corona oft nicht mehr in vollem Umfang möglich. (rmx)

Rubriklistenbild: © Screenshot YouTube-Kanal Stadt Heidelberg

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