Inzidenz fällt wieder

Corona in Heidelberg: Ab jetzt gilt die „Notbremse“ – Ausbruchscluster im PHV

Heidelberg - Die Lage auf den Intensivstationen den Kliniken spitzt sich zu. Weil die Inzidenz tagelang über 100 liegt, gilt auch in Heidelberg ab heute die „Notbremse“:

  • In Heidelberg haben sich seit Beginn der Pandemie 4.717 Menschen (+19) mit dem Coronavirus infiziert. (Stand: 24. April, 3:09 Uhr, RKI)
  • Insgesamt 59 Menschen (+/-0) sind an oder mit Covid-19 gestorben. (Stand: 23. April, 3:09 Uhr, RKI)
  • Die 7-Tage-Inzidenz in Heidelberg beträgt 99,7. (Stand: 24. April, 3:09 Uhr, RKI)

Update vom 22. April, 11:35 Uhr: Nach drei Tagen Inzidenz über 100 hat die Stadt Heidelberg hat offiziell die „Notbremse“ gezogen. Ab Freitag (23. April) gelten in der Universitätsstadt am Neckar die verschärften Corona-Regeln des Landes. Auch wenn Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Donnerstag (22. April) ankündigte, die „Bundes-Notbremse“ umsetzen zu wollen, greifen in Heidelberg über das Wochenende wohl schärfere Regeln: Die Ausgangssperre gilt ab Freitag (23. April) zwischen 21 und 5 Uhr am Folgetag. Die Bundesregelung sieht Ausgangsbeschränkungen ab 22 Uhr vor, nächtliches Joggen oder Spazierengehen allein sollen aber bis Mitternacht erlaubt sein. Bis das Land seiner Corona-Verordnung an die Bundesregel anpasst, könnte es allerdings noch dauern. Ein Überblick über die geänderten Corona-Regeln in Heidelberg.

Der Anstieg der Inzidenz ist auch auf Ausbruchscluster im Ankunftszentrum im Patrick-Henry-Village (PHV) und bei mehreren Betrieben im Stadtgebiet zurückzuführen, teilt die Stadt mit. Demnach haben zwei Testreihen im PHV über 20 Positivbefunde ergeben. In einem Heidelberger Betrieb gebe es aktuell acht Infizierte, sagt ein Stadtsprecher gegenüber HEIDELBERG24. Die Zahl der Infizierten in anderen Betrieben sei hingegen „deutlich abnehmend“. Schulen und Kindergärten sind indes nur vereinzelt betroffen. (rmx)

Corona in Heidelberg: Stadt vor Notbremse – was jetzt gilt

Update vom 21. April, 18:44 Uhr: Die Stadt Heidelberg hat bei der 7-Tages-Inzidenz drei Tage in Folge den kritischen Wert von 100 überschritten. Das Gesundheitsamt Rhein-Neckar bestätigt die Überschreitung am Mittwochabend offiziell auf seiner Homepage und verkündet, dass die „Notbremse“ des Landes Baden-Württemberg ab Freitag (23. April) in Heidelberg greifen wird. Die Stadt wird nach einer Sitzung des Corona-Krisenstabes am Donnerstagmorgen über die weiteren Schritte informieren.

StadtHeidelberg
Einwohner 160.355 (2019, Eurostat)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Corona in Heidelberg: Situation an Uniklinik spitzt sich zu – Ausgangssperre droht

Erstmeldung vom 21. April, 11 Uhr: Angesichts der hohen Zahl von Covid-19-Patienten warnen Ärzte und Kliniken in ganz Deutschland vor einer Zuspitzung der Situation auf den Intensivstationen. „Wenn sich die Infektionslage in den nächsten Wochen nicht entspannt, werden viele Kliniken an den Punkt kommen, dass sie Operationen nicht nur um ein paar Wochen, sondern um Monate verschieben müssen“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gernot Gaß, den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Mittwoch (21. April). Auch am Universitätsklinikum Heidelberg drohen verschärfte Engpässe bei der Versorgung anderer Patienten. Dort hat sich der Anteil an Covid-19-Patienten auf Intensivstation und beatmungspflichtigen Patienten ebenfalls bedenklich erhöht.

Heidelberg: Neue Covid-Patienten liegen länger auf Intensivstation der Uniklinik

Gerade die sogenannte vulnerable Personengruppen, die besonders anfällig für einen schweren Covid-Krankheitsverlauf sind, sollten größtenteils bereits geimpft worden sein. Gleichzeit hat sich der Anteil an beatmungspflichtiger Covid-19-Patienten auf der Intensivstation der Uniklinik Heidelberg bedenklich erhöht.

Wie lässt sich dieser Widerspruch erklären? Laut Angaben der Uniklinik Heidelberg besteht der aktuelle Patientenzuwachs überwiegend aus Personen mit einem Alter bis 70 Jahren. „Diese Altersgruppen haben einerseits eine bessere Prognose für den Krankheitsverlauf im Falle einer schweren Erkrankung, jedoch verbleiben die betroffenen Patienten länger auf der Intensivstation und sind auch länger beatmungspflichtig“, erklärt Jens Neus, Mitarbeiter der Unternehmenskommunikation der Uniklinik. Das bedeutet im Klartext: Es werden weniger Todesfälle erwartet, aber zulasten anderer schwerkranker Patienten werden die Intensivstationen länger durch Covid-Patienten blockiert.

Heidelberg: Uniklinik muss einige Eingriffe wegen Covid-Patienten verschieben

Die Bereitstellung der notwendigen Intensivkapazitäten stellt damit auch langfristig eine zunehmende Herausforderung dar“, so Neus. Und so müssen bereits vereinzelt Eingriffe und Behandlungen verschoben werden, um den prognostizierten Bedarf an Intensivbetten für die kommende Zeit zur Verfügung zu stellen.

Im Rhein-Neckar-Kreis an den GRN-Klinken muss man diesen Schritt bislang nicht gehen. „Den bundesweiten Trend von Intensivstationen, die an ihre Kapazitätsgrenzen kommen, beobachten wir in den meisten unserer GRN-Kliniken aktuell glücklicherweise nicht“, sagt Frauke Sievers-Kretz, Pressesprecherin der GRN-Kliniken. 

Heidelberg: Nächtliche Ausgangssperre droht

Die verschärfte Lage auf der Intensivstation der Uniklinik Heidelberg steht im direkten Zusammenhang zu den steigenden Corona-Infektionszahlen: Bis vor wenigen Tagen hat Heidelberg eine für Baden-Württemberg verhältnismäßige niedrige 7-Tage-Inzidenz vorgewiesen. Doch mit den Lockerungen könnte bald Schluss sein: Bereits den zweiten Tag in Folge liegt der kritische Wert über der 100er-Marke. Sollte sich morgen daran nichts ändern, drohen den Bürger*innen durch die „Landes-Notbremse“ harte Einschnitte in ihrem täglichem Leben. Dazu gehört auch die unbeliebte nächtliche Ausgangssperre.

Heidelberg: Folgende Punkte beinhaltet die geänderte Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg

  • Treffen sind nur noch mit den Angehörigen des eigenen Haushalts und einer weiteren nicht zum Haushalt gehörenden Person erlaubt. (Kinder bis einschließlich 14 Jahre zählen dabei nicht mit)
  • Von 21 bis 5 Uhr gelten verpflichtende Ausgangsbeschränkungen. Die Wohnung oder Unterkunft darf nur in Ausnahmefällen verlassen werden.
  • Geschäfte mit Produkten für den täglichen Bedarf sind unter Berücksichtigung der Hygieneauflagen und einer verschärften Personenbeschränkung auf der Verkaufsfläche geöffnet.
  • Geschlossen sind Bau- und Raiffeisenmärkte. Gartenmärkte bleiben offen.
  • Sonstiger Einzelhandel darf weiterhin nur „Click & Collect“ anbieten. Lieferdienste bleiben möglich.
  • Museen, Galerien, zoologische und botanische Gärten sowie Gedenkstätten bleiben geschlossen.
  • Sport darf nach wie vor im Freien und geschlossenen Räumen nur noch kontaktlos alleine, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Haushalts ausgeübt werden. Auf weitläufigen Sportanlagen wie Golfplätzen oder Reitplätzen können auch mehrere Gruppen individualsportlich aktiv sein, wenn ausgeschlossen ist, dass sich die Gruppen untereinander begegnen.
  • Der Betrieb von Betrieben zur Erbringung körpernaher Dienstleistungen wie Kosmetik-, Nagel-, Massage-, Tattoo- und Piercingstudios sowie von kosmetischen Fußpflegen oder ähnlichen Einrichtungen bleibt untersagt, ebenso wie der Betrieb von Sonnenstudios.
  • Wer Friseurdienstleistungen wahrnehmen möchte, braucht ab Mittwoch, 21. April, den Nachweis eines tagesaktuellen negativen COVID-19-Schnelltests, einer Impfdokumentation oder eines Nachweises einer bestätigten Infektion. Kostenlose Bürgertests können hierfür verwendet werden.
  • Musik-, Kunst- und Jugendkunstschulen dürfen weiterhin nur Online-Unterricht anbieten.

Heidelberg: Das sieht die „Landes-Notbremse“ für Schulen und Kitas vor

  • Für alle Klassenstufen: Wechselunterrichtsmodelle plus Testpflicht. Beim Wechselunterricht muss gewährleistet sein, dass die Abstände eingehalten werden und sich die unterschiedlichen Lerngruppen nicht begegnen.
  • Inzidenzunabhängige Testpflicht für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte im Präsenzbetrieb.
  • In Stadt- und Landkreisen, in denen die 7-Tages-Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 200 liegt, muss am übernächsten Tag auf Fernunterricht umgestellt werden. Die Notbetreuung in den Jahrgangsstufen 1 bis 7 sowie die Abschlussklassen und die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) G und K sind hiervon weiterhin ausgenommen.
  • Die Testpflicht gilt auch für den Besuch der Notbetreuung.
  • Kitas, Kindergärten und Kindertagesbetreuungen dürfen in Stadt- und Landkreisen mit einer 7-Tage-Inzidenz über 200 nur noch Notbetreuung anbieten.

Die „Notbremse“ soll erst außer Kraft treten, wenn die 7-Tage-Inzidenz an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unter den Wert von 100 liegt. Auf müssen Lockerungen müssen die Bürgen dann weitere zwei Tage warten. Der Maßstab für inzidenzabhängige Maßnahmen sind ausschließlich die Daten des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg. (esk/PM)

Rubriklistenbild: © HEIDELBERG24/Celine Burmeister

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