In Rheinland-Pfalz

Corona-Impfstoff von CureVac: „Hundert Millionen Dosen bis Ende des Jahres“

Tübingen - Die Biotech-Firma CureVac arbeitet an einem Impfstoff gegen Corona. Dr. Friedrich von Bohlen und Halbach verspricht Millionen von Dosen bis Ende des Jahres.

  • CureVac aus Tübingen arbeitet an einem Impfstoff gegen das Coronavirus.
  • Mit 300 Millionen Euro steigt der Bund in das Bio-Tech-Unternehmen ein.
  • Jetzt wurden erste Tests des Corona-Impfstoffs an Freiwilligen zugelassen.
  • Tesla unterstützt CureVac mit speziellen Fabriken.

Update vom 5. Juli: „Es ist unser aller Bestreben, so schnell wie möglich Impfstoff für die Weltbevölkerung zur Verfügung zu stellen“, erklärt Dr. Friedrich von Bohlen und Halbach. Der studierte Biochemiker und Neffe von Alfried Krupp ist Mitgründer und Mit-Geschäftsführer von dievini und sitzt zusammen mit Dietmar Hopp im Aufsichtsrat von CureVac. Der 57-Jährige steht in einem YouTube-Video Prof.Dr.Felix Herth, Geschäftsführer der Thoraxklinik, Frage und Antwort. Natürlich geht es dabei auch um das Coronavirus und einen Impfstoff, an dem CureVac arbeitet.

Bislang seien die Beobachtungen an den Impfstoff-Kandidaten unauffällig, was Verträglichkeit und Sicherheit angehe. Spannender werde es laut Dr. Friedrich von Bohlen und Halbach aber erst in den Wirksamkeitsstudien. Erst dort könne man sehen, ob das Mittel auch vor dem Virus schützt. Im Anschluss würden zwei Aspekte eine Rolle spielen, wie lange der Impfstoff braucht, um auf der Welt in Einsatz zu kommen.

Corona-Impfstoff: Geschäftsführer rechnet mit Millionen von Impfdosen

Der erste Aspekt sei die Verfügbarkeit des Stoffes. „Da kann ich Ihnen heute sagen, dass wir Ende des Jahres mehrere hundert Millionen Dosen haben werden", sagt der Unternehmer dazu. Der andere Aspekt sei, ob die Behörden in Europa, Amerika und Asien diesen oder einen anderen Impfstoff für den Gebrauch an Patienten freigeben werden. Das hänge von Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit ab – aber auch groß der Druck auf die politischen Systeme ist, mit dieser Krankheit gesellschaftlich umzugehen.

Dr. Friedrich von Bohlen und Halbach beantwortet Fragen zu einem Impfstoff. (Screenshot)

Die Frage wann der Impfstoff tatsächlich freigegeben wird, ist nicht so sehr eine Frage der physikalischen Verfügbarkeit, die wird da sein, eher eine Frage, wie die Gesellschaft, vertreten durch die Politik, die Notwendigkeit sieht, einen Impfstoff früher oder später freizugeben", meint von Bohlen und Halbach.

Corona-Impfstoff: Tesla arbeitet mit CureVac zusammen – und baut spezielle Fabriken

Update vom 3. Juli: Ende Mai schickte Elon Musk noch eine bemannte Rakete seines Unternehmens SpaceX zur Raumstation ISS, heute arbeitet der Tesla-Chef an einem Impfstoff für das Coronavirus. Oder besser gesagt: er unterstützt das Biotech-Unternehmen CureVac aus Tübingen! Das erklärt der 49-Jährige völlig beiläufig auf Twitter. Dort fragt ihn ein Follower, was er von RNA-Impfstoffen halte. Musk antwortet, dass er „erstaunliches Potenzial“ in synthetischer RNA und DNA sehe und dass Tesla RNA-Mikrofabriken für CureVac und eventuell auch andere Unternehmen bauen würde.

Tesla unterstützt CureVac auf der Suche nach einem Impfstoff. (Fotomontage)

Gebaut werden die Fabriken bei „Tesla Grohmann Automation“, dessen Hauptsitz im rheinland-pfälzischen Prüm sitzt. Eine Sprecherin von CureVac bestätigt der FAZ, dass man mit Tesla zusammenarbeite, über die Partnerschaft aber keine Details verraten wolle. Mit der Hilfe von RNA-Mikrofabriken könnten Moleküle zeitsparend und preiswert produziert werden.

Corona-Impfstoff: So geht es der ersten Probandin

Update vom 22. Juni: Die erste Freiwillige, die in Tübingen den Corona-Impfstoff der Firma Curevac erhalten hat, ist wieder nach Hause entlassen worden. „Es sieht sehr, sehr gut aus, was die Verträglichkeit und Sicherheit des Impfstoffs angeht“, sagt Studienleiter Peter Kremsner vom Institut für Tropenmedizin am Montag. Die nächsten drei Teilnehmer sollten im Verlauf des Tages geimpft werden. Die 29-jährige Probandin war am Freitag geimpft und anschließend 24 Stunden stationär überwacht worden. Nun telefoniert sie täglich mit den Ärzten im Tropeninstitut und kommt zu regelmäßigen Kontrollvisiten. Wenn die erste Impfung gut vertragen wird, folgt einen Monat später eine zweite mit höherer Dosis.

Curevac hatte nach der Mainzer Firma Biontec als zweites deutsches Unternehmen die Genehmigung für eine klinische Studie bekommen. Der Impfstoff der Tübinger Biopharmafirma basiert auf dem Botenmolekül mRNA und regt im Körper die Bildung eines Virus-Eiweißes an. Dies löst eine Immunreaktion aus, die den Menschen vor den Viren schützen soll.

Corona-Impfstoff: CureVac darf Menschen testen – wann es los geht

Update vom 17. Juni: CureVac darf seinen Impfstoff gegen das Coronavirus an Menschen testen. Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Langen erteilte dem Tübinger Bio-Tech-Unternehmen die Zulassung für klinische Studien an gesunden Freiwilligen. Das teilt das PEI am Mittwoch (17. Juni) mit. Erste Probanden sollen noch im Juni geimpft werden.

CureVac ist damit das zweite deutsche Unternehmen, das eine Genehmigung bekommen hat, einen Corona-Impfstoff an Menschen zu testen. Bereits im April hatte Biontech aus Mainz eine Impfstudien-Zulassung erhalten.

Corona: 168 Personen sollen CureVac-Impfstoff testen

CureVac arbeitet seit Ende Januar an der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. An der ersten Phase der klinischen Studie sollen 168 Probanden teilnehmen. Von ihnen sollen 144 geimpft werden. Voraussetzung für Testpersonen ist, dass sie erwachsen und gesund sind. In der Phase 1 will CureVac zunächst testen, ob der Wirkstoff sicher ist und eine Abwehrreaktion des Körpers auslöst. Die Studie wird in Testzentren in Tübingen, Hannover, München und Gent (Belgien) durchgeführt.

Die vor einer klinischen Studie nötigen Voruntersuchungen seien erfolgreich verlaufen, teilte das Unternehmen auf seiner Webseite mit. Bereits im Herbst könne eine weitere, größer angelegte Testphase folgen, wenn die Daten aus der ersten Phase das zulassen. Laut CureVac wäre im Erfolgsfall die Produktion von mehreren hundert Millionen Impf-Dosen jährlich möglich.

Corona: CureVac setzt auf mRNA-Impfstoff

Wir betrachten uns als Pionier bei der Entwicklung von mRNA-Therapien“, sagt Franz-Werner Haas, Vorstandsmitglied von CureVac, das seit 2000 mRNA-Impfstoffe erforscht. mRNA ist eine Art Botenmolekül, in dem die Bauanleitung zur Herstellung von Proteinen steckt.

Für ihren Impfstoff haben die CureVac-Forscher mRNA mit der Bauanleitung für ein Protein des Coronavirus versehen. Die menschlichen Zellen bilden nach der Impfung dieses Protein, was der Körper als fremd erkennt. Er bildet Antikörper und andere Abwehrzellen dagegen. „Die Immunantwort, die wir auslösen wollen, ist sehr ähnlich der natürlichen Immunantwort“, erklärt Mariola Fotin-Mleczek, für Technologie zuständiges Vorstandsmitglied des Unternehmens.

Corona-Impfstoff: Bund steigt mit 300 Millionen Euro bei CureVac ein

Grundtext vom 15. Juni: Die Menschen weltweit hoffen darauf, dass es bald einen Impfstoff gegen das Coronavirus geben wird. Nach Angaben des Verbandes forschender Pharma-Unternehmen gibt es weltweit mehr als 120 Impfstoff-Projekte, von kleinen Firmen wie CureVac und Biontech bis zu Konzernen wie Sanofi und GlaxoSmithKline. Doch ein Endergebnis hat bislang noch niemand vorzuweisen. Die Unternehmen erhalten aber immer mehr Unterstützung um voranzukommen. So zum Beispiel die Biotech-Firma CureVac aus Tübingen, in das jetzt sogar der Bund miteinsteigt.

NameTübingen
BundeslandBaden-Württemberg
Bevölkerung89.011 (31. Dez. 2011)
OberbürgermeisterBoris Palmer (Bündnis90/Die Grünen)
Hochschule und UniversitätenEberhard Karls-Universität Tübingen, Evangelisches Stift Tübingenn, Hochschule für Kirchenmusik Tübingen

CureVac: Bund beteiligt sich mit 300 Millionen Euro

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier sagt am Montag (15. Juni), dass die staatliche Förderbank KfW rund 23 Prozent der Anteile der schwäbischen Firma übernommen hat – und zwar im Wert von 300 Millionen Euro! Es sei das Ziel, dem Unternehmen
von Mehrheitseigner Dietmar Hopp finanzielle Sicherheit zu geben. Auf Geschäftsentscheidungen wolle der Staat allerdings keinen Einfluss nehmen. Laut Altmeier sei die Beteiligung „industriepolitisch von hoher Bedeutung“, da man Forschungsergebnisse und Technologien in ganz Europa dringend brauche.

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums haben Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande zudem einen Vertrag über mindestens 300 Millionen Impfdosen mit dem Pharmaunternehmen AstraZeneca aus Großbritannien abgeschlossen. Eine Impfpflicht, so wie viele Verschwörungstheoretiker befürchten, wird es aber trotzdem nicht geben. Laut einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft EY hat die Branche innerhalb kürzester Zeit bis Anfang Juni 161 Impfstoff-Kandidaten sowie 242 therapeutische Test-Wirkstoffe hervorgebracht. Dazu gehört auch die Firma Bosch, die einen Schnelltest für Covid-19 entwickelt hat. Das Unternehmen SAP von Dietmar Hopp arbeitet zudem an einer App zur besseren Nachverfolgung von Infektionen. Die Corona-Warn-App ab Dienstag (16. Juni) verfügbar sein.

CureVac: Erste klinische Studien im Frühsommer erwartet

Dietmar Hopp freue sich sehr darüber, dass der Staat den Nutzen der Biotechnologiebranche für Patienten und die Gesellschaft erkannt habe und diese „Schlüsselindustrie“ nun unterstütze. Der 80-Jährige hält über eine Beteiligungsgesellschaft rund 80 Prozent der Anteile an CureVac. Für den Einstieg des Bundes hat er allerdings keine davon verkaufen müssen, da alles über eine Kapitalerhöhung laufe.

Peter Altmaier verkündet die Entscheidung auf einer Pressekonferenz.

Die Biotech-Firma CureVac aus Tübingen hat Anfang April in Aussicht gestellt, dass bereits im Frühsommer erste klinische Studien beginnen könnten. Daraufhin kündigt auch die Europäische Union an, das Unternehmen mit bis zu 80 Millionen Euro zu unterstützen. Auch die USA und Präsident Donald Trump haben wohl Interesse bekundet und versucht, exklusive Rechte an einem Impfstoff zu erwerben! Doch das Unternehmen CureVac dementiert, jemals ein offizielles Angebot erhalten zu haben. Selbst wenn, wäre es abgelehnt worden. „Wir wollen einen Impfstoff für die ganze Welt entwickeln und nicht für einzelne Staaten“, erklärt Dietmar Hopp dazu.

dpa/dh/rmx

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