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Corona-Schnelltest für Zuhause: Wie gut funktioniert er wirklich?

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Heidelberg/Berlin - Corona-Schnelltests gelten als wichtiger Baustein in der Pandemiebekämpfung. Aber wie sicher ist der Selbstabstrich? Eine Studie bringt ein erstaunliches Ergebnis:

Auch wenn viele Länder mittlerweile begonnen haben, gegen das Coronavirus zu impfen, wird es wohl noch viele Monate dauern, bis die Pandemie unter Kontrolle ist. Derzeit sorgen Virusmutationen aus England* und Südafrika* für Beunruhigung, weil sie deutlich ansteckender sind und die Infektionszahlen stark in die Höhe treiben können. Da der Impfstoff vielerorts noch knapp ist, gelten Corona-Schnelltests als wichtiges Mittel, Covid-Infektionen zu entdecken und einzudämmen.

In vielen Städten in Baden-Württemberg* werden Schnelltest-Center eingerichtet. Mittlerweile kann man in manchen Drogerien Antigen-Schnelltests kaufen und mittels eines Selbstabstrichs herausfinden, ob man sich mit Sars-CoV-2 angesteckt hat. Der Vorteil: Der Schnelltest zeigt in 15 bis 30 Minuten, ob man sich mit Corona infiziert hat und möglicherweise ansteckend ist. Doch wie zuverlässig sind die Ergebnisse eines Schnelltests, wenn der Nasenabstrich von einem Laien und nicht von dafür ausgebildetem medizinischem Personal durchgeführt wurde? Eine gemeinsame Studie des Universitätsklinikums Heidelberg und der Berliner Charité liefert dazu klare Antworten, berichtet HEIDELBERG24.de*.

Corona-Schnelltests: Wie tief muss das Stäbchen in die Nase?

Wer schon mal einen Abstrich in der Nase gemacht hat, weiß: Das Teststäbchen ist lang und es ist ziemlich unangenehm, bis man mit dem Tupfer an die Rachenwand stößt. Aber muss man überhaupt so tief in den Nasenraum eindringen, um ein relevantes Testergebnis zu bekommen? Das wollten die Forscher um Prof. Frank Mockenhaupt, kommissarischer Direktor des Instituts für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit der Charité, herausfinden. Dazu ließen sie im September und Oktober 2020 in der Corona-Teststelle der Charité 146 Probanden mit Corona-typischen Symptomen einen Selbstabstrich aus der vorderen Nase durchführen.

Die Probanden mussten den Antigen-Schnelltest zunächst selbst durchführen, nachdem sie schriftliches und grafisches Anleitungsmaterial bekommen hatten. Für den Test sollten die Teilnehmer den Tupfer lediglich zwei bis drei Zentimeter tief im vorderen Nasenraum für etwa 15 Sekunden an den Innenwänden kreisen lassen. Das Testergebnis mussten die Erkrankten ebenfalls selbst ablesen. Eine Anleitung durch Fachpersonal gab es nicht.

Eine Mitarbeiterin in Schutzkleidung und mit Nasen-Mundschutzmaske und Gesichtsvisier macht einen Abstrich bei einer jungen Frau im Covid-19-Testzentrum des Universitätsklinikums auf dem Alten Markt. In Magdeburg sollen sich Menschen kostenlos auf dem Alten Markt testen lassen können. Nach 15 Minuten sollen die Freiwilligen das Ergebnis bekommen.
Eine Mitarbeiterin entnimmt einer jungen Frau einen Nasenabstrich. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Ronny Hartmann

Anschließend entnahmen die Forscher den Probanden einen tiefen Nasen-Abstrich und führten selbst einen Antigen-Schnelltest durch. Zusätzlich wurde zudem ein Abstrich aus dem Mund- und Nasen-Rachenraum für einen PCR-Test genommen. Die PCR-Tests zeigten: 40 (27,4 %) der 146 Studienteilnehmer waren mit Corona infiziert.

Corona-Schnelltest: Selbstabstrich fast so zuverlässig wie von Fachpersonal

Die Forscher kommen in der Studie zu dem Schluss, dass es für das Testergebnis fast keinen Unterschied macht, ob man den Nasenabstrich selbst entnommen hat oder Medizinprofis am Werk waren: „Der Unterschied zwischen Selbsttestung und professionellem Testen hat sich in der Studie als minimal und nicht signifikant erwiesen“, sagt Studienautorin Dr. Claudia Denkinger dem „Deutschen Ärzteblatt“. Denkinger leitet an der Uniklinik Heidelberg die Sektion Klini­sche Tropenmedizin.

Amy Hariot Ingle, Studentin an der Universität Newcastle, wird von David Black, Gesundheitsspezialist aus Großbritannien, beobachtet, wie sie sich selbst einen Abstrich für einen Coronatest entnimmt. Amy wird ab dem 01. Dezember 2020 an einem in ganz Großbritannien durchgeführten Corona-Massentest mitarbeiten.
Eine Frau führt einen Nasenabstrich selbst durch. © picture alliance/dpa/PA Wire | Owen Humphreys

Die von medizinischem Fachpersonal durchgeführten Antigen-Schnelltests aus dem tiefen Nasenraum erkannten 34 der 40 (85 %) im PCR-Test nachgewiesenen Sars-CoV-2-Infektionen. Bei den von den Probanden selbst genommenen Abstrichen schlugen 33 Tests (82,5 %) auf das Coronavirus an.

Corona-Schnelltests besonders bei hoher Viruslast aussagekräftig

Dass Antigen-Schnelltests nicht so aussagekräftig sind wie PCR-Tests, war den Forschern schon im Vorfeld klar, erläutert Denkinger, die unabhängig vom Hersteller Corona-Schnelltests überprüft. „Bei genauerem Hinsehen hatten die Antigentests insbesondere in den Fällen eine Infektion übersehen, in denen die Patienten nur eine geringe Viruslast hatten“, so Denkinger zu den Studienergebnissen.

Während bei Probanden mit geringer Viruslast die Sensitivität der Schnelltests nur bei 45,6 Prozent lag, schlugen die Antigentests bei hohen Viruslasten in 96,6 Prozent der Fälle an ‒ unabhängig ob der Test durch Profis im hinteren Nasenraum oder durch Laien im vorderen Nasenraum durchgeführt wurde. „Die Studie zeigt uns, dass die angeleiteten Selbstabstriche für den untersuchten Antigentest nicht schlechter als professionelle Abstriche aus dem Nasen-Rachen-Raum sind“, sagt Denkinger. „Festere Tupfer, die sich besser für den Abstrich im Nasenvorhof eignen, könnten die Genauigkeit des Tests noch erhöhen.

Corona-Schnelltest potenziell wichtiger Baustein zur Eindämmung der Pandemie

Für Denkinger könnten Schnelltests für den Heimgebrauch dafür sorgen, dass mehr getestet und die Pandemie stärker eingedämmt wird. Schnelltests könnten eine wichtige Ergänzung“ zu den PCR-Tests darstellen, ergänzt auch Prof. Mockenhaupt. Rund 80 Prozent der Probanden fanden die Tests relativ leicht durchzuführen.

Allerdings beobachteten die beobachtenden Ärzte bei Probeentnahme und Durchführung der Schnelltests Fehler durch die Teilnehmer. Bessere Anleitungen ‒ eventuell in Form von Videos ‒ könnten diese Fehler laut Denkinger künftig minimieren. Aktuell dürfen die Antigen-Schnelltests noch nicht an Laien abgegeben werden. (rmx) *HEIDELBERG24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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