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Virologe macht düstere Corona-Prognose für die Zukunft Deutschlands

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Von: Sina Alonso Garcia

Zahlreiche Passanten mit Masken drängen sich durch eine Einkaufsstraße in der Innenstadt.
Themen wie die Maskenpflicht könnten uns noch länger als gedacht beschäftigen. © Matthias Balk/dpa

Das Coronavirus in Deutschland wird uns nach Meinung eines Virologen noch länger begleiten als bisher angenommen.

Hannover/Heidelberg - Seit rund einem Jahr prägt das Coronavirus unser Leben. Als im März 2020 erstmals ein Lockdown verhängt wurde, hätten sich viele vermutlich nicht vorstellen können, dass wir uns ein Jahr später immer noch in dieser Situation befinden würden. Zwar versprechen Impfungen auf lange Sicht einen Rückgang der Neuinfektionen. Doch ein Virologe warnte bereits: „Wir können Corona nicht schnell wegimpfen.“ (BW24* berichtete). Nun drückte ein weiterer Virologe es noch drastischer aus und meinte: Corona wird unser ständiger Begleiter.

Thomas Schulz, Leiter des Instituts für Virologie an der Medizinischen Hochschule Hannover, glaubt: „Das Coronavirus wird der Menschheit erhalten bleiben.“ Gleichzeitig habe er aber auch die Hoffnung, dass ein breites Impfen die Ausbreitung des Coronavirus* zumindest eindämmen könne - wie bei der Influenza.

Coronavirus in Deutschland: Impfstoff muss laut Virologen ständig angepasst werden

Corona-Viren hat es laut des Experten bereits vor Sars-CoV-2 gegeben. In der Regel hätten diese nicht zum Tod geführt. „Derzeit existieren zwar Hunderte von Varianten. Davon sind aber nur fünf bis zehn problematisch, darunter die neue kalifornische und die New Yorker Version“, so Schulz. Wie bei den Grippeimpfungen müsse der Corona-Impfstoff immer wieder angepasst werden.

Die Impfstoffe auf dem Markt bieten laut des Virologen einen Restschutz gegen die britische, die südafrikanische und die brasilianische Variante. Biontech hält er dabei für breiter aufgestellt als Astrazeneca . Jedoch würde auch Astrazeneca schwere Verläufe verhindern. Nachdem die Impfung mit Astrazeneca* vorübergehend ausgesetzt wurde, ist sie aktuell in Deutschland wieder erlaubt.

Lockdown in Deutschland: „Verglichen mit Großbritannien nicht hart“

Die aktuellen Lockdown-Maßnahmen in Deutschland findet der Virologe nicht besonders hart. „In Großbritannien ist bereits die Hälfte der Bevölkerung geimpft, aber der Bewegungsradius der Menschen ist deutlich stärker eingeschränkt als bei uns.“ Dabei verzeichne Deutschland im Gegensatz zu den Briten nur zehn Prozent Geimpfte. Auch verglichen mit der strengen Ausgangssperre in Paris seien die Maßnahmen harmlos. Deutschland müsse noch zwei bis drei Monate durchhalten, bis dann die Impfung so breit eingesetzt worden sei, dass man langsam lockern könne.

Nachdem bisher in Deutschland nur in Impfzentren Impfungen verabreicht wurden, starten nun auch die ersten Hausärzte mit Corona-Impfungen*. Ebenso wollen Betriebe wie Daimler Mitarbeiter selbst gegen Corona impfen*. Eine Umfrage ergab jedoch, dass jeder Vierte sich nicht gegen Corona impfen lassen will* - aus Angst vor Nebenwirkungen.

Virologe Thomas Schulz ist Präsident der 30. Tagung der Gesellschaft für Virologie (GfV), die an diesem Mittwoch online beginnt. GfV-Präsident ist der Heidelberger Professor Ralf Bartenschlager. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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