Coronavirus in Heidelberg

Universitätsklinik will in die „neue Normalität“ schreiten

Coronavirus in Heidelberg - Die Universitätsklinik war seit Beginn der Pandemie gut vorbereitet und die Intensivbettenkapazität wurde nie ausgereizt. Jetzt will die Klinik langsam in die „neue Normalität“ schreiten.

  • Seit dem Beginn der Coronavirus-Pandemie rüsten sich die Krankenhäuser in Deutschland für eine Welle von schwerkranken Covid-19-Patienten.
  • Auch an der Uniklinik in Heidelberg wurden zahlreiche zusätzliche Intensivbetten geschaffen.
  • Da die Infektionszahlen sinken, will die Uniklinik jetzt langsam in die „neue Normalität“ schreiten.
Im Vergleich zu seinen Nachbarländern scheint Deutschland in der Corona-Krise bisher mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Die frühe Intervention der Regierung, die breite Akzeptanz der Maßnahmen in der Bevölkerung, aber auch die medizinische Versorgung in den Kliniken scheinen den Verlauf der Coronavirus-Pandemie in Deutschland abgeschwächt und schlimmeres verhindert zu haben. Auch die Universitätsklinik in Heidelberg hat früh auf die Pandemie reagiert und wichtige Schritte eingeleitet: Mehr Intensivbetten wurden eingerichtet; Operationen wurden verschoben und das Personal auf Bereitschaft gestellt. Nach den schrecklichen Bildern aus italienischen Krankenhäusern von Anfang März war auch die Uniklinik in Heidelberg auf das Schlimmste gefasst.

Coronavirus in Heidelberg: Uniklinik bereitet sich auf „neue Normalität“ vor

Glücklicherweise blieb die große Welle bisher aus. Die berühmt-berüchtigte Infektionskurve wurde abgeflacht, das Gesundheitssystem nicht überlastet und so langsam kehrt für viele eine Art Alltag wieder ein. Doch der Kampf gegen das Coronavirus ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Sich jetzt in Sicherheit zu wiegen wäre töricht. Doch alles stehen und liegenzulassen, um auf die große Welle zu warten, ist im Gesundheitswesen nicht tragbar. Denn wenn die Krankenhäuser weiterhin einen Großteil ihrer Kapazitäten für potenzielle Corona-Patienten freihalten, können andere schwerkranke Menschen nicht behandelt werden. In Anbetracht der sinkenden Infektionszahlen in Heidelberg und im Rhein-Neckar-Raum hat sich dieUniklinik Heidelberg dazu entschieden, sich auf die „neue Normalität“ vorzubereiten. Konkret heißt das, dass die Uniklinik wieder mehr Intensivbetten für andere schwerkranke Patienten zur Verfügung stellt, gleichzeitig aber genügend Betten für Corona-Patienten hat. Unter Federführung der Uniklinik wird derzeit in Baden-Württemberg eine Studie zu Kindern und dem Coronavirus durchgeführt. Prof. Georg Hoffmann, Chef der Kinderklinik Heidelberg, erklärt im Interview, welche Erkenntnisse die Untersuchung bringen soll.

Coronavirus in Heidelberg: Freie Intensivbetten in der Uniklinik

In den vergangenen Wochen wurden an der Uniklinik Heidelberg rund 130 Patienten mit Covid-19 stationär behandelt. Dabei waren stets so viele freie Intensivbetten vorhanden, dass ein Großteil der Betten gar nicht benutzt wurde. „Insgesamt hatten wir in den vergangenen Wochen im Durchschnitt zeitgleich 20 bis 30 COVID-19-Intensivpatienten am UKHD, was circa zehn Prozent der Kapazität unserer Intensivbetten entsprach. Damit waren weit weniger als die zur Verfügung gestellten 50 Prozent nötig“, erklärt Prof. Dr. Ingo Autenrieth, der Leitende Ärztliche Direktor der Uniklinik. Daher wird die Uniklinik in Heidelberg nach und nach den Regelbetrieb wieder aufnehmen und vermehrt nicht-Corona-Patienten wieder behandeln. Denn abgesehen von deren Gesundheit, muss ein Krankenhaus auch wirtschaften – und leere Betten heißt weniger Geld, selbst wenn es Ausgleichszahlung von der Regierung geben wird.

In einer Pressekonferenz erklärt die Leitung der Uniklinik den neuen Fahrplan.

Coronavirus in Heidelberg: Angst vor Ansteckung führt zu rückläufigen Patientenzahlen

Seit Wochen lautet die goldene Regel für alle Menschen weltweit: #Stayhome. Für den Großteil der Bevölkerung mag dieser Rat richtig und wichtig sein. Doch für manche Menschen eher nicht: So hat die Uniklinik Heidelberg 20 Prozent weniger Personen mit Schlaganfällen und 50 Prozent weniger Herzinfarkt-Patienten behandelt. Die Ärzte dort erklären sich die rückläufigen Zahlen nicht etwa damit, dass weniger Personen Schlaganfälle oder Herzinfarkte erlitten; vielmehr gehen sie davon aus, dass immer mehr Menschen Angst haben ins Krankenhaus zu gehen, weil sie sich nicht anstecken wollen. „In der Klinik ist alles für die Patientensicherheit getan. Die klinischen Behandlungspfade und die Behandlungsräume für die Patienten mit Organerkrankungen sind komplett von den Versorgungsstrukturen für die COVID-19-Patienten getrennt“, betonen Prof. Dr. Hugo Katus, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie und Prof. Dr. Wolfgang Wick, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Klinik. Gerade bei Schlaganfällen und Herzinfarkten zählt jede Minute, weshalb verdächtige Symptome sofort abgeklärt werden sollten.

Coronavirus in Heidelberg: Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Patienten und Mitarbeiter

In diesem Sinne versichern die Ärzte der Uniklinik Heidelberg, dass Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden, um nicht-Corona-Patienten vor einer Infektion zu schützen. So wird beispielsweise am Eingang bei Neuankömmlingen Fieber gemessen und sie erhalten einen Mund-Nasen-Schutz bevor sie die Klinik betreten. Denn im gesamten Klinikum besteht momentan Schutzmaskenpflicht – nur in ihren Zimmern dürfen Patienten die Masken abziehen. Corona-Patienten sollen außerdem innerhalb der Klinik „streng räumlich isoliert von anderen Patienten“ untergebracht werden.

Fiebermessen und Schutzmasken gehören zum neuen Alltag in der Uniklinik in Heidelberg

Coronavirus in Heidelberg: Uniklinik auf dem Weg zur „neue Normalität“

Bei allen Veränderungen macht die Uniklinik dennoch klar: Falls es zu einem erneuten Coronavirus- Ausbruch in der Region kommt, kann die Klinik innerhalb weniger Tage wieder mehr Intensivbetten freimachen und zurück in den Krisenmodus wechseln. Es bleibt zu hoffen, dass dies nicht zutreffen wird und dass wir alle einen Schritt in die „neue Normalität“ wagen dürfen.

Ab Mitte Juni soll es in Heidelberg wieder für alle Kinder eine Nachmittagsbetreuung geben. Eltern und Kinder freuen sich – ganz im Gegensatz zu den Erziehern, die zur Risikogruppe gehören und jetzt um ihre Gesundheit bangen.

mw

Rubriklistenbild: © Uwe Anspach/dpa

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