1. Heidelberg24
  2. Heidelberg

Neue Rösterei: Heidelberg als „Hub für den Export von Spitzenkaffee“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Florian Römer

Kommentare

Seit fünf Generationen baut seine Familie in Brasilien Kaffee an. Jetzt röstet Plinio Fernandes die Arabica-Bohnen in Heidelberg – und will nicht nur hiesige Gaumen erobern.

Seit 2017 produziert Plinio Fernandes seinen „Heidelberg Kaffee“. Bislang hatte Fernandes die Bohnen, die von der familieneigenen Plantage in Brasilien stammen, in Karlsruhe rösten lassen. Jetzt wird er seine hochwertigen Arabica-Bohnen in Heidelberg selbst veredeln: mit der eigenen Rösterei setzt der Kaffee-Liebhaber ein für die Universitätsstadt „neues Modell“ um.

StadtHeidelberg (Baden-Württemberg)
Einwohnerzahl158.741 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche108,8 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Heidelberg: Neue Rösterei veredelt eigene Bohnen zu Spezialitäten-Kaffee

Im Gewerbegebiet von Rohrbach-Süd, versteckt zwischen Logistik-Unternehmen, Bürogebäuden und einem Berufsbildungswerk, liegt die neue Kaffee-Rösterei der „Kaplinio GmbH“. Zuvor war sein Unternehmen in einem kleinen Laden in der Dossenheimer Landstraße beheimatet. Dort habe er sich zwischen den Kaffeesäcken kaum bewegen können, erzählt Fernandes mit einem Lachen.

Seine neue Rösterei im Breitspiel bietet jetzt deutlich mehr Platz. Dutzende Jutesäcke mit Kaffeebohnen sind in einem Teil der Halle aufeinander geschichtet. Unweit der Röstmaschine stehen große Behälter, in denen die gerösteten Bohnen noch eine Zeit lang ruhen, ehe sie verpackt werden. An einer Tafel an der Wand sind Temperaturen, Verhältnisse von Hitze und Belüftung, sowie Dauer des Röstprozesses aufgeschrieben.

Plinio Fernandes mit den Kaffeebohnen von „Kaffee Heidelberg“.
Plinio Fernandes mit Kaffeebohnen aus eigenem Anbau. © Florian Römer/HEIDELBERG24

Neues Modell in Heidelberg: Spitzenkaffee mit Bohnen aus eigener Produktion

„Mit der eigenen Rösterei komplettieren wir ein neues Modell“, sagt Fernandes. „So bilden wir vom Anbau der Arabica-Kirschen bis zur Röstung die komplette Kette der Kaffeeproduktion ab.“ Vier Jahre wachsen die Kaffeepflanzen, ehe sich die roten Beeren bilden, deren Steinkerne als Kaffeebohnen verwendet werden, erklärt Kaffee-Experte Fernandes. Bereits in fünfter Generation betreibt seine Familie eine Kaffeeplantage in Mogiana. Die Region nordwestlich von São Paulo ist eine der drei renommiertesten Anbauregionen Brasiliens.

Die Arabica-Bohnen, die seine Familie auf der 240 Hektar großen Plantage züchtet, zählen zu den besten weltweit, erzählt Fernandes stolz. Über 80 von 100 möglichen Punkten erreicht der Rohkaffee auf der Qualitätsskala der „Specialty Coffee Association“ (SCA) und gehört so zu den „Spezialitätenkaffees“. Sie zeichnen sich durch besondere geschmackliche Merkmale und feinere Aromen aus.

Langsame Röstung hebt Geschmacksnoten hervor

„Unser ‚Heidelberg Kaffee‘ schmeckt nach Schokolade, Karamell und roten Beeren“, sagt Plinio Fernandes. Die Noten werden durch einen langen und schonenden Röstprozess hervorgeholt, ergänzt Barista Henrique Vitoria. Bei gutem Kaffee komme es auf „Leidenschaft“ an, so Henrique. Man müsse immer wissen, welchen Geschmack man beim Rösten aus den Bohnen herausholen wolle. 16 bis 20 Minuten dauert der Röstprozess bei Kaplinio.

Übrigens: Unser HEIDELBERG24-Newsletter informiert Dich regelmäßig über alles Wichtige, was in Deiner Stadt und Region passiert.

Ein Spezialisten-Team aus Brasilien teste regelmäßig die Bohnen und empfehle den idealen Röstgrad, berichtet Fernandes. Mit „Medium“ und „Dunkel“ (Espresso) stellen Fernandes und Vitoria den „Heidelberg Kaffee“ derzeit in zwei Röstungen her. Er wird seit 2018 in Supermärkten und online vertrieben, aber auch einige regionale Firmenkunden zählen zu den Abnehmern.

Heidelberg: Fernandes will mit seinem Kaffee internationalen Markt erobern

„Der Kaffeekonsum hat sich geändert“, sagen Fernandes und Henrique. „Früher ging es beim Kaffeetrinken darum, Energie zu gewinnen, heute steht eher der Genuss im Mittelpunkt.“ Mit dem Spezialitätenkaffee bediene man genau diesen Trend. Mittelfristig will Fernandes mit seiner Firma auch international erfolgreich sein.

Neben Deutschland vertreibt Fernandes seinen Kaffee in Brasilien und mit einem Kooperationspartner auch in Schweden. Mitte des Jahres plant Kaplinio mit der Kaffeemarke „País tropical“ in China an den Start zu gehen. Sie soll dann auch bei uns erhältlich sein. Sein Ziel sei es, „Heidelberg als Hub für den Export von Spitzenkaffee in andere Länder“ zu etablieren, sagt Fernandes.

Plinio Fernandes will seinen Spezialitätenkaffee auch international etablieren.
Plinio Fernandes will seinen Spezialitätenkaffee auch international etablieren. © Florian Römer/HEIDELBERG24

Nachhaltigkeit wichtiges Thema

„Umwelt und Nachhaltigkeit sind beim Anbau unserer Kaffeebohnen wichtig“, ergänzt der Brasilianer, der seit 2014 in Heidelberg lebt. Für den Anbau werden 70 Hektar genutzt, 130 Hektar des Regenwalds auf der Plantage bleiben hingegen unangetastet. Fernandes: „Sie dienen als Rückzugsort für Leoparden, Tukane und Papageien.“ (rmx)

Auch interessant

Kommentare