Ein Stück Geschichte

Einzigartige Bilder der Wohnung über der Alten Brücke

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Einzigartige Bilder der Wohnung über der Alten Brücke
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Das ehemalige Schlafzimmer
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Ganz eingepackt: Die Türme an der Alten Brücke
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Der Eingang zur Wohnung
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Einmal klingeln bitte!
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Spinnenweben im Fenster der Eingangstür
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Das Bad im West-Turm

Heidelberg-Altstadt - Es ist wohl DAS außergewöhnlichste Zuhause in Heidelberg: Die Wohnung im Brückenturm der Alten Brücke. Begleite uns bei unserer exklusiven Führung:

Hunderte Menschen laufen jeden Tag an ihr vorbei und wissen gar nicht, dass es sie überhaupt gibt: Die Wohnung über der Alten Brücke.

Am Mittwoch (6. Dezember) darf HEIDELBERG24 exklusiv einen Einblick ins Innere des östlichen Turms werfen. Normalerweise ist die Tür zur Wohnung immer verschlossen, nur wenige Personen der Stadt Heidelberg besitzen einen Schlüssel. Diese Vorsichtsmaßnahme soll nicht nur den Turm, sondern auch die neugierigen Bürger schützen. Grund: In der Wohnung befinden sich unter anderem Balken aus dem 12. Jahrhundert, die einsturzgefährdet sind.

Die Geschichte der Brückenwohnung

Im 18. Jahrhundert diente der westliche Turm als Kerker und Gefängnis. Über eine Wendeltreppe im östlichen Turm gelang man zu einer Wohnung, in der damals der Brückenwärter lebte. Nach dem zweiten Weltkrieg zog Architekt und Kunsthistoriker Rudolf Steinbach in die Wohnung. Er war am Wiederaufbau der gesprengten Alten Brücke beteiligt.

Steinbach veranstaltete Feste im 28 Meter hohen Turm und machte damit die Altstadt zum Treffpunkt für Künstler, Schriftsteller und Bildhauer. Gert Kalow, ein deutscher Schriftsteller und Publizist, und seine Frau Kirsten wurden die Nachmieter von Steinbach und sie führten diese Tradition fort. Der Schriftsteller lud Gäste wie Heinrich Böll, Hilde Domin und Karls Jaspers ein. 

1991 verstarb Kalow und er wurde auf dem Heidelberger Bergfriedhof beerdigt. Seine Frau Kirsten blieb in der Wohnung noch bis 2004 dort leben. Seit dem ist das einzigartige Apartment über der Alten Brücke verlassen - nun mehr seit 13 Jahren.

Spannung mit jeder Treppenstufe

Wir machen eine Reise in die Vergangenheit und wagen uns im Licht der Taschenlampe durch die Eingangstür und gehen die breite, steinerne Wendeltreppe nach oben. Rund 15 Stufen müssen wir nehmen, bis wir das untere Stockwerk der Wohnung erreichen. 

Die Decken sind tief, viel Platz gibt es in dem viereckigen Raum nicht. Ein kleiner Ofen steht auf dem dunklen Holzboden, die Fenster sind wegen Sanierungsarbeiten abgenommen und zugeklebt worden.Alles wirkt relativ feucht und kalt, Schimmel ist allerdings nicht zu sehen.

Von dem vermutlich früheren Schlafzimmer würden wir über eine steile Treppen in das runde Bad gelangen – allerdings befinden sich auch hier die uralten Balken, weshalb wir es lieber nicht betreten.

Verborgene Schätze

Wir folgen der Wendeltreppe weiter und gelangen ins zweite Stockwerk. Dort war früher wohl das Wohnzimmer, in dem ebenfalls ein Ofen, ein großes Regal, ein kleiner Tisch und eine Telefonanlage zu sehen ist. Wir entdecken eine alte Zeitung vom 9. April 2005 und alte Hörfunk-Frequenzen, die teilweise auch in die Schranktür eingeritzt wurden. 

Eine Holztreppen führt vom Wohnzimmer in eine Art Lager. Unter den Stufen wiederum finden wir die Küche, die wie das Bad im westlichen Turm zu finden sind. Außer ein alter Tisch ist allerdings nicht mehr viel von der Küche übrig und es lässt sich nur schwer erahnen, wie es dort einst aussah

Wer sich jetzt allerdings überlegt, wie es wäre, dort zu leben, den müssen wir leider enttäuschen. Denn nicht ,nur' die Einsturzgefahr, sondern auch das fehlende, konkrete Konzept machen es derzeit unmöglich in der Wohnung zu leben. Zudem ist keine Barrierefreiheit gegeben.

Nachdem wir einen einzigartigen Einblick in die wohl außergewöhnlichste Wohnung in Heidelberg machen durften, kehren wir wieder zurück nach draußen. Und während wir wieder auf der Brücke stehen, ahnungslose Menschen an uns vorbei laufen, stellen wir fest, dass diese Wohnung nicht nur ein Stück Architektur und Geschichte, sondern auch ein ganz besonderes Stück von Heidelberg ist. 

Übrigens: Die Bauarbeiten rund um die denkmalgeschützten Türme an der Alten Brücke haben im Oktober begonnen und werden voraussichtlich bis Mitte 2018 andauern. Die Kosten werden sich auch eine knappe halbe Million Euro belaufen.

jol

Fotos: 4. Pink Monday – Heidelberger Marktplatz ganz in Rosa

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Fotos: Weihnachtsbäckerei in „zeughaus“-Mensa

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Löscheinsatz: Brand in Altstadt-Café

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