Ehe für alle

Fotos: Gleichgeschlechtliche Massenhochzeit in Stadthalle 

44 schwule und lesbische Paare geben sich das Ja-Wort.
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44 schwule und lesbische Paare geben sich das Ja-Wort.

Heidelberg-Altstadt - 44 Paare versammeln sich am Sonntag (26. November), um sich das Ja-Wort zu geben. Die Besonderheit: Die Bräutigame und Bräute sind ausschließlich homosexuell:

Seit Jahren ist es mir ein persönliches Anliegen, gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften offiziell zu begleiten“, begrüßt Bürgermeister Wolfgang Erichson die 44 Paaren, die sich entschlosen haben, an der gemeinsamen Zeremonie in der Heidelberger Stadthalle teilzunehmen.

Seit 2001 wurden in Heidelberg 312 gleichgeschlechtliche Paare verpartnert, bei 37 davon hat Erichson die Verpartnerung höchstpersönlich durchgeführt. Zu diesen Anlässen trug er stets seine Regenbogenschärpe - wie am Sonntag freilich auch. Die Stadthalle ist außen feierlich mit Regenbogenfahnen geschmückt, innen hängen sogar am Gummibaum Schleifchen in den Farben des Regenbogens.

Möglich wurde die gleichgeschlechtliche ‚Massenhochzeit‘ durch das „Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts“, das seit dem 1. Oktober die Ehe für alle ermöglicht. 

Roger Winell und Walter Günther sind schon seit 39 Jahren ein Paar und verspüren eine deutliche Veränderung durch die Trauung: „Wir können jetzt sagen, dass wir verheiratet sind. Das konnten wir vorher nicht“, erklärt Walter Günther. Roger Winell erzählt schmunzelnd, wie es am Anfang der Beziehung war: „Wir mussten estmal so Sachen klären wie: Wer bügelt was?“ Ihre Nachnamen behalten die Beiden. „Wir wollen es den Leuten nicht unnötig kompliziert machen“, sagt Günther. Auch die Frage nach der Adoption von Kindern stellt sich im Alter von 66 und 74 Jahren nicht (mehr).

Für Dieter und „Kalle“ Riegler hingegen war es klar, dass man sich schon zur Verpartnerung auf einen Namen einigt: „Mein Nachname war Bischof. Das fanden wir irgendwie unpassend“, erinnert sich Kalle Riegler. Ein Paar sind sie seit 34 Jahren. Ihre Verpartnerung fand am 10. Oktober 2010 statt. Als die beiden ihre Homosexualität entdeckten, verstieß das sogar noch gegen das Sittengesetz

Besonders schick gekleidet sind Siegfried Schilinski und Felix Schöber. Sie tragen dunkle Anzüge, weiße Rosen und beide die gleiche Krawatte. „Jetzt habe ich einen schwarzen Anzug“, sagt Siegfried Schilinski über das Vorher-Nachher der Hochzeit. Und erklärt: „Der Hinweis ‚verpartnert‘ kam einem Outing gleich und hat oft Fragen aufgeworfen. Jetzt sage ich: ‚Ich bin verheiratet‘. Mein Mann sagt das auch: Haken dran“. Die blauen Krawatten hat übrigens Felix Schöber gekauft. Darauf angesprochen sagt er nur: „Ich hasse Krawatten“ und beide lachen herzlich.

Auch für Bürgermeister Wolfgang Erichson ist der Tag der Vermählung ein großartiges Ereignis: Erstens, weil er mit seinen Kollegen vom Standesamt 44 bisher ‚nur‘ verpartnerte Paare zu Eheleuten macht. Und zweitens darf er jetzt seinen Partner Berthold Quast endlich offiziell ‚seinen Mann‘ nennen. 

chr

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