Wird sie abgerissen?

Fotos: Historische Villa Kettenmann

Villa Kettenmann auf Firmengelände rossmanith
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Villa Kettenmann auf Firmengelände rossmanith

Heidelberg-Kirchheim - Seit über 100 Jahren gibt es die Villa Kettenmann schon – sie gilt als eines der letzten historischen Gebäude Kirchheims. Doch nun soll sie abgerissen werden. Doch warum eigentlich?

Sie hat zwei Weltkriege überlebt und es ins 21. Jahrhundert geschafft, jetzt soll sie weg – die Villa Kettenmann auf dem Firmengelände von ,Rossmanith'. 1904 wurde das mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Gebäude vom Zimmermann Kettenmann in der Hardtstraße errichtet und diente eine zeitlang als Wohnraum. 

Allerdings steht sie seit acht Jahren leer und nimmt dem Unternehmen, das sich auf Fenster, Fassaden und Gebäudehüllen spezialisiert hat, den Platz weg. Deswegen kämpft ,Rossmanith' schon seit vielen Jahren dafür, dass die historische Villa abgerissen wird.

Doch sollte das historische Gebäude nicht lieber erhalten bleiben? Am Mittwoch (11. Juli) treffen wir uns mit Martin Rossmanith, alleinigem Geschäftsführer der Firma, um uns selbst ein Bild von dem Haus zu machen. Er zeigt uns das längst in die Jahre gekommene Gebäude.

Nicht vom Äußeren täuschen lassen

Zwar wirkt die Villa Kettenmann von Außen mit ihrem kleinen Türmchen schön und besonders, allerdings hält beim genaueren Hinsehen der erste Eindruck nicht das, was er verspricht. 

Der Putz des 98 Quadratmeter großen Gebäudes bröckelt, im Boden sind Löcher, das ganze Gebäude wirkt baufällig. 

Auch der hölzerne Balkon und das Vordach über der verbleichten Eingangstür gibt es seit rund fünf Jahre nicht mehr. Wie der Geschäftsführer erklärt, haben seine Mitarbeiter diese aufgrund des maroden Zustands entfernen müssen. „Man wäre ansonsten durchgebrochen“. Auch die Fenster – übrigens nicht die originalen, sondern welche aus den 60er Jahren – habe man entfernen müssen. „Das ist alles in Abstimmung mit dem Denkmalschutz geschehen“, versichert Rossmanith. 

Darum ist der Abriss für die Firma so wichtig

Es geht um wahnsinnig viel, meint der Geschäftsführer. Denn der Familienbetrieb, der seit rund 70 Jahren in Heidelberg existiert, braucht den Platz dringend. So müssen aktuell die Mitarbeiter mit einem dreigeschossigen Haus Vorlieb nehmen – anstelle einer geräumigen Halle. Das bedeutet nicht nur Arbeiten auf engsten Raum, sondern auch enormen Zeit- und sogar Arbeitsplatzverlust. 

Durch das umliegende Wohngebiet kann das Unternehmen nicht nach Belieben expandieren – und Stillstand ist bekanntlich katastrophal für Betriebe. 

„Das Haus ist einfach im Weg“

Martin Rossmanith erklärt, dass man im Laufe der Jahre viel in den Standort investiert habe und man ihn deshalb „erhalten müsse“. Außerdem leben viele seiner Arbeiter in direkt angrenzenden Wohnungen und kommen zu Fuß oder mit dem Rad zur Arbeit. Der Umzug an einen neuen Standort wäre damit für alle Beteiligten ein großer, schwieriger Schritt.

Heidelberg ist reich an historischen Gebäuden, wie in der Weststadt oder Neuenheim“, so Rossmanith. Er stellt sich deshalb die Frage, warum die Villa Kettenmann unbedingt bleiben müsse. „Die Öffentlichkeit hat sowieso keinen Zutritt auf das Firmengelände“, sagt er weiter.

Alternativen werden berücksichtigt

Rossmanith versichert, dass er zusammen mit der Architektengemeinschaft (AAg) aus Heidelberg viele Alternativen überdacht habe, damit die Villa Kettenmann nicht dem Erdboden gleich gemacht werden müsse - doch alle seien zum gleichen Ergebnis gekommen. 

Ob neue Büroräume, ein Bistro oder ein Wohnhaus – all diese Optionen kommen in Anbetracht des Platzmangels nicht wirklich in Frage. Und auch Kostengründe machen den Erhalt der Villa unwirtschaftlich. Allein für die Restaurierung müsse man eine halbe Millionen Euro hineinstecken, meint Rossmanith. 

Grünes Licht?

Das Bauamt sowie der Karlsruher Denkmalschutz prüfen den Vorfall. „Die Verwaltung geht nach Prüfung momentan davon aus, dass in diesem Einzelfall das betriebliche Interesse das öffentliche Interesse am Erhalt des Gebäudes überwiegt“, heißt es in einer Antwort der Stadt Heidelberg auf die Anfrage von Gemeinderätin Irmtraud Spinnler (SPD).

Als wir Rossmanith nach der aktuellen Lage fragen, zeigt er sich sehr zuversichtlich. Zwar sei noch nichts offiziell unterschrieben, die notwendigen Genehmigungen habe er jedoch bekommen. Offen ist nur, wann der Abriss beginnt.

jol

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