1. Heidelberg24
  2. Heidelberg

Heidelberg nimmt freiwillig afghanische Ortskräfte auf – „Wir müssen helfen“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Eliran Kendi

Heidelberg - Die dramatische Lage am Hindukusch treibt viele Afghanen aus dem Land. Deshalb bereitet man sich in Deutschland auf die Aufnahme zahlreicher Flüchtlinge vor – so auch Heidelberg.

Nach dem Start der Evakuierungsflüge aus Afghanistan bereiten sich die deutschen Bundesländer darauf vor, kurzfristig mehrere tausend Flüchtlinge unterzubringen. Die Bundesländer wollen den Bund nach Angaben des Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Thomas Strobl (CDU), bei der Aufnahme afghanischer Ortskräfte unterstützen. „In den Ländern gibt es die große Bereitschaft, sich dieser Menschen dann anzunehmen“, sagt der baden-württembergische Ressortchef der Deutschen Presse-Agentur in Berlin auf Anfrage.

Auch die Stadt Heidelberg bekundet ihre Bereitschaft, freiwillig afghanische Ortskräfte und weitere schutzbedürftige Afghaninnen und Afghanen aufzunehmen. Damit schließt sich Heidelberg einem Aufruf des Bündnisses Städte Sicherer Häfen an, zu dessen Gründungsmitgliedern die Stadt gehört. Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner informiert den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, darüber in einem Brief. Der Grünen-Politiker hat schon zuvor angekündigt, dass sein Bundesland Flüchtlinge aufnehmen werde.

„Die afghanischen Ortskräfte, die jahrelang deutsche Soldaten und Sicherheitskräfte unterstützt und sich für Demokratie und Menschenrechte eingesetzt haben, sind nach deren Abzug aus Afghanistan und durch die Machtübernahme der Taliban akut in Gefahr, ebenso deren Angehörige und viele weitere Menschen. Die erschütternden Bilder, die uns dieser Tage über die Medien aus Afghanistan erreicht haben, machen mehr als deutlich, dass wir helfen müssen“, so Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner. 

StadtHeidelberg
BundeslandBaden-Württemberg
Einwohnerzahl161.485 (Stand: 31. Dez. 2019)
Fläche108,84 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Übrigens: Unser HEIDELBERG24-Newsletter informiert Dich regelmäßig über alles Wichtige, was in Deiner Stadt und Region passiert.

Heidelberg: Stadt nimmt freiwillig Flüchtlinge aus Afghanistan auf

Über die Aufnahme von Geflüchteten entscheidet der Bund. Die Zuweisung erfolgt dann an die Länder nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel. Baden-Württemberg rechnet damit, bis zu 1.100 Ortskräfte und Verwandte aus Afghanistan aufzunehmen. Bei bundesweit nicht mehr als rund 8000 weiteren Ortskräften werde die Zahl aber „überschaubar“ sein, heißt es aus dem Justizministerium in Stuttgart. Zusätzliche Plätze in der Erstaufnahme seien deshalb nicht notwendig.

Heidelberg ist wegen des Landesankunftszentrums in Patrick-Henry-Village eigentlich von der Zuweisung von Flüchtlingen zur kommunalen Unterbringung befreit. Die Stadt hat aber in der Vergangenheit immer wieder freiwillig Flüchtlinge aufgenommen. Seit 2015 waren es mehr als 500 Personen.

Afghanische Ortskräfte: Dramatische Szenen am Flughafen in Kabul

Obgleich sich die Lage rund um den Flughafen der afghanischen Hauptstadt Kabul etwas beruhigt hat, bleibt die Situation chaotisch. Einheimische Helfer deutscher Organisationen berichteten am Donnerstag (19. August) von verstopften und teils unpassierbaren Straßen. US-Soldaten ließen sie bei den Eingängen nicht vor, berichteten zwei Ortskräfte der Deutschen Presse-Agentur.

Eine Ortskraft schildert, wie sie von 20.00 Uhr abends bis 2.00 Uhr morgens versucht habe, in den Flughafen zu gelangen. Ein US-Soldat habe gesagt, jemand müsse herkommen und überprüfen, ob er wirklich eine Ortskraft der Deutschen sei. Immer wieder seien Schüsse in die Luft gefeuert worden. Auch Tränengas sei eingesetzt worden. Zudem seien die radikalislamischen Taliban mit Peitschen und Waffen unterwegs, um die Menschen zurückzuhalten.

Afghanische Ortskräfte: Bundeswehr forciert Evakuierung aus Kabul

Bis Freitagmittag hat die Bundeswehr nach eigenen Angaben 1.600 Menschen aus Afghanistan in Sicherheit gebracht. Es ist der größte Evakuierungseinsatz in der Bundeswehrgeschichte. Bei den Ausgeflogenen handelt es sich um Bundesbürger, afghanische Ortskräfte sowie Menschen aus insgesamt 36 weiteren Ländern.

Ein Transportflugzeug Airbus A400M der Bundeswehr landet mit aus Kabul evakuierten Personen an Bord auf dem Flughafen (17. August 2021).
Ein Transportflugzeug Airbus A400M der Bundeswehr landet mit aus Kabul evakuierten Personen an Bord auf dem Flughafen in Tashkent/Usbekistan (17. August 2021). © dpa/Marc Tessensohn

Den mit Abstand größten Teil an Schutzsuchenden hat die US-Armee evakuiert. Nach Angaben des Pentagons sind das seit Samstag (14. August) 7.000 Menschen.

Nach ihrem beispiellosen Eroberungszug haben die Taliban am Sonntag (15. August) die Macht im Land übernommen. Viele Afghanen befürchten eine Rückkehr der Schreckensherrschaft der Islamisten der 1990er-Jahre, während der etwa Frauen vom öffentlichen Leben ausgeschlossen waren und die Vorstellungen der Islamisten mit barbarischen Strafen durchgesetzt wurden. (esk/dpa/PM)

Auch interessant

Kommentare