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RNV-Betriebshof: Aktionsbündnis will Ochsenkopfwiese erhalten

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Aktionsbündnis will Ochsenkopfwiese erhalten.

Heidelberg - In wenigen Tagen soll der Gemeinderat über den Standort des RNV-Betriebshof entscheiden. Ein Bündnis plädiert vehement für den Erhalt der Ochsenkopfwiese. Die Gründe:

Betriebshof am aktuellen Standort erneuern – Grünfläche am Großen Ochsenkopf erhalten!

So lässt sich die Forderung des „Aktionsbündnis Bergheim-West“ in der Diskussion um den künftigen Standort des maroden RNV-Betriebshof zusammenfassen. 

Das Bündnis, zu dem u.a. NABU, BUND, das Bürgernetz Heidelberg und Bürgerinitiativen gehören, sieht im „aktuellen Standort des Betriebshof an der Bergheimer Straße auch den idealen Standort für eine Weiterführung“, erklärt Karin Weber von der Bürgerinitiative Ökologische Mobilität.

Was für den aktuellen Standort spricht

Die zentrale Lage des Betriebshof mitten in Bergheim ermögliche kurze Ein- und Auswege und biete eine gute Erreichbarkeit für RNV-Mitarbeiter, so Weber. Zudem garantiert seine zweiseitige Anbindung ans Schienennetz auch im Störfall eine Aufrechterhaltung des Nahverkehrsbetriebs. Dies sei bei den aktuellen Planungen am Ochsenkopf nicht gegeben.

Der Betriebshof ist durchaus „zukunftsfähig“, findet Weber: „Die Bergheimer Straße kann die notwendigen Abstellmöglichkeiten bieten, die 2017 im Mengengerüst für die Verkehrsplanungen bis 2030 neu ermittelt wurde.“ Konkret geht es um 41 Straßenbahnen und 37 Busse.

Der Betriebshof an der Bergheimer Straße.

Der Vorwurf des Bündnisses an die Stadt: Auch die Planungen für den Betriebshof an der Bergheimer Straße aus dem Jahr 2014 sollten auf den neuesten Stand gebracht werden. Ein „international tätiger Verkehrsexperte“ habe errechnet, dass sich am aktuellen Standort bis zu 48 Abstellplätze für Straßenbahnen realisieren lassen, sagt Weber.

Zudem biete das Areal der Alten Feuerwache, auf dem derzeit noch das Kreativwirtschaftszentrum „Dezernat 16“ untergebracht ist, „erhebliches Erweiterungspotenzial für die Busabstellung“. Das Bündnis wolle den Fraktionen vor der womöglich entscheidenden Gemeinderatssitzung (22. November, 16:30 Uhr) Einblick in die vorliegende Expertise geben – eine entsprechende Einladung ließen die Parteien bislang aber unbeantwortet.

Kostenvergleich hinkt

Die Flächen Großer Ochsenkopf, Favorit von Stadtverwaltung, RNV sowie den bürgerlichen Gemeinderatsfraktionen, und Bergheimer Straße sind in punkto Abstellmöglichkeiten gleichwertig, folgert Weber. 

Dabei hinkt aus Sicht des Aktionsbündnisses der Kosten-Vergleich der beiden Standorte: Während RNV und Verwaltung für einen Neubau am Ochsenkopf (Abstellung der Straßenbahnen im Freien) Kosten von knapp 62 Millionen Euro veranschlagen, soll der Neubau am aktuellen Standort inzwischen fast 87 Millionen Euro kosten. 

Die Diskrepanz zwischen den beiden Zahlen erklärt Weber mit „qualitativen Unterschieden“ in der Planung: Während am Ochsenkopf auf eine teure Abstellhalle verzichtet wird, „muss der Betriebshof an der Bergheimer Straße städtebaulich auf ein viel höheres Niveau gebracht werden.“ Im Gegenzug müsse man am Ochsenkopf mit um 8 bis 15 Prozent höheren Instandhaltungskosten für Bahnen rechnen. 

Zudem fragt man sich beim Bündnis, woher die exorbitant höheren Investitionskosten für den Standort Bergheimer Straße plötzlich kommen: Noch im Februar 2017 taxierte Finanzbürgermeister Hans-Jürgen Heiß den Neubau mit gut 72 Millionen Euro! Eine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz bei der Stadt zu den 15 Millionen Euro Mehrkosten blieb laut Weber bislang unbeantwortet.

Ökologische Gründe für Erhalt der Ochsenkopfwiese

Dabei gibt es auch aus ökologischer Sicht gute Gründe für einen Erhalt der Grünfläche am Großen Ochsenkopf, die „weit mehr ist als ‚nur‘ eine ‚Hundewiese‘“, sagt BUND-Vorstand Rainer Zawatzky.

Bei einer gemeinsamen Begehung im Jahr 2017 habe man über 120 verschiedene höhere Pflanzenarten zählen können, berichtet Volker Violet vom NABU. „Darunter auch zwei Raritäten: Die Rauhe Nelke, die in Baden-Württemberg auf der Roten Liste der bedrohten Arten steht, und der unscheinbare Krähenfuß.“ 

Dieser Artenreichtum würde bei einer Bebauung verloren gehen – mit weitreichenden Folgen auch für Insekten, Singvögel und Fledermäuse, fürchtet Zawatzky.

Die Ochsenkopfwiese ist eine wichtige Kaltluftenstehungszone.

Auch mit Blick auf den Klimawandel sei es „geradezu anachronistisch, eine Grünfläche opfern zu wollen“, die für das Stadtklimaso wertvoll“ sei wie der Ochsenkopf. Die Stadt nehme als Modellkommune am „Masterplan 100 % Klimaschutz“ teil und müsse die Ochsenkopfwiese auf jeden Fall schützen.

Gerade das heiße Jahr 2018 hat klimatisch gezeigt, wie wichtig Grünflächen für unser Stadtklima sind“, ergänzt Heinz Delvos vom Arbeitskreis Nachverdichtung im Bürgernetz Heidelberg. Ohnehin sei die Klimasituation in Bergheim kritisch, erklärt Delvos, da nur rund 5 Prozent des Stadtteils Grünflächen sind.

Zwar wollen CDU und ‚Heidelberger‘ die Hälfte des jetzigen Betriebshof-Areals als „Stadtpark“ gestalten, diese Fläche ist laut Delvos aber über 20.000 Quadratmeter kleiner als die Wiese am Ochsenkopf. Zudem werde der „Park“ wohl auf einer Tiefgarage aus Beton angelegt werden – schließlich sei auf dem restlichen Areal eine Mischnutzung aus Gewerbe und Wohnen geplant. Für die Wärmeregulierung wichtige Bäume könnten dort nicht wachsen, glaubt Delvos.

Für Delvos das größte Manko an einer Bebauung des Ochsenkopf: „Dadurch wird eine weitere Strömungsbarriere errichtet, der Neckartäler Wind kommt dann fast gar nicht mehr weiter und kann das Pfaffengrunder Feld nicht mehr mit kühlerer Luft versorgen.“ Dabei habe der Städtetag jüngst gefordert, dass Kaltluftschneisen bei der Stadtentwicklung stärker berücksichtigt werden sollen, so Delvos. „Der Ochsenkopf ist überdies ein nächtliches Kaltluftentstehungsgebiet.

Kritik an Stadt und Gemeinderäten

Besonders das bürgerlich-konservative Lager im Gemeinderat messe beim Thema Klimaschutz mit zweierlei Maß, moniert das Bündnis.

Während die CDU in der Altstadt Grünflächen wie der Providenzgarten aus Klimaschutzgründen um jeden Preis erhalten will, sieht man das beim Ochsenkopf nicht“, findet Zawatzky. Dabei müssten alle Argumente, die für den Erhalt des Providenzgartens sprechen, auch für den Großen Ochsenkopf gelten, ergänzt Weber.

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Die Bürger würden von der Verwaltung ohnehin nicht gehört, kritisiert Delvos: „Trotz Bürgerbeteiligung, trotz eines klaren Votums des Bezirksbeirats Bergheim, hält die Stadt am Ochsenkopf fest, ohne die Wünsche und Ängste der Bürger ernst zu nehmen. Insofern ist die Bürgerbeteiligung für die Katz.

Bündnis befürchtet „Aufwertungsdruck“

Man könnte meinen, da liegt schon ein Bauprojekt für das aktuelle Betriebshof-Areal in der Schublade, das man jetzt an der Bergheimer Straße umsetzen will“, mutmaßt Delvos. 

Sollte der Betriebshof von der Bergheimer Straße wegverlagert werden, könnte es zu einem weiteren „Immobilienentwicklungsprojekt“ kommen, „bei dem es um die Privatisierung öffentlicher Fläche und um die Erzielung privater Gewinne“ geht, befürchtet das Bündnis. Wegen seiner exponierten Lage zwischen den städtischen Entwicklungspolen Bahnstadt und Neuenheimer Feld und der Nähe zu Autobahn und Innenstadt, könne die Verlagerung des Betriebshof einen „Aufwertungsdruck“ für andere Bergheimer Grundstücke zur Folge haben.

Appell an Grüne-Fraktion

Wenn die Grünen ihren Grundüberzeugungen treu bleiben, bleibt die Ochsenkopfwiese als solche erhalten“, ist sich das Bündnis indes sicher. Dann würde sich im Gemeinderat keine Mehrheit für die Bebauung des Großen Ochsenkopf finden, auch wenn das Areal als Gewerbefläche ausgewiesen ist.

Das könnten die Stadträte bei der kommenden Gemeinderatssitzung auch gleich noch ändern. Bei der Sitzung soll auch der Flächennutzungsplan des Nachbarschaftsverbands Mannheim-Heidelberg fortgeschrieben werden.

So gehts weiter

Der Gemeinderat entscheidet am Donnerstag (22. November, 16:30 Uhr) über den neuen Standort des RNV-Betriebshof. Zuvor will die Grüne-Fraktion bei einem Vor-Ort-Termin nochmal für das Airfield werben (Samstag, 17. November, 13:30 Uhr, Kreuzung Baumschulenweg/Diebsweg).

rmx

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