Noch bis zum 27. April 

„Der nackte Luther“ auf dem Marktplatz – was dahinter steckt! 

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Der „nackte Luther“ auf dem Heidelberger Marktplatz . 

Heidelberg-Altstadt - Sie erinnert ein bisschen an die Figur des nackten Trump, doch bei dem Nackten auf dem Marktplatz handelt es sich nicht etwa um einen Politiker, sondern um den Reformator Martin Luther! 

Mit ihrer Kunstaktion „Die nackte Wahrheit über Martin Luther“ will die Giordano-Bruno-Stiftung im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der „Heidelberger Disputation“ an die dunklen Seiten Martin Luthers erinnern. Am 26. April 1518 verteidigte der Reformator seine Thesen an der Heidelberger Universität, was die Ausbreitung des Protestantismus im Südwesten bewirkte. 

An diesem Jahrestag soll in der Aula der Alten Universität ein Festakt stattfinden. 

David Farago, Initiator der Aktion:„Wer einen Festakt anlässlich der Person Martin Luther ausrichtet, feiert damit auch einen der wirkmächtigsten Antisemiten aller Zeiten. Nicht ohne Grund haben sich ranghohe Nazis immer wieder auf Luther berufen. Hierüber klären wir mit unserer Figur auf.“ 

Die fast vier Meter hohe Skulptur zeigt eine nackte Lutherfigur mit geöffnetem Mantel. Auf der Innenseite des Mantels prangt ein Zitat des Philosophen Karl Jaspers: „Luthers Ratschläge gegen die Juden hat Hitler genau ausgeführt“

Auf der Rückseite sind die judenfeindlichen Ratschläge des Reformators zu lesen (unter anderem das Niederbrennen der Synagogen, Zwangsenteignung und Zwangsarbeit für Juden). 

Bis zum 27. steht der „nackte Luther“ noch auf dem Marktplatz. 

Die mobile Skulptur weist auf die dunklen Seiten des Reformators hin, über die allzu oft der Mantel des Schweigens gelegt wird. „Nach heutigen Maßstäben wäre Luther ein Hassprediger“, so Farago weiter. „Er hat auch gegen Frauen, Bauern und Behinderte gehetzt. Außerdem hat die Reformation Millionen Todesopfer gekostet. Ein Grund zum Feiern ist das wirklich nicht“ 

Die Reaktionen der Heidelberger auf den ‚Nackten‘

Die Resonanz war laut Veranstalter, wie auch schon in anderen Städten, sehr durchwachsen. „Von  wüsten Beschimpfungen“ bis „klarer Zustimmung“ ist alles dabei. Der Veranstalter David Farago ist jedoch zufrieden: „Gut ist, dass meist beide Seiten etwas hinzulernen, denn das ist unsere Absicht.“

Was ist die Giordano-Bruno-Stiftung?

Die Giordano-Bruno-Stiftung ist eine Denkfabrik für Humanismus und Aufklärung, der sich zahlreiche Wissenschaftler und Künstler angeschlossen haben. Sie will konfessionsfreien Menschen (36 Prozent der Bundesbürger) eine Stimme geben und hat ethische Richtlinien für das 21. Jahrhundert entwickelt, die ohne religiöse Moralvorstellungen auskommen. Die Stiftung wurde 2004 gegründet und zählt aktuell rund 8500 Fördermitglieder. 

Du willst dir den nackten Luther auch ansehen? 

„Der nackte Luther“ wird noch bis zum 27. April von jeweils 11 bis 20 Uhr auf dem Heidelberger Marktplatz zu sehen sein.

pm/kp

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