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Heidelberg: Wird JVA „Fauler Pelz“ wieder in Betrieb genommen?

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Von: Daniel Hagen

Das Gefängnis Heidelberg
Wird das Heidelberger Gefängnis Fauler Pelz bald als Maßregelvollzug genutzt? (Archivfoto) © picture alliance/dpa

Heidelberg - Manne Lucha will zwei neue Standorte für den Maßregelvollzug schaffen – einer davon in Heidelberg. Das überrascht die Uni und die Stadtverwaltung sehr.

Update vom 8. Oktober: Das ehemalige Gefängnis „Fauler Pelz“ in Heidelberg könnte wieder in Betrieb genommen werden. Diese Überlegung hat der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha zuletzt geäußert, um damit den Platzmangel im Maßregelvollzug zu bekämpfen. Für die Stadtverwaltung und die Universität wäre das besorgniserregend. „Der Faule Pelz nimmt in den Planungen der Universität, die für die Geisteswissenschaften in der Heidelberger Altstadt dringend zusätzliche Flächen benötigt, eine zentrale Rolle ein“, erklärt eine Sprecherin der Universität der RNZ. In dem Gebäude, das seit 2015 nicht mehr als Gefängnis genutzt wird, sollen Büros und Archive entstehen.

„Wir hatten große Hoffnungen in eine attraktivere Nachnutzung durch das Land gesetzt. Es wäre eine große Chance für die Altstadt gewesen, dieses Areal zu öffnen und zu beleben“, sagt Oberbürgermeister Eckart Würzner der RNZ. Eine Unterbringung psychisch kranker Straftäter mitten in der Altstadt würde allerdings das genaue Gegenteil erzeugen. „Die Ankündigung kommt überraschend und ist für Heidelberg eine besorgniserregende Nachricht“, betont der 59-Jährige.

Heidelberg: Nach Weinsberg-Flucht – Wird „Fauler Pelz“ wieder in Betrieb genommen?

Erstmeldung: Seit ihrem spektakulären Ausbruch aus dem Zentrum für Psychiatrie Weinsberg am 23. September fehlt von drei Patienten weiterhin jede Spur. Zusammen mit einem vierten Mann, der kurz darauf gefangengenommen wird, gelingt den Insassen eine Flucht aus dem Maßregelvollzug. Dabei handelt es sich um eine Unterbringung von Straftätern mit psychiatrischen Krankheiten oder Suchterkrankungen. Zwar verfügen die Einrichtungen über Sicherheitsmaßnahmen, mit einem Gefängnis lassen sich diese aber nicht vergleichen. Nach dem Ausbruch in Weisenberg werden daher nun Konsequenzen gefordert.

NameHeidelberg
BundeslandBaden-Württemberg
Bevölkerung161.485 (Stand: 31. Dez. 2019)
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (Parteilos)

Heidelberg: Nach Flucht in Weinsberg – Wird „Fauler Pelz“ wieder in Betrieb genommen?

„Eine Rehabilitation ohne jegliche Entweichungen und Ausbrüche wird demnach einfach nicht zu realisieren sein“, sagt der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha am 29. September im Landtag in Stuttgart. Dort erklärt der Grünen-Politiker zudem, wie genau der Ausbruch in Weinsberg abgelaufen ist und betont mehrfach, dass im Maßregelvollzug die Therapie im Vordergrund stehe. Man versucht, die Patienten in die Gesellschaft einzugliedern und auf ein straffreies Leben vorzubereiten. Während das in vielen Fällen gutgeht, hat der Ausbruch der vier Insassen gezeigt, dass auch gefährliche verurteilte Verbrecher aus dem Vollzug ausbrechen können.

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Um auf den Platzmangel im Maßregelvollzug reagieren zu können, plant Manne Lucha nun, zwei neue Standorte in Baden-Württemberg zu schaffen. „Wir haben momentan in Baden-Württemberg alleine 120 Personen in der Organisationshaft. Diese Personen warten im Gefängnis darauf, dass sie in den geschlossenen Maßregelvollzug überführt werden. Der Druck ist enorm, dass wir zeitnah genügend neue Plätze schaffen“, sagt der Minister. Einer der beiden neuen Standorte könnte sich in Heidelberg befinden.

Heidelberg: Immer wieder Ausbrüche im Maßregelvollzug

„Wenn es nach mir ginge, könnte man das ehemalige Gefängnis Fauler Pelz in Heidelberg schnell ertüchtigen, dort könnten wir temporär ca. 75 Maßregelvollzugs-Plätze schaffen“, sagt Lucha der „Heilbronner Stimme“ und dem „Südkurier“. Ein weiterer Standort werde derzeit noch gesucht. Das Gefängnis Heidelberg – auch Fauler Pelz genannt – wurde 1847/48 erbaut und im Jahr 2015 aufgrund des Alters des Gebäudes und der nachlassenden Häftlingszahlen geschlossen. Seit 2017 kann es bei Führungen besichtigt werden.

Manne Lucha erklärte zudem, dass es in den offenen Stationen im Maßregelvollzug immer wieder zu Ausbrüchen komme. „Wir hatten bislang in diesem Jahr rund 200.000 Lockerungsmaßnahmen, also Patienten aus den offenen Stationen konnten die Klinik unter Auflagen und unter Aufsicht zeitweise verlassen. Aus dem offenen Bereich gab es 2021 bislang 45 Entweichungen, im Jahr 2020 waren es insgesamt 88.“ (dpa/dh)

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