Studi-Talk

Sterben im Mittelmeer: Ein Mahnmal vor der Uni

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Louise und Jannis diskutieren über das Mahnmal vor der Universität.

Heidelberg-Altstadt - Unbekannte errichten in der Nacht auf Donnerstag auf dem Universitätsplatz ein Mahnmal aus einem aufwändigen Grab. Wir sprechen mit zwei Studenten darüber:

Es ist ein symbolisches Zeichen, das an die vielen Flüchtlinge erinnern soll, die im Mittelmeer ertrunken sind...

Das „Grab“ vor dem Eingang der Ruprecht-Karls-Universität.

Die Zahl der Menschen, die es seit 2014 nicht lebend über die See geschafft haben, beläuft sich auf weit mehr als 10.000. Laut Angaben der Aktivisten, die sich nicht zu erkennen geben, errichten sie neben Heidelberg Mahnmale in ganz Deutschland: Sie stellen Symbole in Berlin, Düsseldorf, Dortmund, Oldenburg, Osnabrück und Marburg auf. 

In Düsseldorf soll eine rote Rettungsweste mit dem Schild „Den Opfern der Festung Europa“ vor dem Volksgarten an die Ertrunkenen erinnern. 

Die Aktion will dazu aufrufen, das Sterben im Mittelmeer nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“, so die Aktivisten.

Vor dem Mahnmal treffen wir auf die Geschichtsstudenten Louise und Jannis. Sie sind beim Vorbeilaufen auf das Kreuz aufmerksam geworden und aus Neugier näher gekommen.

Als wir sie nach ihren Eindrücken fragen, antwortet die 21-jährige Studentin: „Das Dramatische ist, dass man eine Zahl wie 10.000 hört, aber sie gar nicht mehr so viel mit einem macht. Man ist völlig abgestumpft und übersättig.

Das Mahnmal mit der Aufschrift „Den Toten an Europas Außengrenzen“.

Louise ist auch der Meinung, dass die Menschen nur betroffen auf schreckliche Dinge reagieren, wenn sie greifbarer sind: „Sobald es näher kommt, findet man das krass.

Der 25-jährige Jannis fügt hinzu: „Wie viele sterben in Deutschland auf der Autobahn und es interessiert keinen, bis man ein Kreuz am Straßenrand sieht. Man ist nicht sensibilisiert fürs Sterben.

Wir fragen die beiden, was sie zuerst vermuteten, als sie das Kreuz sahen. Sie dachten, dass vielleicht ein Student oder Dozent verstorben sei. Und geben zu, dass sie dadurch wahrscheinlich betroffener gewesen wären, als durch die Tatsache der 10.000 anonymen Toten im Mittelmeer.

>>> Wasserturm und Neckarwiese: Polit-Aktivisten setzen Kreuze

>>> „Die Toten Kommen“: Protestaktion jetzt auch in Heidelberg

hew

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