32 Plätze fallen in Landfriedstraße weg 

Mangel in der Altstadt: Den Anwohnern gehen die Parkplätze aus!

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In der Landfriedstraße fallen 32 Anwohnerparkplätze weg!

Heidelberg-Altstadt - Wenn sie abends nach Hause kommen, kurven viele Altstädter bis zu einer Stunde durch die Gassen, bis sie einen Parkplatz finden. Die Situation wird sich verschlimmern:

Immer weniger Anwohnerparkplätze in der Altstadt. 

Am Mittwoch (20. Juni) teilt die Stadt via Pressemitteilung mit, dass das „Parken in der Landfriedstraße neu geordnet“ wird. 

Was zunächst harmlos klingt, hat es in sich: Insgesamt 32 Stellplätze für ohnehin von chronischem Parkplatzmangel betroffene Altstadtbewohner fallen weg! Heißt: Sämtliche Parkplätze auf der Nordseite der Landfriedstraße (zur Hauptstraße hin) verschwinden im Zuge der „Neuordnung“.

Sämtliche Parkplätze auf der nördlichen Seite (rechts) der Landfriedstraße fallen weg! 

Die Stadt begründet die Maßnahme, die zum Teil schon umgesetzt ist, mit der Verkehrssicherheit von Fußgängern, insbesondere von Schülern: „Die Landfriedstraße ist eine wichtige Wegeverbindung für die Kinder in der Altstadt: Sie ist sowohl eine Hauptachse für die Grundschüler zur Friedrich-Ebert-Schule, als auch ein viel genutzter Durchgang zum Anna-Blum-Spielplatz oder zum Spielplatz in der Märzgasse.

Der nach dem tödlichen Unfall eines 9-jährigen Jungen in der Theaterstraße 2016 einberufene Sicherheitsaudit habe ergeben, dass die Sicherheit der Fußgänger nur gewährleistet werden könne, wenn die Parkplätze auf der Südseite (zur Plöck hin) vom Gehweg auf die Straße verlegt werden. Um eine ausreichende Straßenbreite für Rettungswagen, Feuerwehr und Müllabfuhr sicherzustellen, müssten dafür aber die Parkplätze auf der gegenüberliegenden Straßenseite komplett entfallen, so die Stadt.

Die Parkplätze der Südseite sind bereits auf die Fahrbahn verlegt worden.  

OB Würzner bügelt Bürgerinitiative ab 

Anwohner aus Friedrich- und Landfriedstraße gründen daraufhin die Bürgerinitiative „Meine Landfriedstraße“. Sie setzen sich für den Erhalt der Parkplätze ein, machen Vorschläge, wie man die Verkehrssicherheit auch ohne Wegfall der Parkplätze erhöhen kann. Über 100 Unterschriften hat die Initiative für den Erhalt der Parkplätze in der Landfriedstraße gesammelt.

Martin Neudecker, der die Initiative mitgegründet hat und selbst mit Frau und Kindern in der betroffenen Straße wohnt, trägt seine Vorschläge in der Bürgerfragestunde der Gemeinderatssitzung am Donnerstag (28. Juni) vor. 

Die Schrittgeschwindigkeit, die in der Landfriedstraße als Teil der Fußgängerzone gilt, müsse konsequent umgesetzt werden, so Neudecker. Zudem schlägt die Initiative digitale Anzeigeschilder, Bodenschwellen (wie in der Theaterstraße), regelmäßige Kontrollen und die Einführung von Pollern schon vor 2020/21 vor.

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Eine weitere Anwohnerin verweist darauf, dass wegen der Sanierung des Hölderlin-Gymnasiums in den kommenden Jahren 80 weitere Anwohnerparkplätze in der Friedrich-Ebert-Anlage wegfielen. „Wir können nicht woanders parken. Welche Alternativen haben wir Anwohner denn?“ 

Insgesamt fehlen den Altstadtbewohnern in Zukunft also über 110 Anwohnerplätze!  

Der öffentliche Raum ist kein Parkplatz!“ erwidert Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos). Vermieter und Hauseigentümer müssten Stellplätze für Anwohner nachweisen. Sondergenehmigungen für Parken auf öffentliche Flächen seien ein Entgegenkommen der Städte gewesen. Nach dem Unfall in der Theaterstraße messe man sicheren Schulwegen und dem Kinderwohl heute aber eine höhere Priorität bei als dem Anwohnerparken, so das Stadtoberhaupt. 

Zudem sei die Maßnahme ohne größere Einwände bereits im Altstadtbeirat und im Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss behandelt worden, sagt Würzner. An der Neuordnung der Parkplätze wird am Montag (2. Juli) weiter gearbeitet.

Am 2. Juli wird weiter an den Maßnahmen gearbeitet.

Erhöhte Verkehrssicherheit durch breitere Straße?

Ob die städtischen Maßnahmen die Verkehrssicherheit tatsächlich erhöhen, lässt sich zumindest hinterfragen.

Kenner der Situation in der Landfriedstraße wissen, dass vor der Neuordnung der Parkplätze ohnehin nicht schneller als Schrittgeschwindigkeit gefahren werden konnte. Radfahrer und Fußgänger auf der Straße ließen ein höheres Tempo nicht zu. 

Wenn die Straße nach Abschluss der Maßnahme jetzt aber breiter (und besser einzusehen) ist, könnten Autofahrer sich dazu verleiten lassen, schneller zu fahren als die eigentlich erlaubte Schrittgeschwindigkeit ...

rmx

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