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Heidelberg-Altstadt: Widerstand gegen Neubau von Sinti und Roma-Zentrum

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Von: Peter Kiefer

So soll der Neubau des Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg aussehen.
So soll der Neubau des Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg aussehen. ©  bez + kock architekten (Stuttgart)

Heidelberg – Gegen den geplanten des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma regt sich Widerstand. Einer Bürgerinitiative wird das Gebäude in der Altstadt zu groß:

Update vom 21. September: Der geplante Neubau des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma sorgt weiterhin für große Diskussionen in der Altstadt. Jetzt wendet sich eine Bürgerinitiative an die Fraktionen im Heidelberger Gemeinderat mit der Bitte den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Bremeneck zu überdenken. Dabei gehe es der Initiative lediglich um das Volumen des Vorhabens ‒ der Neubau sei zu groß und weder stadtbild- noch umweltverträglich.

Die BiBB hofft daher auf eine deutliche Überarbeitung des Entwurfs mit stark reduziertem Volumen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Man wünsche sich einen öffentlichen Dialog mit dem Zentrum und eine öffentliche Abstimmung. Immerhin werde „der Umbau aus öffentlichen Geldern finanziert.“ Vorwürfe des Antizigianismus weist die Bürgerinitiative Bebauungsplan Bremeneck (BiBB) entschieden zurück.

StadtHeidelberg
BundeslandBaden-Württemberg
Einwohnerzahl161.485 (Stand: 31. Dez. 2019)
Fläche108,84 km²
OberbürgermeisterProf. Dr. Eckart Würzner (parteilos)

Heidelberg: „Ein No-Go“ – Debatte um Neubau von Sinti und Roma-Zentrum in Altstadt

Erstmeldung vom 5. August: Seit Anfang der 1990er gibt es das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in der Bremeneckgasse 2 in Heidelberg. Das Gebäude in der Altstadt ist ein Erinnerungs- und Begegnungsort, der über die 600 Jahre alten Geschichte der Sinti und Roma in Europa informiert. Doch viel mehr noch: Auch die weltweit erste Dauerausstellung zum Genozid der Nazis an der Minderheit überhaupt ist dort untergebracht.

Doch schon bald tut sich was an dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude aus dem 18. Jahrhundert. Denn die vom Zentralrat der Sinti und Roma getragene Einrichtung soll im Zuge der Internationalen Bauausstellungen (IBA) Heidelberg nicht nur saniert, sondern vor allem um einen modernen Neubau erweitert werden. Für viele Kritiker zu modern und so gar nicht in die Heidelberger Altstadt passend.

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Heidelberg: Roter Sandstein aus Region für Außenfassade des Gebäudes

Bei einem zweiphasigen Realisierungswettbewerb, der im Februar 2020 startete, hat sich letztendlich im Juli 2021 der Entwurf der „bez + kock architekten“ aus Stuttgart gegen 20 weitere Konkurrenten aus dem In- und Ausland durchgesetzt. Die Fachjury lobt in ihrer Beurteilung: „Das Verhältnis von geöffneten zu geschlossenen Bereichen entlang der Fassade überzeugt als wohlproportionierte und klar definierte Komposition.“ Nette Idee: Als Material soll übrigens roter Sandstein aus der Region verbaut werden, das Dach ist begrünt.

Das Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in der Heidelberger Altstadt.
Das Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in der Heidelberger Altstadt. © HEIDELBERG24/Florian Römer

Doch vielen Heidelbergern ist der kantige Neubau ein optischer Dorn im Auge. Auch auf Facebook stößt der Entwurf nur auf wenig Gegenliebe, wie ein Auszug der negativen Kommentare zeigt:

Heidelberg: „Wird noch Veränderungen geben“ – Sinti und Roma-Zentrum verteidigt Pläne

Und was sagt man von Seiten des Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma? „Es wird noch Veränderungen geben“, beschwichtigt Emran Elmazi von der Geschäftsstelle des Zentrums gegenüber der RNZ. Die finalen Detailplanungen würden ohnehin erst im Jahr 2022 beginnen.

Dennoch sei man schon jetzt zufrieden mit dem Siegerentwurf. So sei die Form eines abgeschlossenen Kubus wichtig für die Ausstellungsräume – vor allem wegen der konstanten Raumtemperatur. „Und für uns als Minderheit ist es wichtig, ein Gebäude zu haben, das sichtbar ist“, so Elmazi zur RNZ. Und das sollte mit diesem umstrittenen Entwurf ganz sicher gewährleistet sein...

Heidelberg: So erklären die bez + kock architekten ihren Siegerentwurf

Eine geknickte Konturlinie formuliert einen Stadtplatz vor dem Gebäude, der vom Museum dominiert wird, aber der gesamten Öffentlichkeit zugeeignet ist. Auf der Gegenseite formuliert diese Kontur den Anschluss des neuen Gebäudes an den denkmalgeschützten Bestand und die Nachbarhäuser. Der Topografie der Stadt folgend erhält der Baukörper bergseitig einen viergeschossigen, talseitig einen dreigeschossigen Teil.

Im laternenartig aufgefassten Dachgeschoss des Neubaus entsteht so ein zusätzlicher, als Dachterrasse nutzbarer, geschützter Außenraum, der in der beengten Altstadt- und Grundstückssituation eine Bereicherung für Haus und Nutzer darstellen kann. Es entsteht eine prägnante Form, die einerseits klar als musealer, quasi solitärer Baustein im Stadtgefüge erkennbar ist und sich andererseits wie ein Schlüssel zum Schloss in die vorhandene Situation einpasst.

Blick ins Innere des Neubaus des Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg. (Illustration)
Blick ins Innere des Neubaus des Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg. (Illustration) ©  bez + kock architekten (Stuttgart)

Nach innen entwickelt sich zwischen dieser Kontur und der durch das Atrium definierten typologisch-orthogonalen Ordnung ein spannungsvoller und abwechslungsreicher Raumverbund, der eine vielfältige Bespielung ermöglicht, eine wechselseitige Interaktion von Ausstellung und Raum schafft und so den Besuch des Museums zu einem nachhaltig eindrucksvollen Erlebnis machen kann. (pek)

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